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Sting und Shaggy zusammen auf einer Bühne – kann das funktionieren? Und wie. 10 000 Menschen feiern die beiden hervorragend harmonierenden Künstler in Luxemburg.

Musik : Roxanne und der Reggaeman

Sting und Shaggy zusammen auf einer Bühne – kann das funktionieren? Und wie. 10 000 Menschen feiern die beiden hervorragend harmonierenden Künstler in Luxemburg.

Es ist ohne jeden Zweifel der Höhepunkt eines großartigen Konzerts. Sting, der mittlerweile 66 Jahre alte britische Altmeister, spielt ,,Roxanne“, einen der größten unter seinen vielen Hits. Mittendrin, die Fans gehen begeistert mit, schlägt Shaggy zu. Mr. Lover Lover – allein diese Zeile aus Shaggys Megahit „Mr. Boombastic“ löst schon einen Hysteriesturm aus, und das mitten in Stings Song. Das Arrangement der Nummer ist derart clever, dass die Fans den Wechsel nicht kommen sehen. Shaggy, der mittlerweile auch schon 49 ist und ebenfalls einige große Nummern in seiner langen Karriere abgeliefert hat, ballert seinen Song raus, Sting setzt wieder ein, und schon geht es weiter mit „Roxanne“.

Diesen Stil präsentieren Sting und Shaggy 90 Minuten lang. Es gibt keine Pausen, keine Dialoge mit den Fans. Die beiden Altmeister wollen keine Podiumsdiskussion leiten, sonder Musik machen, und das gelingt ihnen auf einem enorm hohen Niveau. Die Harmonie zwischen den beiden Musikern ist von der ersten Sekunde an deutlich zu hören und zu sehen. Möglicherweise sind sie tatsächlich Freunde, als Fan weiß man schließlich nie ganz genau, wie ein Künstler privat tickt. Aber so, wirklich genau so, wirkt dieses Open Air im Escher Stadtteil Belval. Zwei Freunde machen Musik. Nicht jeder für sich, sondern gemeinsam.

Das gemeinsame Album „44/876“, das Sting und Shaggy vor kurzem vorgelegt haben, spielt hier nur eine Nebenrolle. Es ist zwar interessant, aber nicht unbedingt ein Meisterwerk, und Songs wie „Dreaming in the USA“, auch diesen spielen sie in Luxemburg, braucht der Fan nicht wirklich.

Es sind wie immer die großen alten Nummern, die ein Publikum zum Kochen bringen. Und genau hier liegt die Sprengkraft dieser unerwarteten Zusammenarbeit zwischen dem genialen Briten Gordon Summer alias Sting und dem jamaikanischen Reggaemeister Orville Burrell alias Shaggy. Sie interpretieren ihre Bombennummern neu, machen daraus eine Addition, die es bisher nicht gab, und die davon profitiert, dass Sting den Einfluss des Reggae in vielen seiner Stücke immer schon gerne zugelassen hat.

Schon der erste Song des Abends, Stings wunderschöne Nummer „Englishman in New York“, ist eine dieser Additionen zweier nur scheinbar aus verschiedenen Welten stammender Musiker. Im Gesang ist der unverändert topfitte Sting seinem Kumpel Shaggy zwar klar überlegen, aber er lässt dessen Präsenz auch in seinen alten Police-Songs bereitwillig zu. „Every little thing she does is magic“, „Message in a bottle“, „So lonely“ und eben auch „Roxanne“ – Shaggy ist immer dabei, und er macht es hervorragend.

Diese Harmonie funktioniert umgekehrt genauso. Shaggy kann auf Sting zählen, wenn er „Angel“, „Hey, sexy lady“ und „It wasn‘t me“ raushaut. „Strength of a woman“ kommt in Kombination mit Stings „So lonely“ – das Publikum rastet aus.

Stings wohl größten Hit „Every breath you take“ singen beide am Ende des Abends im Duett. Es ist ein Abend, der den Fans in Erinnerung bleiben wird. Ein echtes Erlebnis, ergänzt durch einen druckvollen und hervorragenden Sound, der in dieser Qualität unter freiem Himmel nicht so oft erreicht wird.