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Stand-up-Comedian Johannes Schröder begeistert mit „World of Lehrkraft“

Comedy : Frontalunterricht in Wortwitz

Stand-up-Comedian Johannes Schröder begeistert mit „World of Lehrkraft“

Johannes Schröder weiß, wovon er spricht: Nach zwölfjähriger Tätigkeit als Deutschlehrer hat er alle Höhen und Untiefen des Schullebens durch und weiß um Demut und Demütigungen innerhalb und außerhalb der Klassenräume. Pünktlich mit dem Klingelzeichen betritt er die Bühne, auffällig unauffällig gekleidet, die brave Föhnfrisur sitzt perfekt. Die über 200 Besucher im ausverkauften Mergener Hof fordert er auf, ihn mit „Guten Morgen, Herr Schröder“ zu begrüßen. Am besten in schülertypischem gelangweilt-nöligen Leierton. An diesem Abend würde sein Publikum nämlich zur Klasse 10a, erklärt er, Beiträge wie „geh’ heim“ oder „Du Opfer“ seien für  ihn „wie ein Sprühstoß aus dem Flacon des Glücks“. Dabei strahlt er über das ganze Gesicht –, und diese positive Stimmung, die der 46-Jährige den ganzen Abend beibehält, überträgt sich sofort auf die Zuschauer, die  mit großem Vergnügen ihre eigenen Erinnerungen an die Schulzeit aufleben lassen. Schröders Frontalunterricht in Wortwitz vor seiner Trierer 10a ist ein warmes Wannenbad in Lachtränen – um es mit einer (schlechten) Metapher zu sagen. Denn Metaphern sind ein Lieblingsthema von Herrn Schröder, ebenso wie bildreiche Sprache. „Sein Aussehen öffnet Türen, die sein Charakter wieder schließt“, beschreibt er einen Kollegen, der als Sportlehrer alle verachtenswerten Eigenschaften mitbringt, die man als Deutschlehrer abgrundtief hassen muss, um sich besser zu fühlen. Dabei ergibt Herrn Schröders minimalistische und doch aussagekräftige Mimik zusammen mit grandios getimten Pointen ein Gesamtkunstwerk, das an diesem Abend Dauergelächter auslöst. Harmlos und nett gibt sich Herr Schröder und haut dabei einen sprachlich ausgefeilten Gag nach dem anderen raus. Zwischendurch spricht er einzelne Personen im Publikum  – pardon, in der 10a – an und stellt ihnen Fragen. Dieser Supergau für Sozialphobiker führt zu  spontanen Interaktionen mit den   Anwesenden. „Woher kommst du?“, fragt er die Referendarin Wiebke. „Aus Spiesen-Elversberg“, lautet ihre Antwort. „Tut mir leid?!“, entgegnet Herr Schröder, und Wiebke wiederholt den Ortsnamen. Doch Herr Schröder schüttelt bedauernd den Kopf: „Nein, ich habe das verstanden, aber das tut mir halt leid.“ Für Wiebke wird es an diesem Abend nicht das letzte Mal sein, dass sie von Herrn Schröder angesprochen wird. Einziges Bühnenrequisit ist das Tagebuch von Schülerin Anastasia, aus dem er vorliest. Der Inhalt, der natürlich aus Johannes Schröders Feder stammt, kann sich hören lassen. Die Neuinterpretation des Gedichts „Stufen“ von Hermann Hesse ist Poetry Slam vom Feinsten. Am Schluss haut er noch seine eigene Version von „Enimens“ (ja, er spricht es falsch aus) Slim Shady raus und rappt: „Ich bin Herr Schrödi, der wahre Herr Schrödi“. Nach gut zweieinhalb Stunden werden aus Schülern der 10a wieder Besucher. Und jeder, der jemals im Leben eine Berührung mit der Institution Schule hatte, verlässt diesen temporären „Klassenraum“ im Mergener Hof  mit einem breiten Grinsen.