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Tanz und Musik jenseits der Genre-Grenzen

Tanz und Musik jenseits der Genre-Grenzen

Als Fusion aus Oper und Tanztheater inszeniert die Choreographin Sasha Waltz Monteverdis "Orfeo". Der barocke Rausch aus Tanz, Bildern und Musik löst bei den 950 Zuschauern Jubelstürme aus.

Luxemburg. Donnernde Trommeln und heroische Bläser in der Toccata vermitteln dem Publikum im ausverkauften Luxemburger Grand Théâtre gleich zu Beginn des Abends eine Atmosphäre wie am Hof des Herzogs von Mantua vor über 400 Jahren. Dort wurde 1607 der "Orfeo", als "Favola in Musica" uraufgeführt und begründete damit die Gattung der Oper nach heutigem Verständnis.
Sasha Waltz gelingt mit ihrer Inszenierung ein beeindruckendes Gesamtkunstwerk. Die international renommierte Choreographin erzählt die antike Sage vom begnadeten Sänger und Göttersohn Orpheus/Orfeo - der seine geliebte Euridice aus der Unterwelt zu befreien versucht und dabei an seinen eigenen Unzulänglichkeiten scheitert - mit tänzerischen, musikalischen und optischen Mitteln.
Das nennt man auf Neudeutsch wohl Crossover. Dabei bleibt Waltz den klassischen Wurzeln des Stückes treu. Ein raumfüllender, heller Holzrahmen mit beweglichen Säulen, aus dem sich ein (Tanz-)Boden in Richtung Publikum bewegt, dominiert die tiefe Bühne, die von Design-Star Alexander Schwarz gestaltet wurde.Große Kunst in surrealen Figuren


Großformatige, bewegte Bilder eines Waldes oder des Unterwelt-Flusses Styx mit einem strahlenden Mond, auf eine Riesenleinwand im Hintergrund projiziert, erschaffen eine mal heitere, mal beklemmende Atmosphäre. Die ergreifend schlichten Kostüme von Beate Borrmann sind zeitlos dezent.
Artistisch und poetisch ausdrucksvoll auch der Tanz der Compagnie von Sasha Waltz & Friends, große Kunst in surrealen Figuren. Alle Akteure wandeln barfuß durch die Szenerie, auch das Orchester. Die Grenzen zwischen den Genres verschwinden, die Tänzer singen, und die Sänger tanzen, alles ist in ständiger Bewegung.
Das formidable, durchgehend virtuos besetzte Freiburger Barock-Consort (zum Beispiel Hille Perl an der Viola da Gamba und ihr Mann, Lee Santana, an der Laute) unter der Leitung von Hans-Georg Kaiser, ist links und rechts der Spielfläche positioniert und sprüht vor Spielfreude. Das Vocalconsort Berlin gibt dem Chor-Gesang Wucht und strahlende Finesse.
Herausragend unter den Solisten ist der Wiener Bariton Georg Nigl in der Titelrolle. Seine physische Präsenz und stimmliche Qualität tragen den Abend. Anna Lucia Richter als Euridice (und La Musica) begeistert außer mit ihrem glockenhellen Sopran auch tänzerisch und darstellerisch.
Bilder von beeindruckender Dynamik fügen sich organisch mit der frühbarocken Musik zu einem emotional ergreifenden Gesamteindruck zusammen. Absolute Weltklasse auf allen Ebenen. Laute Bravos und frenetischer Applaus zum Abschluss. DTEinige wenige Restkarten gibt es noch für die Vorstellung am Dienstag, den 9. Dezember ( www.lestheatres.lu ).