Stille schöne Welt

Auf den ersten Blick nicht ganz einfach ist das Werk von Markus Kaiser - und doch schlüssig. Im Kunstsalon der Tufa am Freitag berichtet der Künstler, der sich dort im großen Saal häuslich eingerichtet hat, über seine Arbeit.

Trier. Ein einsamer Cello-Ton tastet sich vorsichtig in den Raum vor und verhallt. Er gehört zu Markus Kaisers "Spinoza Wucherungen" und ist Bestandteil seiner Gesamtinstallation "opernfraktal" in der Tuchfabrik. Geradezu der Welt entrückt wirkt der Mann mit den schwarzen Locken, wenn er so in seine Töne versunken dasitzt und dem Cello nachhört.
Der 1967 geborene Künstler aus Düsseldorf, der Kunst und Musik studierte, hatte sich im Rahmen des Klangkunstfestivals Opening 15 als Artist in Residence eine Zeit lang im großen Saal der Tufa eingerichtet. Sein Anliegen sind die vielfältigen Einheiten, die am Ende ein zusammenhängendes Ganzes bilden.
Ein Problem, das seit jeher gleichermaßen Philosophen wie Autobauer beschäftigt oder die Architekten einer Welt, die sich als globale Einheit versteht. Für den mittelalterlichen Philosophen Baruch Spinoza, auf den sich Kaisers Musik beruft, war Gott selbst das unendliche Ganze, das sich in den vielfältigen Einheiten der Natur und des Lebens darstelle. Kaisers raumfüllende Installation in der Tufa ist eine geschlossene, nach außen abgegrenzte, aber im Innern höchst lebendige Kunstwelt. Sie bezeugt gleichermaßen sein Interesse am Wandel wie an einer verlässlichen Ordnung.
In einem Holzregal hat der Künstler an der linken Stirnwand Michel Foucaults Werk "Wahnsinn und Gesellschaft" in einem wandfüllenden Holzraster aus lauter gleichen Rechtecken sortiert, deren einzelne Räume nach hinten als Denkraum zu erweitern sind. Dem strengen Regelwerk gegenüber steht an der anderen Stirnwand des Saals ( leider durch einen bauseitigen Einbau getrennt) eine transparente Landschaftscollage, deren grüne Glasscheiben beweglich sind, neue Perspektiven eröffnen und sich durch Lichteinfall permanent verändern.
Zwei Kuben, die als Schlafkojen dienen, und futuristische Architekturmodelle vervollständigen das Bild. Die exotische Pflanzeninsel in der Raummitte überwuchert den strengen Rahmen eines Stahlkubus. "Ich bin an jeder Form des Wachstums interessiert", erklärt Kaiser. Still und schön ist seine Welt. Sie hat gleichermaßen etwas von einer Mönchszelle wie von einem Treibhaus. "Das Interessante ist die Materie, die sich um die Schönheit bewegt", hat einmal der Dichter Novalis festgestellt. Das scheint auch Kaiser zu beschäftigen. "Es ist viel schwieriger, etwas Schönes zu machen als etwas Hässliches", bekennt er. er
Kunstsalon, Tufa Trier, Freitag, 27. Februar, 21 Uhr

Mehr von Volksfreund