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Stimmen in der Corona-Zeit von Künstlern aller Sparten aus dem Theater Trier

Stimmen aus dem Theater : Virus, Kneipen-Sehnsucht und Backhefe-Dealer

Zwei Schauspielerinnen und ein Schauspieler, ein Chordirektor, ein Musiker, ein Opernsänger, ein Chorsänger und ein Ballettdirektor machen sich Gedanken über die Pest unserer Zeit, wie sie ihr entgegentreten und was sie, wenn das alles vorbei ist, ganz bestimmt wieder tun werden.

Was sie sonst noch eint: Sie alle arbeiten am Theater Trier. Beziehungsweise können es kaum abwarten, endlich wieder dort zu arbeiten.

Seit Ausbruch des Corona­virus ...

DIMETRIO-GIOVANNI RUPP (Schauspieler) … bin ich noch mehr davon überzeugt, dass Solidarität und Nächstenliebe eine der wichtigsten Aufgaben für uns alle ist, wo Ausgrenzung von Minderheiten und Rassismus keinen Platz haben. Denn wir sitzen alle im selben Boot – und das nicht nur in der Corona-Krise.

BARBARA ULLMANN (Schauspielerin) … bin ich mal wieder froh, ausgerechnet in diesem Land zu leben.

MARTIN FOLZ (Chordirektor) … habe ich mehr Fragen an meine Existenz.

FLORIAN CHAMOT (Solotrompeter) … habe ich die größten Fortschritte an meinem Instrument seit Jahren gemacht. So viel freie Zeit hat auch seine Vorteile.

STEPHANIE THEISS (Schauspielerin) … habe ich die meiste Zeit im Wald verbracht.

CARL RUMSTADT (Opernsänger) … habe ich schon vier neue Rollen einstudiert.

TIM HEISSE (Sänger im Opernchor) … bin ich so viel mit meiner Frau und den Kindern zusammen wie noch nie, und wir haben noch keinen Lagerkoller.

Diese Erfahrung ist für mich die schlimmste seit …

THEISS … den Terroranschlägen 2011.

Seit Corona träume ich von …

CHAMOT … Musikmachen mit Menschen aus Fleisch und Blut im selben Raum. Bach per Skypekonferenz ist einfach nicht dasselbe.

FOLZ …  offenen Grenzen, grenzenlose Begegnung mit Menschen.

HEISSE … Kindern, die wieder unbeschwert miteinander spielen und toben können.

THEISS ...Verlust – und von Wiederbegegnungen mit lieben Menschen.

Sorgen mache ich mir vor allem wegen …

ROBERTO SCAFATI (Ballettdirektor) … der kulturellen und ökonomischen Folgen der Krise, da sich die Menschen selbst nach dem Ende der Ausgangsbeschränkungen vielleicht nicht mehr trauen, ins Theater zu gehen.

THEISS … Freunden und Kollegen ohne jede Absicherung.


FOLZ
… der Fragen: Was wird das alles verändern? Wie werden wir uns neu aufstellen können?

ULLMANN ... der Situation für Menschen, die einer Risikogruppe angehören, die geringere Chancen haben, sich zu schützen oder die durch die Umstände in finanzielle oder psychische Not geraten.

Sobald das alles vorbei ist, werde ich als Erstes …

SCAFATI… wieder mit meiner Company ein gemeinsames Training veranstalten.

THEISS … Menschen fest drücken.

CHAMOT … in die Boulderhalle gehen und ein paar Stunden klettern.

FOLZ ... meine Sängerinnen und Sänger sehen wollen.

ULLMANN ... alle lieben Freunde und Kollegen in den Arm nehmen, die ich jetzt nur auf Abstand oder gar nicht sehe.

HEISSE … dem „Astarix“ einen Besuch abstatten.

RUMSTADT … ein Bier mit den Kollegen trinken.

...und als Nächstes …

RUMSTADT … ein zweites bestellen.

CHAMOT … werde ich alle meine Freunde, die ich jetzt schon sehr vermisse, endlich mal wieder kräftig drücken und ein großes Bier mit ihnen trinken gehen.

