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Star-Bariton Franz Grundheber singt zum ersten Mal im Trierer Dom

Konzert : Franz Grundheber und seine besondere Premiere im Dom

Trierer Bariton singt zum ersten Mal in der Bischofskirche.

Es ist erstaunlich, aber wahr: Wenn am kommenden Sonntag im Trierer Dom neben Joachim Reidenbachs „Requiem aeternam“ das Brahms-Requiem aufgeführt wird, ist damit eine echte Premiere verbunden. Zum ersten Mal überhaupt tritt Franz Grundheber in der ehrwürdigen Bischofskirche auf. Der berühmte Bariton hat das „Deutsche Requiem“ von Brahms überall in der Welt gesungen – etwa mit Herbert von Karajan in Salzburg oder auch Giuseppe Sinopoli in Dresden. Jetzt singt er es in seiner Heimatstadt Trier – hochbetagt im 83. Lebensjahr und im Gespräch immer noch voller Energie. Was auch bedeutet: Immer noch voller Liebe zur Musik, zum Gesang und zu diesem äußerlich schlichten und inhaltlich so reichen „Deutschen Requiem“. Am Sonntag folgen zwei Requiem-Vertonungen aufeinander: das „Requiem aeternam“ von Joachim Reidenbach als Uraufführung und das Brahms-Requiem.

Grundheber wäre nicht Grundheber, hätte er sich über diese Komposition mit ihren fatalistischen und ihren tröstenden Zügen nicht seine Gedanken gemacht. Die Bariton-Partie, die mit den Worten „Herr, lehre doch mich“ beginnt, sie ist für ihn keine demütige Bitte, sondern ein starker Appell: „Ich wage es, dich, Gott, zu fragen, wohin es mit mir geht“. Und die zugleich nüchterne und düstere Passage „Denn wir haben hier keine bleibende Statt“ – ist das nicht ein Chor von Gefangenen oder –schlimmer noch – ein Zug aller Opfer von Krieg und Mord? Freilich, ein letztes Wort ist dieser Gefangenenzug nicht.

Die Aufführung der beiden Requiem-Kompositionen dirigiert Thomas Kiefer. Auch er weiß: Das Brahms-Requiem ist für jeden Interpreten eine Musik zum Nachdenken, zur Reflexion, vielleicht sogar zum Einfühlen in eine Welt, die vielen fremd geworden ist. „Man wird nie mit Brahms fertig“, sagt der Trierer Domkapellmeister und Wiener Hochschuldozent. Und macht aufmerksam auf die Fundierung dieser Komposition in der alten Musik und der Palestrina-Renaissance des 19. Jahrhunderts. Gleichwohl sei das Requiem in seiner „erweiterten Harmonik“ ganz modern, sehr komplex und am Ende doch sehr trostreich. So ergänzen sich die beiden Requiem-Kompositionen wie sich Frage und Antwort ergänzen: fragend, stellenweise zweifelnd Reidenbach, tröstend und bestätigend Brahms.

Chorkonzert am Sonntag, 3. November, 18 Uhr im Trierer Dom. Joachim Reidenbach: „Requiem aeternam“ (Uraufführung); Johannes Brahms, Ein Deutsches Requiem. Réka Kristóf, Sopran, Franz Grundheber, Bariton, Trierer Domchor, Kathedraljugendchor Trier, Philharmonisches Orchester der Stadt Trier. Leitung: Thomas Kiefer. Kartenvorverkauf über ticket regional