1. Region
  2. Kultur

St. Maximin verwandelt sich in einen Dom aus Licht und Klängen

Konzertkritik : Ein Dom aus Licht und Klängen

So war das 7. Trierer Sinfoniekonzert mit Anton Bruckners 8. Sinfonie in St. Maximin.

Er hat etwas Geheimnisvolles, dieser Anfang. Ein Klangteppich der Streicher, vereinzelte Einsprengsel der Holzbläser. Und erst danach entfaltete sich der volle, echt Brucknersche Orchesterklang seiner 8. Sinfonie – der letzten, die der Komponist vollenden konnte.

Es ist eine Verbindung aus zarter Andeutung und orchestraler Wucht, aus Fülle und Filigran. Das maßvoll verstärkte, unter anderem durch Wagner-Tuben und Harfen ergänzte  Philharmonische Orchester Trier und Jochem Hochstenbach, sie suchten ihren eigenen, ganz spezifischen Bruckner-Stil. Sie balancierten von Anfang an sicher auf dem schmalen Grat zwischen überladenem Pathos und intellektueller Distanz. Und dem Trierer GMD gelingt das Kunststück einer entschiedenen und doch unverspannten Interpretation.  Vielleicht orientierte sie sich unbewusst am Herzschlag – wie bei den Komponisten Alter Musik, die Bruckner so sehr liebte.

Und so, wie diese Interpretation zurückgreift in die Vergangenheit, so geleitet sie auch in die Moderne – deutlicher jedenfalls, als jeder anderen Sinfonie des Meisters von St. Florian. Hochstenbach und sein Orchester setzen die vorsichtig chromatisch eingefärbte Harmonik um  in eine fließende, uneindeutige, aber keineswegs unklare Klanggestalt – leise und bedächtig zuweilen und dann wieder apokalyptisch ausbrechend. Und der Abschluss im Kopfsatz hat bei ihnen etwas Vorsichtiges, Nachdenkliches,  so, als wolle die Musik selber nicht daran glauben, wozu sie fähig sein könnte.

Ein klares, ein deutliches Scherzo. Ein Finale, reich an Klangideen, an Wucht, Tiefe und Zwischentönen. Und doch: Hochstenbach und die Trierer setzten ihre ganze Energie nicht an diese Sätze, sondern an das große, herrliche Adagio der Achten. Schon das Trio im Scherzo war wie eine Vorbereitung. Und dann dieser wunderbare langsame Satz!

Mag sein, dass aus dem Abstand von mehr als 20 Stuhlreihen die Streicher gelegentlich diffus wirkten. Aber der Kern dieser Musik, ihr Zentrum, ihr Unwiederholbares und nicht Verwechselbares, sie entfalteten sich bei Hochstenbach und seinen Musikern zu wahrhaftiger Größe und Gewalt.  Es war ein Dom aus Licht und Klängen, der sich in St. Maximin entfaltete.  Da setzt die Bratschengruppe im Orchester mit fließenden Sechzehnteln ein – „zart hervortretend“ schreibt Bruckner. Und das gesamte Orchester – vor allem Holzbläser, Hörner, Posaune, die  Wagner-Tuben, später auch die hohen Streicher –  es beschwört die Vision von einem Klang, der sich in die Weite auflöst –  zugleich diesseitig und mystisch entrückt. Unter den gut 500 Besuchern in St. Maximin waren die Ergriffenheit und die Begeisterung groß.