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Spurensuche im eigenen Leben

Spurensuche im eigenen Leben

Fotos von Schätzen einer persönlichen Vergangenheit und Objekte aus Fundstücken zeigt die Ausstellung "Zwei plus Eins". Die drei Künstler sind auch familiär verbunden: Richard Krings, der Vorsitzende der Fotografischen Gesellschaft Trier, seine Ehefrau Eva Sonne-Krings und deren Bruder Michael Sonne.

Trier. Der Ausstellungstitel "Zwei plus Eins" spielt augenzwinkernd darauf an, wie sich die Konstellation der drei beteiligten Künstler deuten lässt, als zwei Eheleute und ein Schwager, zwei Geschwister und ein Ehemann, zwei Männer und eine Frau oder aber zwei Fotografen und ein Objektkünstler.
Konstellationen, die insofern relevant sind, weil es ohne sie nie zu dieser Schau und damit auch nicht zur spannenden Begegnung dreier unterschiedlicher künstlerischer Ansätze gekommen wäre. Der erste augenfällige Reiz geht von der Gegenüberstellung zweidimensionaler Bilder und dreidimensionaler Objekte aus. Letztere blicken vielgestaltig, mal Tierköpfen, Fabelwesen oder sakra-len Skulpturen ähnelnd, von Wänden und Sockeln. Ihre bizarren Formen beflügeln die Fantasie, ihre von individueller Patina geprägten Oberflächen locken zu haptischem Begreifen.
Gestaltet hat sie Michael Sonne, von 1979 bis 2011 Kunsterzieher in seinem Wohnort Koblenz. Dort birgt er am Rheinufer Fundstücke aus Trümmerhaufen, die der Fluss angeschwemmt hat. Die von Naturgewalten überformten Strukturen von Holz-, Metall- oder Plastikteilen entwickelt er mit Kreativität, Witz und Verspieltheit zu bildnerischen Anordnungen, die den Rückschluss auf ihren Ursprung kaum noch erkennen lassen. Dass etwa der "Gockel" einmal Bettfeder war, lässt sich kaum rekonstruieren.
Mit ähnlichem Vexierspiel, allerdings ganz anderem Medium, arbeitet Eva Sonne-Krings. Die seit langen Jahren im Forum Fotografie Eifel/Mosel und der Fotografischen Gesellschaft Trier engagierte Fotografin hat sich einer besonderen Herausforderung gestellt. Sie hat nicht, wie beim Fotografieren üblich, nach optimalem Licht gesucht, sondern sich gezielt mit dunklen Motiven beschäftigt. Da, wo wenig Licht ist, kommt der Struktur besondere Bedeutung zu.
Wunden des Tagebaus


So hat Eva Sonne-Krings in den Oberflächen von Metall oder Stein, architektonische Details wie Gewölberippen einer Kirche oder in der Landschaft, beispielsweise den Wunden des Braunkohle-Tagebaus, gefunden. Entstanden sind Fotos von dichter, ganz besonders stimmungsvoller Atmosphäre. Sie erfordern oft einen zweiten Blick, da ungewöhnliche Bildausschnittwahl und Lichtführung das eigentliche Motiv verfremden.
Gegenständlicher erscheinen dagegen die Fotoarbeiten von Richard Krings, denen eine biografische Spurensuche zugrunde liegt. Der langjährige Vorsitzende der Fotografischen Gesellschaft Trier hat Dinge, die einst in seinem Leben wichtig, inzwischen aber aus dem Blickfeld geraten waren, wiederentdeckt und vor die Linse geholt. Da tauchen die alte Caruso-Schallplatte, die erste Kamera oder die Buchrückenreihe abgegriffener Gedichtbändchen auf.
Krings hat sie mit viel Gespür für grafische Wirkung, Ausschnittkomposition und Lichtführung in abstrakter Ästhetik abgebildet, was ihnen Symbolcharakter verleiht. Auf diese Weise kann der Betrachter eigene Erinnerungen wachrufen. ae
Bis 20. Juli, Di., Mi. und Fr. 14 bis 17 Uhr, Do. 17 bis 20 Uhr, Sa. und So. 11 bis 15 Uhr.