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"Superstar" Thomas Godoj spielt vor 1000 Fans in Trier

"Superstar" Thomas Godoj spielt vor 1000 Fans in Trier

Ernstzunehmender Künstler oder doch nur der Casting-Show-Gewinner mit Haltbarkeitsdatum? Thomas Godoj machte bei seinem Auftritt in Trier ein endgültiges Urteil darüber schwer.

Es war kurz vor 21 Uhr, als Thomas Godoj die Bühne mit lautem Tusch betrat. Als wolle der 31-Jährige, der im Januar Vater einer Tochter wurde, gleich zu Beginn zeigen, dass er mehr ist als nur ein weiterer Sieger der Casting-Show "Deutschland sucht den Superstar" (DSDS). Aber ist er das wirklich?

Er startet heftig. Ein paar unter den 1000 Zuhörern des vom TV präsentierten Konzerts halten sich die Ohren zu. Und andere fragen sich, ob da nicht vielleicht ein wenig falsch abgemischt wurde. Die Stimme von Godoj hat zu Beginn Probleme, durch den Klang der Instrumente zu dringen. Texte und Melodien der ersten englischen Titel sind jedoch sehr eingängig. Weichgespülter Radio-Rock. Das zeichnet ihn noch nicht als Künstler aus, der sich vom Image eines DSDS-Gewinners mit geringem Haltbarkeitsdatum lösen könnte.

Bevor man aber beginnt, ihn als einen wie diesen abzutun, legt er nach - und spielt Lieder von seiner Band Wink. "Explosion" klingt weniger nach Radio-Rock, dafür mehr nach der deutschen Rockband Rammstein. Die Stimme sticht nun deutlicher heraus. Die, mit der er im vergangenen Jahr jede Staffel der Show für sich entschied. Dass er sich seiner außergewöhnlichen Stimme bewusst ist, wird klar, als er die Akustik-Instrumente auspackt. "Autopilot" zeigt Godojs Stärken: Es sind die deutschen Texte, die das hervorbringen, womit er zum Liebling der DSDS-Zuschauer wurde: Authentizität. Authentisch ist der ehemalige Student und Hartz-IV-Empfänger aus Recklinghausen aber auch, wenn er mit dem Publikum plaudert. Der gebürtige Pole redet ohnehin viel in den fast zweieinhalb Stunden. Seine Band und er verstehen es, die Fans zu unterhalten. Wenn dies alles Abgrenzungsmerkmale zum Talentwettbewerbs-Gewinner-Einerlei sind, dann geht der Punkt an ihn. Wenn aber dann doch Cover-Titel wie "Chasing Cars" von Snow Patrol zu den Höhepunkten des Abends gehören, muss man sich fragen, ob es Godoj wirklich schaffen wird, als eigenständiger Künstler mit klarem Profil weiterzumachen, wenn sein Nachfolger in wenigen Wochen gekürt sein wird.