Tanz auf dem Vulkan

Mit "Swinging St. Pauli" hat das dritte vom Team um Regisseur Stephan Vanecek für die Tufa produzierte Musical Premiere gefeiert. Mit stehenden Ovationen honorierten rund 220 Zuschauer die musikalischen, tänzerischen und schauspielerischen Leistungen, mit denen über 40 Mitwirkende ein im Spannungsfeld einer tragischen Geschichte aus der Nazi-Zeit und Swing-Musik angesiedeltes Stück umsetzten.

Trier. Gleich der Auftakt von "Swinging St. Pauli" ist ein Kracher. Unzählige junge Männer und Frauen in nostalgisch anmutender Kleidung wirbeln über die Bühne, tanzen in Paar- oder Gruppenformationen zu einem mitreißenden Swing-Ohrwurm, der auch die Zuschauer mitschnippen lässt. Die bis ins Abschlussbild perfekte Choreografie der Nummer gibt sowohl formal wie inhaltlich die Richtung vor. Denn mit überwiegend getanzten und gesungenen, selten gesprochenen Szenen wird eine Art Tanz auf dem Vulkan thematisiert.
Max (Maximilian Sobetzko), Fritz (Lucas Heise), Heinrich (Philipp Gonder), Alberta (Susanne Himbert), Beate (Elena Lorscheid) und ihre Freunde trotzen der von Nazi-Herrschaft und Weltkrieg geprägten Realität des Jahres 1941, indem sie in Leos Kiezbar auf St. Pauli ausgelassen zu amerikanischer Swing-Musik feiern.
Obwohl Nazi-Schergen, darunter ausgerechnet Beates Bruder Arnold (Simon Faust), die Szene im Visier haben, regiert Humor, wenn auch mit galliger Färbung: "Was guckste denn so sparsam, haben wir schon den Krieg verloren?" Doch dann sucht Jüdin Emma (Katharina Scherer) Hilfe bei Barchef Oscar (Stephan Vanecek), der ehemaligen Liebe ihres ermordeten Bruders, und Max verliebt sich in sie. Das ist der Auftakt einer dramatischen Geschichte mit tragischem Ausgang.
Die zwei großen Herausforderungen des Stücks, den vergleichsweise ernsten Stoff und den durch die musikalische Ausrichtung bedingten Anspruch meistern die Akteure mit Bravour. Da hat das kreative Leitungsteam aus Regisseur Stephan Vanecek, Choreografin Angelika Bucks, Vocalcoach Katharina Scherer und dem musikalischen Leiter und Bandchef Dominik Nieß ganze Arbeit geleistet.
Alle Rollen sind typgerecht besetzt und überzeugend gespielt, die Solo-Singstimmen beachtlich professionell und tragfähig, die Choreografien rund und ausdrucksstark. Schön fürs unmittelbare Erleben ist, dass das im Stil einer Bigband spielende Liveorchester dank der Barszenerie einen sichtbaren Platz auf der Bühne hat, die - auch das gelungen - mit wenigen Handgriffen andere Schauplätze andeuten kann. Neben der musikalischen und darstellerischen Qualität überzeugt an der Aufführung besonders die bis in die Beleuchtung konsequente Ausarbeitung der Kontraste - Lebensbejahung hier, düstere Schatten dort. Das lässt auch über manch musicaltypische Schnulzanklänge wegsehen.
Weitere Termine: 16., 17., 22. Und 25.9. je um 20 Uhr sowie 24.9. um 18 Uhr. Tickets in den TV-Service-Centern in Trier, Bitburg, Wittlich, unter der Tickethotline 0651/7199-996 oder online unter www.volksfreund.de/tickets