Stürmisch, mystisch, tief bewegend

Stürmisch, mystisch, tief bewegend

Mit viel Lob der Besucher und zufriedenen Veranstaltern ist am Sonntagabend das Klangkunstfestival "Opening 15" zu Ende gegangen. Das vielfältige Programm und die Möglichkeit, sich über die Musik zu begegnen und auszutauschen, haben Künstler wie Zuhörer begeistert.

Trier. Bernd Bleffert strahlt. Beachtliche 1000 Besucher kamen zum diesjährigen Opening-Festival. "Unsere Zuhörer haben ein neues Verhältnis zum Klang bekommen", schwärmt der Musiker und Lehrer, der gemeinsam mit Thomas Rath die künstlerische Leitung des Trierer Festivals für aktuelle Klangkunst übernommen hatte. "Das Festival ist angekommen", freut sich auch Teneka Beckers, Leiterin der Tuchfabrik. "Es gibt keine Berührungsängste mehr gegenüber zeitgenössischer Musik."
Der Erfolg des Projekts beruht ohne Zweifel wesentlich auf der Vielfalt des Programms. Vom Klassiker Karl-Heinz Stockhausen über eine Tanzperformance bis zu zeitgenössischer arabischer Musik spannte sich der Bogen. Dessen Spannung zu halten, hatte den Programmgestaltern durchaus Kopfzerbrechen bereitet. Unbegründet, wie Bleffert feststellte: "Bei ,Opening 15\' wurde Klang in vielfältiger Weise zum Erlebnis. Das ist ein sehr befriedigendes Gefühl."
Zum glänzenden Auftakt geriet am Freitagabend das Eröffnungskonzert mit Stockhausens Klassiker "Kontakte" und dem dynamischen und ungeheuer präsenten Pianisten Roland Techet sowie dem hervorragenden Schlagzeuger Thorsten Gellings.
Feiner Sopran


Körperloser, immaterieller Klang, der sich bisweilen zum Sturm auswuchs, war angesagt im Konzert des Ensembles Crush (Angela Merici Gymnasium). Als stimmlicher Hochgenuss präsentierte sich dort samstags Irene Kurkas leuchtender und aufs Feinste geführter Sopran. Die Düsseldorfer Sängerin trug "Antiphon und Sonnekus" vor, einen Dialog zwischen der Musik Hildegard von Bingens und vertonten Bibeltexten von John Cage. Der Eindruck blieb allerdings eindimensional. Wunderbar himmelwärts strebten die Gesänge der mittelalterlichen Mystikerin. John Cages zeitgenössischer Beitrag war dagegen kaum mehr als ein schwaches Remake des mittelalterlichen Gesanges.
Mit kaum endendem Jubel feierte das Publikum im ausverkauften Saal anschließend in der Tuchfabrik das deutsch-arabische Trio "NahOst, so nah" mit dem blinden ägyptischen Virtuosen Mustafa Said an der Oud, einer Art Gitarre. Said gilt als eine der mutigen Stimmen der politischen Bewegung des "Ägyptischen Frühlings". In der Komposition "Autism" des Sängers, Musikers und Komponisten, geschrieben für einen inhaftierten Freund, fand Isolation bewegend Klanggestalt.
Als großartiger Ausklang im Wortsinn ertönte Stockhausens "3. Stunde" aus dessen gewaltigem, unvollendeten Alterswerk "Die 24 Stunden des Tages". Eine kleine, aber höchst interessierte Gruppe von Zuhörern hatte sich dazu im Museum am Dom eingefunden. Aufmerksam lauschte sie der sensiblen Klanggestaltung des Pianisten Udo Falkner. Der war anschließend voll des Lobes: "Ein wunderbares Publikum."
Das hatte sich schon vorher ähnlich begeistert über das Programm in der bis spät abends gut gefüllten Festival Lounge der Tufa geäußert: "Ganz tolle Musik", sagt eine Besucherin, "und dabei ist man so nah bei den Künstlern. Zum nächsten Opening kommen wir wieder." Das wollen auch die beiden künstlerischen Leiter. Schließlich gilt auch beim Open-ing Festival: "Nach dem Spiel ist vor dem Spiel."
Noch bis 27. Februar zu sehen sind die Festival-Ausstellung "Open Expo" und die Fotos des Trierers Alexander Fischbach zu früheren Opening-Ausgaben.