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Tasten-Talent aus Trier

Tasten-Talent aus Trier

Salome Sanchez-Suska ist 15, geht in Trier zur Schule - und ist auf dem besten Weg zur Konzertpianistin. Am Freitag gestaltet sie einen Klavierabend am Steinway-Flügel des Dommuseums, wo sich sonst nur Vollprofis betätigen dürfen. Ein weiterer Schritt auf der Karriereleiter, deren Ende noch nicht absehbar ist.

Trier. Salome Sanchez-Suska wirkt nicht so, als würde ihr das bevorstehende Solokonzert schlaflose Nächste bereiten. Sie wirkt auch nicht wie 15. Ruhig und souverän beantwortet sie alle Reporter-Fragen, redet fast druckfähig. Eine junge Erwachsene.

Vielleicht hat das mit der Routine von jemandem zu tun, der schon einiges an Konzerterfahrungen gesammelt hat. Mit zehn spielte sie ein Mozart-Klavierkonzert mit dem Bolivianischen Nationalorchester. Mit elf brillierte sie, ebenfalls bei Mozart, mit den Trierer Philharmonikern. "Sie versteht die Musik, interpretiert nuanciert, gibt den Ton gegenüber dem Orchester an - sie prägt und gestaltet", stand damals im TV.

Mit zehn als Solistin beim Nationalorchester



Mit zwölf musizierte sie in der Mozart-Reihe der VHS, mit 14 eröffnete sie das südamerikanische Kulturhauptstadt-Jahr mit Beethoven und Liszt in La Paz, im selben Jahr gab sie ihr Debüt mit dem Philharmonischen Kammerorchester Riga bei einem Konservatorium-Konzert in Luxemburg. Inzwischen studiert sie, neben ihrem "Hauptjob" als Schülerin des Angela-Merici-Gymnasiums, in Luxemburg und Saarbrücken Klavier und Orgel. Ach ja, und ein bisschen Komposition und Dirigieren, "weil mich das auch interessiert".

Die gebürtige Triererin lebt mit ihrer Familie in Riveris. Der Vater ist Bolivianer, die Mutter Deutsche. Ein kulturell interessiertes und engagiertes Elternhaus, aber keine Profikünstler. Mit fünf haben sie Salome zum ersten Klavierunterricht angemeldet und seither viel Zeit investiert, um ihre Tochter zum Unterricht, zu Wettbewerben, zu Konzerten zu begleiten. Unter Druck gesetzt hat sich Salome nie gefühlt, räumt aber andererseits ein, dass es "ohne einen gewissen Anspruch von zu Hause aus nicht geht".

Zwei unterschiedliche Kulturkreise im Elternhaus - das scheint sich inspirierend auszuwirken. Auch der kleine Bruder ist inzwischen am Konservatorium. Und Salome steuert eine Karriere als Konzertpianistin an. "Es ist mir klar, dass das ein Risiko ist", sagt sie, "man braucht gute Beziehungen oder sehr viel Glück". Viele Nachwuchspianisten "werden in jungen Jahren sehr bekannt und verschwinden dann von der Bildfläche".

Für Lady Gaga hat sie wenig übrig



Man muss sich gut verkaufen können in der mediengerechten Glamour-Welt, zu der auch die Klassik längst geworden ist. "Da habe ich bis jetzt keine Erfahrung", meint die 15-Jährige und schaut skeptisch drein. Aber an den Branchengesetzen wird sie wohl kaum vorbeikommen.

In ihrer Altersgruppe ist jemand, der täglich mehrere Stunden mit klassischer Musik, Studium und Üben zubringt, die Ausnahme. Der Vergleich mit dem Leistungssport drängt sich auf. Entsteht da eine Distanz zu den Klassenkameradinnen? "Zu Geburtstagsfeiern werde ich jedenfalls ganz normal eingeladen", betont Salome und wirkt keineswegs wie eine Außenseiterin. Auch wenn sie sich in den aktuellen Pop-Charts nicht sonderlich gut auskennt und bei der Frage nach Lady Gaga leidend das Gesicht verzieht.

Wenn sich die Möglichkeit ergibt, sitzt sie gerne in der Luxemburger Philharmonie und schaut sich die Großen ihrer Zunft an - mit zwiespältigen Gefühlen: "Manchmal zieht es einen runter, wenn man sieht, wie gut die sind". Andererseits baut es auf, wenn man merkt, dass sich auch "schüchterne" Künstler wie Ewgeny Kissin durchgesetzt haben, ohne dabei zum Selbstdarsteller zu werden.

"Del Altiplano a la Pampa" heißt das Programm mit Komponisten aus Bolivien und Argentinien, das Salome Sanchez-Suska für das Konzert am 10. September um 20 Uhr im Dommuseum ausgesucht und teilweise selbst bearbeitet hat. Es gehört zu den Veranstaltungen der Ausstellung "Arte Bolivia".