Starker Tobak, ganz nebenbei

Starker Tobak, ganz nebenbei

Er wirkt etwas nervös, fast schon fahrig. Kurz vor Beginn der Lesung aus seinem Roman "Rabenliebe", zu der die Mainzer Familienministerin Malu Dreyer eingeladen hatte, verlässt der Autor Peter Wawerzinek, Träger des Ingeborg-Bachmann-Preises 2010, die Mayersche Buchhandlung in Trier noch einmal, um zu rauchen.

Als er schließlich an dem Rednerpult steht, heißt es gut zuhören für die rund 80 Besucher. Denn Wawerzinek spricht schnell. Als ob er das, was er zu sagen hat, rasch hinter sich bringen möchte. Wawerzinek erzählt in "Rabenliebe" seine eigene Geschichte. Die eines Kindes, das in Ostdeutschland geboren und von seiner Mutter dort zurückgelassen wird. Starker Tobak. Nebenbei, fast schmunzelnd, redet er von Szenen im Kinderheim und von misslungenen Adoptionsversuchen. Er imitiert die Zisch-Laute, die seine Adoptivmutter machte, wenn sie ihm beim Schönschriftüben über die Schulter schaute, während alle anderen spielen durften.

Wawerzinek zuzuhören, ist nicht ganz einfach. Doch das ist sein Roman auch nicht. Seine unruhige, fast schon hektische Art des Vortrags verleiht dem Kind, das er in seiner Geschichte entwirft, noch mehr Tiefe. Sarah-Lena Gombert

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