Tagung in Himmerod mit Jacques Berndorf, Monsignore Andreas Heinz und Christoph Türcke

Kultur : Ein neues Format für Himmerod

Hochkarätig besetzte Tagungen sollen Menschen in die Eifel locken. Zum Auftakt sprechen Jacques Berndorf, Monsignore Heinz und ein kirchenkritischer Philosoph über das Thema Heimat.

Und plötzlich waren die Mönche weg. Zwei Jahre ist es her, dass die Zisterzienser beschlossen, Kloster Himmerod aufzugeben. Während der Bischof aktuell weiter Briefe schreibt, um doch noch einen Orden zu finden, der dem altehrwürdigen Konvent neues geistliches Leben einhauchen könnte, bemühen sich Eifeler auf ihre Weise, das spirituelle Zentrum zu erhalten. Die einen schleifen Parkett und streichen Fenster, andere organisieren Orgelkonzerte, Gebetsnächte, Ausstellungen, meditative Wanderungen oder Chorwochenenden. Nun kommt ein weiteres Format hinzu, das die alte Abtei vitalisieren soll: hochkarätig besetzte Studientagungen, die – so die Hoffnung der Organisatoren – auch überregionale Beachtung finden.

Gemeinsam mit Reinhold Bohlen, dem Rektor der Abteikirche, plant der bei Bitburg lebende Kunsthistoriker Richard Hüttel ein „Kulturprogramm etwas anderer Art“:  Vom 19. bis 20. Oktober soll sich in Himmerod alles um das Thema Heimat drehen.

Schriftsteller Michael Preute alias Jacques Berndorf, der bekannte Pionier des deutschen Regionalkrimis, spricht über Heimat und Kriminalromane. Der renommierte (und religionskritische) Philosoph Christoph Türcke, der bis zu seiner Emeritierung 2014 Professor für Philosophie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig war, referiert über sein 2014 publiziertes Buch „Heimat. Eine Rehabilitierung“. Zentrale Aussage: „Je mehr Heimatlosigkeit die mobile, flexible neoliberale Welt mit sich bringt, desto mehr drängt sich Heimat auf.“

Auch musikalisch wird das Thema Heimat aufgegriffen: Der Eifeler Theologe Andreas Heinz, der 2014 von Papst Franziskus zum „Kaplan seiner Heiligkeit“ (Monsignore) ernannt wurde, präsentiert eine Soiree um den Dichter und Komponisten Bernhard Lemling aus Sülm. Als weltweit anerkannter Liturgiehistoriker habe Heinz sich um die Erforschung der geschichtlichen Zeugnisse der Liturgie und Volksfrömmigkeit im Trierer Land Verdienste erworben, sagt Hüttel. Der „Theologe mit Eifeler Herz“ pflegt den hiesigen Dialekt und predigt gelegentlich auch mal in Platt.

Auch wenn Filmregisseur Edgar Reitz nicht persönlich vor Ort sein kann, so ist doch der erste Teil seines Filmzyklus „Heimat“ zu sehen. Wer seine eigene Heimat etwas besser kennenlernen will, hat dazu ebenfalls Gelegenheit: Hüttel führt an dem Wochenende durch das Kloster, dessen Dormitorium, Refektorium und andere Räume nun, da die Mönche dort nicht mehr leben, zugänglich sind. Auch ein Hochamt ist Teil des Programms: mit Aufführung der Messe des ehemaligen Himmeroder Abteiorganisten Pater Raimund van Husen mit dem ­Vokalensemble St. Martin Schweich unter Leitung von Johannes Klar.

In einer zunehmend globalisierten Welt erlebe der Begriff Heimat heute eine Renaissance, sagt Hüttel. Nicht selten werde Heimat zur Ausgrenzung des anderen missbraucht. Die Studientagung versuche, sich der Vielschichtigkeit des Begriffs nicht nur auf philosophischer Ebene zu nähern, sondern auch an konkreten Beispielen mit lokalem Bezug ein Stück Heimat zu „vermitteln“.

Die Tagung beginnt am Samstag um 9.30 Uhr und endet mit dem Mittagessen am Sonntag. Die Teilnahme mit Verpflegung, aber ohne Übernachtung kostet 65 Euro, inklusive Übernachtung 95 Euro. Information und Anmeldung bis 25. September: Abtei Himmerod, Telefon 06575/951380 oder E-Mail: info@abteihimmerod.de

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