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Szenenapplaus fürs Zähneputzen

FOTO: Rolf Lorig (flo), ROLF LORIG ("TV-Upload Lorig"
Trier. Vom Grundschulkind bis zum Senior war jede Generation vertreten: Am Freitagabend genossen 3000 Fans die Show ihrer Drei-Fragezeichen-Hörspiel-Stars in der Trierer Arena. Oliver Rohrbeck, Jens Wawrczeck und Andreas Fröhlich sorgten mit Geräuschemacher, Band und Sprecher-Kollegen für einen unterhaltsamen Blick hinter die Kulissen. Ariane Arndt-Jakobs

Trier. Den ersten Szenenapplaus gab es in der Arena bereits nach wenigen Minuten - und zwar fürs Zähneputzen. Das funktioniert im Hörspiel so: Mit einer Schrubberbürste am Rand eines Plastiktopfs schubbern, eine Spraydose mit Plastikhalm im Wasser betätigen (= gurgeln), Wasser ausspucken. Die Bildschirme am Bühnenrand dienten bei der Show der beliebten Drei-Fragezeichen-Hörspielsprecher nicht nur dazu, den Zuschauern ihre Stars Oliver Rohrbeck alias Justus Jonas, Jens Wawrczeck alias Peter Shaw und Andreas Fröhlich alias Bob Andrews in Großaufnahme zu präsentieren. Sondern auch dazu, das emsige Treiben des Geräuschemachers Jörg Klinkenberg genau zu beobachten zu können, der mit Stangensellerie, Ledertasche, Kette und unzähligen weiteren Requisiten für die bei Hörspielen unverzichtbare Geräuschkulisse sorgte.
Ihm galt dieser erste Szenenapplaus, dem viele weitere folgten. Überhaupt war das Publikum kaum zu halten, immer wieder unterbrach es den Auftritt mit Gejohle und Zwischenrufen und verlangte mittendrin eine Zugabe - schließlich kann man nur live die drei Detektive auch mal tanzen sehen.
Der Fall "Phonophobia" wurde extra für die Tour geschrieben: Die drei ??? müssen mit einem Heißluftballon in den kalifornischen Bergen notlanden. Dort entdecken sie ein geheimnisvolles Institut, in dem Musiker an einer großen Sinfonie arbeiten, deren Klänge die Illusion von Geschmack, Farben und Gerüchen samt dazugehörigen Emotionen hervorrufen. Der Orchesterleiter Yamada führt mit dieser "Sinfonie der Angst" nichts Gutes im Schilde, wie die drei bald herausfinden ...
Ein neuer Fall, der alles bereit hält, was das Drei-???-Universum ausmacht: Rätsel und deren geniale Auflösungen, skurrile Charaktere, Grusel, Gefahr - und jede Menge Selbstironie. Gerade die macht die drei und ihr Team so sympathisch: Die Akteure auf der Bühne hatten ebenso wie ihr Publikum extrem gute Laune. Etwa, wenn sie vor der Fischauge-Kamera ausgelassen rumalberten oder sich im Gespensterschloss an einen ihrer ersten Fälle erinnerten. Dieser Spaß an der Sache ist eines der Erfolgsgeheimnisse der Reihe: Bereits seit 35 Jahren leihen Rohrbeck, Wawrczeck und Fröhlich, alle drei heute um die 50 Jahre alt, den Detektiven ihre Stimmen - und ihre Fangemeinde wächst stetig. Mit den Liveshows - "Phonophobia" ist die dritte - ermöglichen sie ihren treuen Anhängern einen unterhaltsamen Blick hinter die Kulissen.
Natürlich lösten die drei den Fall meisterhaft. Zum Schluss nahmen sie die Zuschauer mit in ihre berühmte Zentrale auf dem Schrottplatz, wo, wie gewohnt, im Hintergrund die Kreissäge lärmte. Das geht im Hörspiel so: Mit dem kleinen Quirl vom Milchaufschäumer über einen geriffelten Plastikbecher schrabbeln.