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Suede auf "Coming Up"-Tour im Luxemburger Den Atelier

Suede in Luxemburg : 90er-Party mit „Trash“ und Stil? Hier klappt‘s!

Wegbereiter des Britpop: Suede bringen in Luxemburg einen Album-Klassiker auf die Bühne – und setzen damit einen Live-Trend fort. Wie ihnen das gelingt und welche Überraschung der Merchandising-Stand bietet.

Die bangen Momente vor einem Wiedersehen nach einem Vierteljahrhundert: War die Zeit gnädig, welche Furchen hat sie hinterlassen? Fremdelt er, fremdelt sie? Ist das Eis schnell gebrochen? Ist der alte Freund ein neuer Fremder?

Da ist kein Eis, keine Distanz, nirgends, an diesem Sonntagabend im vollen Luxemburger „Atelier“. Auch wenn für viele im Publikum eine Zeitreise ansteht: In die eigene Jugend in den 90ern. Suede sorgen dafür. Die Band um Sänger Brett Anderson schlug die Schneise für den Britpop, für Bands wie Blur und Oasis, für den gewaltigen Hype, der kam, auch wenn Suede mehr Herz für den Glam-Rock hatten. 

Ein Sonntagabend-Konzert, bei dem die Ü40-Fraktion klar in der Überzahl ist – das könnte zäh beginnen. Erst mal bedient werden, erst mal schauen. was da von der Bühne kommt. Mit der Lebenserfahrung wächst ja nicht analog dazu die Begeisterungsfähigkeit, was durchaus schade ist. Dass es bei Suede schon vom Intro an kein Halten im Publikum gibt – nicht nur in den ersten Reihen – das liegt am Nostalgie-Versprechen: Die Show steht ganz im Zeichen des Zenits. Der zeigt sich immer erst im Rückblick – und im Falle von Suede war der Höhepunkt mit dem Album „Coming Up“ (1996) erreicht. Kommerziell auf jeden Fall. Weniger düster, poppiger als die Vorgänger  – und deutlich erfolgreicher, auch ohne Gitarrist Bernard Butler. Fünf Singles erreichten in England die Top 10.

Die Briten spielen vom Start weg das Erfolgsalbum in ganzer Länge. „Trash“, „Filmstar“, „Lazy“, „The Beautiful Ones“, das können sie im Publikum alle mitsingen, „shaking their bits to the hits“  – und wenn es für Brett Anderson, inzwischen 54, gesanglich in nicht mehr so leicht erreichbare Höhen geht, übernimmt das eben das Publikum. Nach dem ersten Teil des Sets ist die Stimmung schon so euphorisch, dass im weiteren Verlauf nicht mehr viel schieflaufen kann. Zumal die Londoner noch einige ältere Hits haben, die ebenfalls gut gealtert sind.

Das liegt nicht nur am aufgekratzten Anderson, der damals wie heute eine Rampensau par excellence ist  – egal, ob er das Mikro wie ein Lasso schwingt oder er die Fans in den ersten Reihen anschmachtet (und umgekehrt noch mehr). Die immerhin vier im 21. Jahrhundert erschienen Alben spielen nur eine untergeordnete Rolle. 

Es gehört seit einigen Jahren zu den erfolgreichsten Tour-Tricks vieler nicht mehr ganz junger Bands, ganze Hit-Alben am Stück zu spielen. Das kann mal künstlerischer inszeniert sein – wenn etwa Elektro-Pioniere von Kraftwerk ihr komplettes Oeuvre an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen hintereinander spielen. U2 haben 2017 zum 30. Jubiläum das komplette „The Joshua Tree“-Album live aufgeführt – eine Band, die auch sonst keine Probleme hat, die Arenen zu füllen. Roger Waters tourte auch noch lange ohne die früheren Pink-Floyd-Kollegen mit „The Wall“.

 Die Britpop-Wegbereiter Suede um Sänger Brett Anderson beim Auftritt im Luxemburger „Atelier“.
Die Britpop-Wegbereiter Suede um Sänger Brett Anderson beim Auftritt im Luxemburger „Atelier“. Foto: Andreas Feichtner

Was bleibt nach dem anderthalbstündigen Konzert? Ja, Suede im Jahr 2022 – das ist schon ein Stück weit eine 90er-Party, aber eine, die die guten Momente des Jahrzehnts feiert und die das ziemlich eindrucksvoll ins Jetzt zerrt. Wenn das Nostalgie ist – dann ist es eben so. Und für ein Novum sorgt die Band dann auch: Dass es am Merchandising-Stand Kondome mit dem Tour-Logo zu kaufen gibt, das gab es in den 90ern wohl noch nicht.

Hier geht es zur Bilderstrecke: So war es bei Suede in Luxemburg