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Sternstunde der Dommusik

Sternstunde der Dommusik

In Kooperation mit dem Mosel Musikfestival führte die Dommusik am Trierer Dom das Oratorium "Die Schöpfung" von Joseph Haydn auf. Es wurde eine ehrfürchtige Verneigung vor dem großen Meister, dessen erfülltes Leben vor 200 Jahren zu Ende ging.

Trier. Widersprüchlicher konnte es kaum sein. Während ein großes Nachrichtenmagazin die Meldung verbreitet, die Menschheit könne den Klimawandel und damit die Zerstörung der Umwelt nicht mehr aufhalten, erklang im Trierer Dom das Oratorium "Die Schöpfung" von Joseph Haydn und besang damit die Schönheit dessen, was der Mensch systematisch zerstört.

Lobgesang auf die Artenvielfalt



Im Dom ein Lobgesang auf die Artenvielfalt, in den Nachrichten die Klage über das Artensterben. Hier wurde das Wunder des Lebens gepriesen, dort von Klimakatastrophe, von Krieg, Mord und Totschlag berichtet. Beides Realitäten, mit denen wir leben müssen. Zwangsläufig stellt sich die Frage, ob wir noch Hoffnung haben dürfen?

Was gut 1100 Zuhörer im Dom erleben konnten, gibt durchaus Grund, nicht in Depression zu verfallen, die berühmte Flinte nicht ins Korn zu werfen. Da ist zunächst das Werk selber, mit dem Haydn sein eigenes Schaffen krönte. Das Oratorium, uraufgeführt 1799 ist nicht nur das bedeutendste Werk aus seiner Feder, es war auch Maßstab und Muster für dieses Genre im gesamten 19. Jahrhundert, bildet die Brücke von den Oratorien Händels hinüber in die Wiener Klassik und die Romantik. Aber die beste Komposition bleibt bedeutungslos, wenn ihr nicht von den Interpreten Leben eingehaucht wird, denn jede Neuaufführung ist immer auch eine Art der Neuschöpfung.

Hier darf man mit den Komplimenten nicht sparen und an erster Stelle muss Domkantor Thomas Kiefer genannt werden, in dessen Verantwortung die Aufführung lag. Mit klaren Vorstellungen ging Kiefer dieses zweistündige Werk an, setzte immer wieder neue Akzente, schuf einen Spannungsbogen, der vom ersten bis zum letzten Ton Musiker und Publikum gleichermaßen bei der Sache hielt. Kiefer kümmerte sich auch um kleine Nuancen und sorgte gerade hier für eine sprühende Lebendigkeit. Aber die Arbeit eines Dirigenten würde vergebene Mühe bedeuten, wenn seine Musiker nicht am selben Strang zögen. Ein Vorwurf, den man an diesen Abend niemandem machen kann.

Da war das Münchener Orchester "L'arpa festante", fast möchte man sagen, das Hausensemble in Dom und Basilika für die großen Konzerte. Es fühlte sich offensichtlich wohl unter Kiefers Dirigat und gab dem Oratorium auf bekannt souveräne Art mit seinem historischen Instrumentarium eine eigene, erfrischende Note. Nicht minder souverän agierten die Vokalsolisten Siri Karoline Thornhill (Sopran), Hans Jörg Mammel (Tenor) und Timothy Sharp (Bass), wenngleich sich Thornhill und auch Sharp am Beginn des Abends erst in ihre Partien finden mussten. Auch sie hatten die Vorgaben Kiefers, das Gestalten der Feinheiten, für sich verinnerlicht.

Ein großes Kompliment muss man dem Domchor und der Jugendkantorei aussprechen, die sich mit größter Disziplin durch das Oratorium führen ließen. Sie prägten das Konzert mit einem frischen, agilen Chorklang, den trotz der großen Sängerzahl eines besonders auszeichnete: die Leichtigkeit. Faszinierend war hierbei zu beobachten, wie auch die Kleinsten der Jugendkantorei mit Ernst bei der Sache waren und dem Gesamtklang einen ganz besonderen Charme verliehen. Ohne Übertreibung darf man von einer Sternstunde für die Dommusik und das Mosel Musikfestival sprechen.