Symbolfigur mit Gänsehautfaktor

Symbolfigur mit Gänsehautfaktor

Ein politisch engagiertes Gesangstalent und zwei Stunden afrikanische Rhythmen vom Feinsten haben 750 Zuschauer beim Konzert in der Abtei Neumünster in Luxemburg erlebt. Youssou N\'Dour und seine Band Étoile de Dakar überzeugten mit Temperament und viel Gefühl.

Luxemburg. Wann hat man schon einmal einen Beinahe-Präsidenten auf der Bühne, der gleichzeitig eine Symbolfigur für afrikanische Populärmusik ist? Das Centre Culturel de Rencontre Abbaye de Neumünster hat das am Montagabend in Luxemburg geschafft. Dort war der senegalesische Sänger Youssou N\'Dour zu Gast, der sich in seiner Heimat auch politisch und sozial engagiert und Präsident werden wollte.Hit mit Neneh Cherry


Als der Künstler die Bühne betritt, drängt das Publikum gleich nach vorn in Richtung Bühne. 750 Zuschauer sind gekommen, um den senegalesischen Superstar zu sehen, der sich in Europa vor allem durch den mit Neneh Cherry performten Song "Seven Seconds" einen Namen machte. Der Nummer-Eins-Hit führte gleich in mehreren Ländern die Charts an. In Frankreich stand er 16 Wochen lang auf Platz eins.
N\'Dour hat zwölf Musiker dabei, darunter zwei Backgroundsänger, einen Schlagzeuger, einen Gitarristen, einen Percussionisten und Saxofonisten. Die Songs sind mitreißend, geprägt von senegalesischen und afro-kubanischen Rhythmen. Sie haben Namen wie "Bamba", "Birima" und "Namonalem". N\'Dour singt in Wolof, der Sprache seines Heimatlandes Senegal, in Französisch und Englisch. Ein Song ist Nelson Mandela gewidmet.
"Seid ihr müde?", ruft einer der Musiker in die Menge. Die einhellige Antwort ist "Nein!". Im Publikum sind viele Senegalesen und Fans aus anderen afrikanischen Ländern. Einige tragen bunte Kleider und Tuniken aus ihren Heimatländern. Die Musiker selbst tragen bestickte Tuniken in rot, blau oder braun. Auch die Luxemburger und Franzosen unter den Zuschauern tanzen zu den elektrisierenden Klängen, bei denen man einfach nicht stillstehen kann. Das kann auch der Tänzer auf der Bühne nicht, der sich wie ein Derwisch dreht, wilde Sprünge macht und Saltos schlägt.
Natürlich spielt der Künstler auch seinen Hit "Seven Seconds". Den weiblichen Part übernimmt die einzige Frau im Musikerteam. Das Publikum wiegt sich zu der berührenden Melodie. Danach kommt so manchem Besucher ein Seufzer über die Lippen, so schön war es, den Song noch einmal live zu hören.
Youssou N\'Dours Stimme hat sich seit damals nicht verändert. Lupenrein und häufig in hoher Tonlage singt er seine Stücke. Auf seinen Erfolgshit setzt er noch einen drauf. "New Africa" ist eine getragene Hymne, die Gänsehaut auslöst und der das Publikum andächtig zuhört.
Dann wird es wieder lebendig, rasant oder auch mal jazzig. "Geht es euch gut? Wollt ihr mitsingen?" Die Zuschauer singen laut "Mama Afrika". Als nach rund zwei Stunden das Bühnenlicht ausgeht, rufen die Fans im Chor: "Wir sind noch nicht müde!" Und das ist gut so. Denn N\'Dour und seine Band krönen das Konzert mit einer jazzigen Version von Bob Marleys "Redemption Song".