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Sterbender Schwan am Küchenherd

Sterbender Schwan am Küchenherd

Mit einer Lesung aus ihren Memoiren "Ich habe ja gewusst, dass ich fliegen kann" hat die Schauspielerin Senta Berger im Trifolion Echternach rund 700 Zuhörern einen kurzweiligen Abend geboten. In lebendigen und humorvollen Erzählungen schilderte sie Erinnerungen an ihre Jugendzeit in Wien.

Echternach. Eine Unglückszahl ist die 13 für Senta Berger nicht. Denn an diesem Datum im Mai 1941 begann ihr Leben, das in eine Karriere als international bekannte und vielfach ausgezeichnete Schauspielerin und Produzentin mündete.
In die Wiege gelegt war ihr dieser Erfolg kaum, erfahren die 700 Gäste im Trifolion. Die Frau, die hier mit starkem Charisma und einer Aura würdevoller Eleganz präsent ist, erzählt von einer Herkunft aus einfachsten Verhältnissen.

Wien in der Nachkriegszeit


Bis sie 1964 nach Hollywood ging, lebte sie mit ihren Eltern in einer Einzimmerwohnung im alten Schulgebäude des Wiener Stadtteils Lainz. Ihren Blick zurück gestaltet sie so lebendig, dass die Zuhörer ihn förmlich miterleben können. Mit ihrem schauspielerischen Talent und viel Humor lässt Berger die damals vertrauten Personen aus Familie und Nachbarschaft in Wiener Originalton zu Wort kommen.
Mit poetischen Beschreibungen vermittelt sie ein plastisches Bild davon, wie ihr Wiener Umfeld in der Nachkriegszeit aussah. Liebevoll und augenzwinkernd schildert sie Anekdoten, zum Beispiel über ihre erste Ballettlehrerin. Die schon ältliche Russin hatte die kleine Senta tanzend auf der Straße beobachtet und sich angeboten, sie gegen Schneiderarbeiten der Mutter zu unterrichten. Dabei gab sie vorm Küchenherd schon mal selbst einen so überzeugenden sterbenden Schwan, dass Familie Berger das Schlimmste annahm.
Herzhaft lacht das Publikum auch über Bergers Erfahrungen beim Wettbewerb einer Boulevardzeitung unter dem Titel "Wer ist die Sophia Loren von Wien?". Im Eifer, ihrem Idol Loren nachzueifern, hatte sie sich als übermütiger Teenager auf eine Art Misswahl eingelassen und erst spät das üble Spiel dahinter durchschaut.
Voller Selbstironie berichtet sie von ihrer Pubertät und ersten Gehversuchen als Filmschauspielerin. Als Höhe- und zugleich Endpunkt ihrer Lesung beschreibt sie die Begegnung mit einem eher rüpelhaften als glanzvollen Hollywoodstar Richard Widmark. Der hatte sie, nachdem ihm ein Bild von ihr in die Hände gefallen war, buchstäblich auf der Straße für einen Film engagiert. Zum Abschluss der Dreharbeiten wurde er dann zudringlich, insistierte vehement, sie solle ihn mit in ihre Wohnung nehmen. Erst, als sie ihm dort die sichere Begegnung mit ihren Eltern in Aussicht stellte, ließ er von der 18-Jährigen ab.
Hier, am Wendepunkt zu ihrem Erwachsenenleben außerhalb Wiens, beendet Berger ihre Lesung nach 90 Minuten und lässt die Zuhörer mit der Spannung zurück, wie es dann in Hollywood weiterging. ae