Staring Girl im Front of House: Vergiftete Liebeslieder aus Hamburg

Singer-Songwriter : Staring Girl im Front of House: Vergiftete Liebeslieder aus Hamburg

Augen zu und Hamburg-Feeling an – im Front of House in der Arena Trier wurde es am Donnerstagabend intim mit Singer-Songwriter-Musik.

Mit geschlossenen Augen sitzt eine Frau mit kurzen blonden Haaren auf ihrem Barhocker. Scheinbar vollkommen entspannt lauscht sie der Musik, die die fünfköpfige Band aus Hamburg auf der Bühne präsentiert.

Kurz zuvor bereitet Charlotte Bridge aus Luxemburg das Publikum auf die Hauptband des Abends vor. Mit sanfter Stimme präsentiert sie melancholische Pop-Songs. Begleitet wird die gebürtige Italienerin, die vor zwei Jahren ins Großherzogtum kam, von einem weiteren Gitarristen. Zwischendurch wechselt sie zur Ukulele, bleibt dem eher traurigen Grundtenor ihrer Lieder jedoch treu.

Sie schafft es – genauso wie Staring Girl später am Abend – das Publikum so weit in ihren Bann zu ziehen, dass die meisten das Gespräch während der Darbietung einstellen und vor allem, dass kein Geschirrgeklapper während der Songs stört.

Das nämlich hätte sich tatsächlich als Problem herausstellen können. Eigentlich ist das FOH ein Restaurant. Vor oder nach Veranstaltungen in der Arena ist es ein beliebter Ort, um noch einen kleinen Happen zu essen. Auch die Konzertbesucher entscheiden sich teilweise, ihr Abendessen während der Veranstaltung einzunehmen, doch es bleibt verhältnismäßig ruhig.

Die ruhigen Klänge kommen beim Publikum, das von jung zu alt, männlich und weiblich eine breite Spanne aufweist, gut an.

Gegen 21 Uhr betritt das Quintett Staring Girl die Bühne. Dass in den Pausen ausschließlich Musik von Gisbert zu Knyphausen läuft, untermauert die Ähnlichkeit in der Stimmfarbe des bekannten Liedermachers mit Steffen Nibbe, der an diesem Abend auf der Bühne steht.

Außerdem ähnlich an beiden Musikern: Die ruhigen Songs, die in einem wahren Klanggewitter explodieren, von zart zu hart, von lieblich zu zornig. Vor allen Dingen erzählen aber beide immer Geschichten. Von kleinen Alltagsbeobachtungen hin zu intimen Gefühlsanalysen, verpackt in warme Worte und starke Bilder, die im Kopf bleiben. Von zwei Alben und einer EP, die erst am 6. Dezember erscheinen wird, spielen die Musiker einen Querschnitt ihres Werkes und holen damit die Zuschauer gekonnt ab.

Einige alte Songs haben sie für die EP und jetzt auch für ihre Konzerte in neuem Gewand eingespielt. Lauter und energischer kommen die Lieder rüber, oder wie Nibbe sagt: „Die alte Version ist etwas lieblicher, die neue eher wie ein vergiftetes Liebeslied“.

Foto: Julia Nemesheimer

Auch wenn der Raum für die rund 50 Besucher deutlich zu groß war und sich manche an Tischen versteckten, so kamen einige doch zumindest ein wenig näher an die Bühne heran. Vielleicht wäre bei vergleichbaren Konzerten eine andere Aufstellung der Tische beziehungsweise Stühle ratsam, um die Fläche direkt vor der Band nicht allzu leer bleibt – mehr Besucher hätte Staring Girl jedenfalls verdient.

Mehr von Volksfreund