THEISS … mit mehr als zwei Personen proben.

FOLZ ... mit allen Kollegen und Kolleginnen des Theater im „Astarix“ einen trinken.

HEISSE … hoffentlich froh nach Hause gehen, weil ich vor dem Besuch im „Astarix“ eine schöne Probe im Theater hatte.

Wenn ich ein Theaterstück über das Virus schreiben würde, wäre meine Rolle …


SCAFATI
… definitiv das Antivirus.

THEISS ...die Ärztin, die den Impfstoff dagegen erfunden hat.

FOLZ … die der „Esperanza“ (Hoffnung).

ULLMANN … die einer Figur, die durch eine kleine Handlung eine weltweite Pandemie mit dramatischen Folgen ausgelöst hat. Und an der würde mich besonders der psychologische Aspekt interessieren.

RUMSTADT ... ein verschlagener Backhefe-Dealer.

Eines habe ich aus dieser Erfahrung gelernt:

SCAFATI die kleinen Dinge im Leben wieder zu schätzen und zu achten.

CHAMOT Selbstdisziplin und ein gesunder Optimismus bringen einen auch über längere Durststrecken sicher hinweg. Ich habe mich erinnert, wie dankbar ich meinen Eltern, Lehrern und Mentoren bin, dass sie mir diese beiden Qualitäten mitgegeben haben.

FOLZ Unser Leben, unser Dasein als menschliche Gesellschaft ist äußerst „fragil“.

ULLMANN Krisen wirken wie ein Vergrößerungsglas auf die Stärken und Schwächen der Menschen und lassen hinter die Fassade blicken.

THEISS In der Ruhe liegt die Kraft.

Da ich grundsätzlich optimistisch bin, glaube ich ...

SCAFATI … dass wir als Gemeinschaft an dieser Herausforderung wachsen werden und bald wieder ein geregelter Betrieb im Theater Trier herrschen wird.

THEISS … dass in dieser Krise eine große Chance liegt.

ULLMANN … dass wir es schaffen können, positive Erfahrungen und Verhaltensweisen aus dieser Krise mit in eine neue Normalität zu nehmen.

 Barbara Ullmann, Schauspielerin
Barbara Ullmann, Schauspielerin Foto: TV/Theater Trier
 Martin Folz, Chordirektor
Martin Folz, Chordirektor Foto: Theater Trier
 Florian Chamot, Solotrompeter
Florian Chamot, Solotrompeter Foto: Theater Trier
 Stephanie Theiss, Schauspielerin
Stephanie Theiss, Schauspielerin Foto: TV/Theater Trier
 Roberto Scafati, Ballettdirektor
Roberto Scafati, Ballettdirektor Foto: TV/Marco Piecuch
 Carl Rumstadt, Sänger
Carl Rumstadt, Sänger Foto: Marco Piecuch
 Tim Heisse, Sänger im Opernchor
Tim Heisse, Sänger im Opernchor Foto: Theater Trier
 Ein Menschenknäuel, wie er derzeit nicht nur auf der Theaterbühne undenkbar ist: Die Szene aus dem Tanzstück „Rituale“ entstand im März in der letzten Probenwoche vor der Premiere. Am Tag vor der Uraufführung wurden die Vorstellungen dann wegen Corona abgesagt. . 
Ein Menschenknäuel, wie er derzeit nicht nur auf der Theaterbühne undenkbar ist: Die Szene aus dem Tanzstück „Rituale“ entstand im März in der letzten Probenwoche vor der Premiere. Am Tag vor der Uraufführung wurden die Vorstellungen dann wegen Corona abgesagt. .  Foto: Bettina Stöß/Bettina Stoess

CHAMOT ... dass die Gesellschaft eine große Chance hat, aus der Situation etwas zu lernen und schneller zusammenzuwachsen, als es ohne so einen Ausnahmezustand möglich wäre. Es ist nur die Frage, was wir im Nachhinein daraus machen.