1. Region
  2. Kultur

Stahlkocher und Artist: Joe Satriani versetzt 800 Fans in Ekstase

Stahlkocher und Artist: Joe Satriani versetzt 800 Fans in Ekstase

In Esch-sur-Alzette ist wieder Stahl gekocht worden: Joe Satriani hat in der Rockhal die Saiten seiner E-Gitarre zum Glühen gebracht. Die Präsentation seines 14. Instrumental-Albums "Unstoppable Momentum" geriet für 800 Fans zum Adrenalintrip durch abgehobene Sphären der Rockgitarren-Artistik.

Esch-sur-Alzette. Die Ohren klingeln augenblicklich, die Nervenbahnen stehen sofort unter Strom - mit einem lauten, brachialen Hardrock-Intro steigen Joe Satriani und seine Band ins Konzert ein. Ein explosionsartiger Exzess in atemberaubendem Tempo, der urplötzlich unterbrochen wird von samtweichen, eingängigen Melodielinien.
Überraschungseffekte und abrupte Wendungen sind charakteristisch für das Spiel des 58-jährigen amerikanischen Gitarrenvirtuosen, der mehr als 10 Millionen, teils mit Gold und Platin veredelte Alben verkauft hat. 15 Mal war er für Grammys nominiert, war Lehrer von Metallica-Gitarrist Kirk Hammet und Tourmusiker bei Deep Purple.
Schon beim Zusehen wird einem schwindlig, so flink rasen seine Finger über die Saiten. Seine atemberaubende Technik ist Inspirationsquelle für Gitarristen auf der ganzen Welt und sicher auch für einen Großteil der überwiegend männlichen Fans und Gitarrenfreaks in der Rockhal. Satriani kreiert unerhörte Klangerlebnisse und Effekte, Geräusche vom tiefsten Grollen über kreischendes Jaulen bis hin zu schrillem sirrenden Obertonsingen. Das geht mit einer solch bombastischen Energie einher, dass selbst ein rationales Gemüt seiner Standhaftigkeit beraubt und auf einen rauschhaften Trip irgendwo zwischen Himmel und Hölle geführt wird.
Mit freigepustetem Hirn erlebt sich das Gehörte als Soundtrack zu verschiedenen Fantasien, die durch Videos im Bühnenhintergrund unterstützt werden. Mal beflügelt aggressiver und pulsierender Hardrock die Vorstellung hektischen Rennens durch eine moderne urbane Welt, mal stützen sphärische bis melodische Klänge das Bild einer Reise durchs All. Bei aller Experimentierfreude und Abgehobenheit versteht es Satriani, sein Publikum auch mit Eingängigem zu packen. Dafür stehen Titel wie "The Crush of Love", "Summer Song" oder "Cryin", das in Deutschland als Erkennungsmelodie der Fernsehsendung "Ran" bekannt wurde.
Viele Herzen schlagen höher, wenn sich der Meister fetzige Gitarren-Duette mit Begleiter Mike Keneally liefert. Dann geht es um einen Wettstreit der Akrobaten, den selbstverständlich Satriani für sich entscheidet. Wenn er dann auch mal mit der Zunge spielt, drängt sich der Eindruck auf, den Jimi Hendrix der Postmoderne vor sich zu haben. ae