Suche nach Lina im Krankenhaus des Schreckens

Suche nach Lina im Krankenhaus des Schreckens

Das Experiment der ersten Trierer Horrornacht mit einer Mischung aus Grusel und Unterhaltung ist offenbar geglückt. Die Besucher haben auf der Suche nach der verschwundenen Lina diverse Schreckensszenarien eines Krankenhauses des Grauens durchlaufen.

Trier. Die Szenerie unter dem Dach des Trierer Walzwerks ist beklemmend. Ein Mann windet sich an Ketten, während etwa 15 Besucher der ersten Trierer Horrornacht einen nur mit Kerzen beleuchteten Raum, die vermeintliche "Kapelle zur Heiligen Walpurga", betreten.
"Fassen Sie sich an den Händen", fordert der Geistliche die Zuschauer auf. Dann beginnt ein Exorzismus-Zweikampf zwischen dem kreuzschwenkenden "Pfaffen" und dem vom Teufel Besessenen, der auch einige vorher Witze reißende Besucher verstummen lässt.
Auf dem Boden windet sich die schreiende Kreatur, während der Geistliche versucht, den Satan mit gebrüllten lateinischen Sätzen auszutreiben. Der Besessene wendet sich in seiner Verzweiflung an die Besucher ("Warum hilft mir denn keiner?") und beginnt, diese anzugreifen: "Ich rieche deine Lügen", sagt er und prophezeit, dass niemand das Krankenhaus, in der sich die Kapelle befindet, lebend verlassen wird.
Diese bedrückende Vorführung ist eine von fünf Szenen, durch die die Besucher der ersten Trierer Horrornacht geführt werden. Egal, ob in der Therapiegruppe, in der Lobotomie, in der die Köpfe von zuckenden Menschen unter hysterischem Gelächter aufgebohrt werden, oder in der Abteilung menschliche Experimente, in der Ärztin Dr. Engele die Besucher nach Augenfarbe aufteilt ("Sind keine Zwillinge dabei?") - in dieser Nacht beherrscht der Horror das Walzwerk.
Auch in den Gängen, durch die die Besucher zu den einzelnen Szenen geführt werden: Immer wieder sprechen dort Verletzte, geistig Verwirrte, Schreiende und scheinbare wandelnde Leichen die Besucher an, die sich auf die Suche nach Lina gemacht haben, einer jungen Frau, die in das Krankenhaus des Schreckens eingeliefert worden und dort spurlos verschwunden ist. Bis die zum Schluss wiedervereinten Gruppen dann im Umkleideraum des Walzwerks in einem Spind das Skelett der Verschwundenen entdecken.
Dramaturg: Ziel erreicht


Rund 30 Mitglieder studentischer Theatergruppen und anderer Gruppierungen aus der freien Szene hatten das interaktive Horrorstück erarbeitet, das insgesamt 150 Menschen in drei Aufführungen zu jeweils verschiedenen Zeiten am Freitagabend besucht haben. Während den Gästen die diversen Stationen offensichtlich gefallen haben ("Bedrückend, aber schön"), vermissten einige einen spannenden Schluss. Andere beklagten, nicht alle Szenen erlebt zu haben. Dies sei jedoch Absicht gewesen, sagte Marc-Bernhard Gleißner, der für die Dramaturgie zuständig war. Man habe mit Absicht Fragen offengelassen. "Unheimlich ist das, was man nicht kennt", sagte Gleißner. Beim Zusammentreffen der einzelnen Gruppen am Ende des interaktiven Schauspiels sei zu beobachten gewesen, dass die Besucher sich über das Gesehene ausgetauscht hätten. Insofern sei das Ziel, die Zuschauer gruseln zu lassen und gleichzeitig zu unterhalten, erreicht worden. cst

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