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Spione bitten zum Tanz

Spione bitten zum Tanz

Mehr Heimspiel geht nicht: Am Montag, 30. April, stellt die Trie-rer Ska-Institution Spy Kowlik ihr viertes Album "Spycology" im Mergener Hof vor. Der TV hat sich mit den drei Gründungsmitgliedern der Band getroffen.

Trier. Tempo, Tempo! Das spielt beim Ska durchaus eine Rolle. Neben dem zappeligen Offbeat. Neben den scharfen Bläsersätzen. Aber es kommt nicht immer darauf an. So hatte Spy Kowlik keine Eile damit, einen Nachfolger für "Trois" zu produzieren. Knapp fünf Jahre hat es gedauert. Nun liegt seit wenigen Wochen das vierte Album "Spycology" vor, das bei der Release-Show am Montagabend im Mergener Hof offiziell vorgestellt wird. Bei so vielen Jahren ohne neues Material besteht die Gefahr, dass eine Band vom Radar rutscht. Bei den Spionen musste man sich wenig Sorgen machen. Die Jungs von Spy Kowlik - 2007 von einem Fachverband als "beste Ska-Band Deutschlands" ausgezeichnet - sind schließlich Meister des Spagats: Nie omnipräsent, aber auch nie weg. Zu viele Shows spielen ist ebenso tödlich wie ewige Pausen. Aus den Genres schnappen sich die Trierer das, was sie brauchen und was in die Beine geht: viel Ska, weniger Reggae, jede Menge Rock, etwas Punk.
Bei den aktuellen Aufnahmen ging es auch um Ideen, Überraschungen, kreative Selbstverwirklichung. Aber wichtig ist für Schlagzeuger Wolfgang "Wölfie" Zähringer besonders eines. "Das Album hat mächtig viel Druck. So ist es eine richtige Referenz für die Konzerte. So wie auf dem Album klingen wir auch live." Denn bei allem Spaß, den die Studioaufnahmen bei Andi Heinen im Bitburger M-O-S-Studio der Band auch gemacht haben (Zähringer: "Wir sind sehr, sehr zufrieden damit"): So richtig zu Hause fühlt sich die Band auf der Bühne.
Wo die Release-Party gefeiert werden soll, sei schnell klar gewesen. "Der MJC-Keller ist praktisch unser Wohnzimmer. Wir haben dort auch unseren Proberaum", sagt Bassist Simon Jachner. Er gehört mit Zähringer und Posaunist Jan Goldenstein zur Urbesetzung, die sich im August 2000 zusammengetan hat. Das neue Album sei deutlich rockiger ausgefallen, sagen die drei Gründungsmitglieder unisono.
An den anderen Instrumenten gab es öfter mal Fluktuation. So kam kürzlich mit Ulle Backes (unter anderem "The Wildflowers") ein zweiter Gitarrist hinzu. Damit steht die Band, wie schon in den Anfangsjahren, wieder zu acht auf der Bühne. Nur die Altersspanne wurde größer. Die reicht nun von Anfang 20 bis Mitte 40. Seit über sechs Jahren ist Sänger James Marsh inzwischen dabei. Ihn kennen viele vor allem als Trierer Basketball-Legende und Ex-Nationalspieler.
2000 Fremde, die mittanzen


Was nach einem Dutzend Jahren im Namen des Ska noch folgen soll, nach den sehr guten aktuellen Rezensionen in den Szene-Blogs und -magazinen? Ums Geldverdienen geht es der Band nach eigener Auskunft nicht, auch nicht um riesige Plattenumsätze. So sind die Offbeat-Fans in einer Hinsicht bewusst "indie": Eine Plattenfirma kommt den Spionen nicht ins Haus. "Wir wollen uns von niemandem reinreden lassen", sagt Zähringer. Die Ziele sind bescheiden: Ein paar mehr Liveshows dürften es in diesem Jahr noch werden. Bisher sind einige Open Airs bestätigt, unter anderem beim Altstadtfest Trier. Dass die Band nicht nur im kleinen Club für Partystimmung sorgen kann, hat sie oft bewiesen. "Einen unserer schönsten Auftritte hatten wir bei einem Uni-Open-Air vor 2000 Leuten in Tübingen - da haben praktisch alle getanzt", sagt "Wölfie" Zähringer. Das ist auch der Plan für Montag: Kein Bein in Ruhe zu lassen.
Release-Show: 30. April, Trier, Mergener Hof, Support:
Radio Moscow Noise Pollution. Einlass: 20 Uhr, Abendkasse: 5 Euro.