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Tanztheater "Non solo due" im Brunnenhof Trier

Tanz : Tanzen bis ans Ende der Liebe

Auch in Corona-Zeiten wird zum Glück eindrücklich weitergetanzt, wie das Open Air „Non solo due“ des Theaters am Sonntag im Brunnenhof zeigte.

Sie möchten so gern zueinanderkommen Aber sie werden von Absperrbändern getrennt. Mund-und Nasen-Schutz behindern ihre Kommunikation. Die Liebe mit ihrer Sehnsucht nach Nähe hat es schwer in Corona-Zeiten. Was einmal mehr die kleine eindringliche Produktion LOVID-20 des Tanztheaters Trier am Sonntag  bestätigte. Das Duett war Teil des Beitrags „Non solo due“ der Ballettsparte zum spartenübergreifenden Open-Air-Programm des Theaters Trier im Brunnenhof. Giulia Pizzuto und Leonardo Germani tanzten ein anrührendes Liebespaar, dem, wie die Musik von Johann Johannson nahelegte, als Ausweg nur die Flucht aus der dichtbevölkerten City blieb.

Als Reflexion der noch immer nicht bewältigten Pandemie war  LOVID-20 nicht nur der aktuellste Beitrag der Tanz-Stunde, sondern, was die Orchestrierung anging, auch der originellste mit seinen Auszügen aus Ezio Bossos poetischer „Music for weather elements“. Doch der Reihe nach. Nicht nur die Liebe zwischen Paaren muss in diesen Zeiten Hindernisse überwinden, sondern auch die Liebe zur Kunst. Neben Künstlern und Kunst-Institutionen leiden auch Kunstliebhaber angesichts der verordneten Beschränkungen. Glück hatten die etwa 65 Zuschauer, die eine Karte nebst Regenschutz erhalten hatten und nun mit abgelegtem Mundschutz am Tisch saßen und ihre Formulare mit Namen, Adresse und der Versicherung unterschrieben, dass sie die letzten 14 Tage keinen Kontakt zu Corona-Patienten hatten. Der Brunnenhof ist fraglos ein herrlich intimer Rahmen für Open Airs. Allerdings bedeutet die Kleinkunst-Bühne gerade für Tänzer eine besondere Herausforderung. Bewegung will nun mal Raum und Zeit greifen und schaffen. Mit einem abwechslungsreichen Programm aus Soli und Duetten, an dem sich auch das Philharmonische Orchester der Stadt Trier beteiligte, gelang es den Künstlern eindrücklich, aus der Not eine Tugend zu machen und die Enge tänzerisch  in Dichte zu verwandeln. Was sich dem Publikum an getanzten Miniaturen  bot, waren ausdrucksstarke Seelenstücke. Die hervorragend ausgewählte Musik orchestrierte vielfarbig, was die Bewegung an seelischer Energie veräußerte. Gleich eingangs beeindruckte Leonardo Germani mit seinem Solo „Steel to Silk“. Um menschliche Befindlichkeiten ging es an diesem Sonntag ebenso wie um unterschiedliche Glücksperspektiven und die sinnbildlichen Spuren im Sand, die Menschen hinterlassen. „Durch die Zeit“ führte  die „Allemande“ von Johann Sebastian Bach  aus der Partita a-Moll BWV 1013, einfühlsam auf der Flöte gespielt von Christoph Riemenschneider, getanzt von Damien Nazabal. Beschränkung verhandelte tänzerisch im „Confinement“ Hanna Szychowicz, eindrücklich begleitet von Ursula Heckmanns  dunklem Cello  und der Prélude sowie der Courante aus der Suite Nr.1 g-Dur, ebenfalls von Bach.  Mit einem Ausblick auf Roberto Scafatis  neue Produktion „Rituale“ endeten die Ballettbeiträge. Die Choreographie des Ballettchefs hatte wegen Corona ausfallen müssen, wird aber in der nächsten Spielzeit gezeigt. Als Moderatorin führte Luiza Braz Batista mit charmanter Entschiedenheit durch das Programm. Dazu präsentierte sie sich als ausdrucksstarke Sängerin vom sehnsüchtigen südamerikanischen „Dindi“ zu Beginn über Leonard Cohens herrlich leises aber obsessives „Dance me to the end of love“ bis zu Billie Holidays zeitlosem antirassistischen Song „Strange fruit“. Den hatte sich die Künstlerin, wie Intendant Manfred Langner erklärte, aus aktuellem Anlass eigens als Zugabe erbeten. Am Klavier war Korrepetitorin Keti Rukhadze eine hochpräsente Begleiterin. Ein sehr gelungener Abend, bei dem sich auch Wettergott Petrus einigermaßen im Griff hatte. Viel Applaus!

Nächste Vorstellung 2.7., 20 Uhr