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Stimmung statt Heizung im Brunnenhof

Stimmung statt Heizung im Brunnenhof

Es gibt Ideen, die so verrückt sind, dass sie schon fast funktionieren müssen. Zum Beispiel ein Open-Air-Konzert in Trier am fetten Donnerstag - mitten im Winter. Mit von der Partie, und zwar am Bass, ist der Kölner Ralf Günther - hauptberuflich erfolgreicher Fernsehproduzent von Sendungen wie "Pastewka", "Stromberg" oder "Ladykracher".

Trier. (DiL) Fernseh-Kultfiguren kreiert Ralf Günther mit seiner Firma "Brainpool" seit 13 Jahren - seine musikalische Kultfigur "Fred Kellner" ist fast ein Jahrzehnt älter. Seit Mitte der 80er Jahre geht er mit der Soul-Combo, deren zehn männliche Mitglieder alle Fred Kellner heißen, auf Tour. Kurz danach kamen die "Soul-Sisters" Susanne und Anke Engelke dazu, später auch noch ein Streicher-Trio. Weil Frau Engelke und Herr Günther jede Menge anderes zu tun haben, beschränken sich die Ausflüge der 15-köpfigen Kellner-Crew inzwischen auf drei Wochen rund um die Fastnachts-Zeit. Dass Trier immer mal wieder auf dem Tour-Plan steht, hat damit zu tun, dass Ralf Günther einst als Mitglied der legendären "Niegelungen"-Comedy-Truppe Stammgast in der Tufa war. Und auch sonst verbinden ihn mit Trier allerlei Erinnerungen, wie er im TV-Interview bestätigt. Wie ist es möglich, dass eine Kölner Band ausgerechnet am fetten Donnerstag anderswo auftritt als in Köln?Günther: Na ja, Köln ist an diesem Tag gar nicht so angenehm, weil abends beim Konzert der Alkoholpegel bei den Leuten vom ganzen Straßenkarneval-Feiern schon ziemlich hoch ist. Und warum dann gerade Trier?Günther: Wir suchen uns den Auftritt an Weiberfastnacht immer besonders aus. Und in Trier spiele ich unheimlich gerne. Ich weiß gar nicht mehr, wie oft ich insgesamt schon da war. Früher, bei den Niegelungen, da gab es immer vier Eckdaten bei unseren Tourneen: Auftakt in Koblenz, wo wir herkamen, Ende in Köln, dazwischen Berlin und Trier. Der Rest war offen.Das könnte ja, vorsichtig formuliert, ein bisschen frostig werden. Hat Fred Kellner denn Erfahrung mit Winter-Open-Airs?Günther: Ehrlich gesagt, nein. Höchstens mit kühlen Sommer-Abenden bei gefühlten Frost-Temperaturen. Andererseits wird die überschlagende Stimmung das mit dem Heizen schon richten.Als erfolgreicher Medien-Unternehmer werden Sie ja wahrscheinlich nicht mehr zur Existenzsicherung Musik machen müssen, und Anke Engelke sicher auch nicht. Was bewegt einen dazu, sich trotzdem drei Wochen im Jahr diesem Stress auszusetzen?Günther: Das ist kein Stress, das ist eher so eine Art Familientreffen. Da kommen Leute, die inzwischen weiß Gott wo wohnen. Ich freue mich immer unheimlich auf diese Zeit. Und das geht der Anke ganz genauso. Deshalb ist es gar keine Frage, dass wir uns die Zeit für diese Auftritte immer wieder nehmen.Und die Fernsehproduktion bricht nicht zusammen, wenn Sie sich so lange verabschieden?Günther: Das geht schon. Und in Köln kann man um Karneval herum sowieso nicht arbeiten.