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Starke Jungs und coole Zicken

Starke Jungs und coole Zicken

Grease, eines der erfolgreichsten Film-Musicals, machte Station in der Arena Trier. Die Inszenierung von David Gilmore führte 1800 Besucher in die Zeit der 50er-Jahre. Der Trierische Volksfreund präsentierte die Love-Story.

Trier. Grease eroberte 1972 den Broadway. Ein Jahr zuvor war das Stück, auf einer Gitarre komponiert, als Fünf-Stunden-Amateur-Show in einem ausverkauften Geräteschuppen in Chicago geboren worden. Siebeneinhalb Jahre und 3388 Vorstellungen lang wurde das Musical allein auf dem Broadway gezeigt. Als sechs Jahre später die Hollywoodverfilmung mit John Travolta und Olivia Newton-John in den Hauptrollen folgte, stand zwölf Wochen lang ununterbrochen der Soundtrack mit vier Bee Gees-Nummern auf Platz eins der US-Charts. 244 Wochen hielt sich der Soundtrack unter den besten Fünf. Der Song "You're the one that I want" war ab 1978 genau 19 Wochen die Nummer eins der deutschen Charts - das Stück, mit dem das Musical in Trier ins Finale rauscht. Davor liegen mehr als zwei Stunden harte Arbeit für die Künstler, die routiniert und präzise das Stück aufführen.Fast neun Monate steht die Künstlergruppe schon in Deutschland, Österreich und der Schweiz mit der Produktion auf den Bühnen. In drei Wochen ist im Berliner Admiralspalast Ende der Tournee. "Grease" ist Kult: Symbol einer Generation, Hervorheben eines Lebensstils. Aufkeimendes Gefühl nach Freiheit, Revolution gegen althergebrachte Erziehungsmodelle, die Lust an der Lust. Als bonbonfarbenes Märchen führt die Liebesgeschichte von Danny und Sandy durch das Musical. Von dem die Zeit prägenden Rock'n' Roll ist in der Inszenierung weniger zu sehen, auch die Dialoge sind knapper als im Original. Dafür geht es heute mehr um zeitgemäße Körper-Posen und Anspielungen, die vor 35 Jahren noch nicht en vogue waren.Das Stück kommt frisch daher und bietet - oft selbstironisch und fast persifliert - einen Rundum-Spaß mit Ohrwurm-Musik, konzentriert agierende Tänzer und Gesang. Die rasanten Umbauten der Bühne, die zwar sparsam, aber überzeugend augestattet ist, lobt eine Gruppe junger Frauen in der Pause. Und noch mehr Lob kommt von der Welschbilligerin Melanie Collmann: "Die Kostüme und Choreografie sind schön, der Gesang ist gut", findet sie wie andere Besucher. Die Frau muss es wissen: Schließlich kenne sie "Grease" in- und auswendig und ist mit einer Haartolle im Stil der 50er-Jahre zum Musical gekommen. Starke Jungs in Lederjacken und Zicken, Liebe, Sex und Drogen: Die Zutaten von "Grease" sind so aktuell, dass ein paar junge Frauen begeistert mitlachen und die Sache alterstypisch knapp mit "cool" bewerten.Punktgenau ihr Urteil über Danny (Thomas Puskailer, Niederlande) als "geil", an dessen Seite die Amerikanerin Jennifer Farmer als Sandy steht. Engagiert die Crew, die von einer unsichtbaren Live-Band (aus Platzgründen) via Bildschirm begleitet wird. Begeistert reagiert das Publikum und spendet freundlichen Beifall.