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Tatort am Sonntag aus München: Trierer Ferdinand Freising produzierte "Flash"

Am Sonntag in der ARD : Trierer produziert „Tatort“ über Demenz

Der neue Münchner „Tatort“ basiert auf einer Idee des aus Trier stammenden Filmproduzenten Ferdinand Freising. Worum es geht – und welchen spektakulären Fall an der Mosel der 41-Jährige demnächst als Miniserie verfilmen möchte.

Es ist die „Königsklasse“ im deutschen Fernsehen. Mehr geht kaum. Jedenfalls, was die Zuschauerzahl angeht, wenn nicht gerade ein Fußball-Großereignis ansteht: der „Tatort“. Seit über einem halben Jahrhundert deutsche Fernsehtradition. Wenn am Sonntagabend zum 88. Mal die Münchner Kommissare Franz Leitmayer (Udo Wachtveitl) und Ivo Batic (Miroslav Nemec) ermitteln, geht die Story auf eine Idee von Ferdinand Freising zurück, der die Folge „Flash“ auch für die Münchner Tellux-Film produziert hat. „Das ist meine bisher größte Produktion“, sagt der 41-jährige Trierer, den es 2003 zum Studium nach München gezogen hatte.

Wie es dazu kam? Vor über drei Jahren saß Ferdinand Freising mit Redakteur Cornelius Conrad zusammen, sie sprachen über Ideen für künftige „Tatorte“. Eine davon: Ein historischer „Tatort“ aus München, das wäre doch was. Zumindest in der Theorie. Doch wie ließe sich das umsetzen? Batic und Leitmayr, beide deutlich jenseits der 60, in ihre Jugend in die späten 1970er zurückbeamen? Das wäre auch mit viel Make-up optisch wohl wenig überzeugend. Jüngere Schauspieler in die Rolle schlüpfen lassen? Ebenfalls schwierig.

„Die Idee kam dann irgendwann beim Joggen“, erinnert sich Freising. Inspiriert wurde er von einem Artikel in einer Wissenschaftszeitschrift, in der über ein Experiment kanadischer Neurowissenschaftler in einem Altenheims berichtet wurde. Sie schickten die demenzkranken Bewohner auf eine Zeitreise – in einem Tanzlokal, das in seiner Einrichtung aufwendig im Stil der 50er Jahre umgestaltet wurde. Bis ins Detail: Möbel, Gardinen, Tischdecken, Geschirr aus den 50er Jahren ausgestattet. Auch die Bedienungen trugen Kleidung und Frisuren aus den 50ern. Klar, dass auch nur die Hits von damals liefen. Wie sich das auf die Bewohner auswirkte? Recht deutlich. Die meisten Teilnehmer verhielten sich plötzlich wie etwas jüngere Menschen: Sie bewegten sich leichter, waren kommunikationsfreudiger und wirkten weniger dement als in ihrem Alltag. DIese „Reminiszenz-Therapie“ ist der originelle Kniff von „Flash“. „Meine Idee war: Was wäre, wenn wir ein solches Experiment für einen kriminologisches Pilotprojekt nutzen würden. Stell dir vor, es gibt einen Mordfall – aber keinen Verdächtigen oder Zeugen.

Das Einzige, was auffällt: Der Mord erinnert an einen ungelösten Fall aus den 70ern – und der einzige noch lebende Zeuge von damals ist dement. Aber wie kann man einen Dementen vernehmen?“ Etwa, in dem man dessen Langzeitgedächtnis wieder einen Ort zum Andocken gibt – über die passenden Bilder, Songs und Gerüche. Das sei dann schnell auf Interesse beim Bayerischen Rundfunk gestoßen. Für das ausgearbeitete Drehbuch wurde das Autoren-Duo Sönke Lars Neuwöhner/Sven S. Poser gewonnen, die Regie führte Andreas Kleinert. 

Von Freisings „pitch paper“ – das ist die erste Ideenskizze – über das Exposé und das 15- bis 20-seitige Treatment bis zum fertigen Drehbuch ist es ein weiter Weg. So führt die Zeitreise nun in die 80er unter anderm in einen Münchner Club namens „Flash“ – und in die Gegenwart: Alois Meininiger saß über 30 Jahre wegen des Mordes an einer jungen Frau im Knast, kurz nach seiner Freilassung kommt es zu einem weiteren Mord. Meininger taucht unter – und sein ehemaliger Therapeut soll den Kommissaren bei der Suche helfen, Dr. Prinz (überzeugend gespielt von Peter Franke) ist allerdings dement. Von einem besonderen Drehbuch-Twist am Ende musste Freising anfangs noch überzeugt werden. 

Nun freut sich der 41-Jährige auf die Premiere am Sonntagabend – auch wenn der Juni-Termin nicht ganz perfekt sei: Ein November- oder Dezember-Sonntag sei natürlich besser, „aber darauf haben der Bayerische Rundfunk und wir als Produktionsfirma keinen Einfluss.“

Für ein neues Projekt recherchiert Freising wieder in seiner alten Heimatregion, an der Mosel. Er plant eine Mini-Serie – sechs Folgen a 45 Minuten - die „die irre Story hinter dem Cyberbunker in Traben-Trarbach“  thematisieren wird. Da sei aber noch nichts spruchreif.  Seine Leidenschaft für den Film entwickelt er schon zu Schulzeiten am Max-Planck-Gymnasium, so mit 15, 16 Jahren -- und gemeinsam mit seinem Freund Moritz Schönecker, der inzwischen als Theater-Regisseur in Jena arbeitet. „Wir haben uns in der Videothek viele Filme auf VHS ausgeliehen, etwa von Emir Kusturica.“ Nach seinem Abitur im Jahr 2000 ging er für ein Jahr im Rahmen der Bolivienhilfe des Bistums in ein Andendorf.

 „Tatort“-Produzent Ferdinand Freising stammt aus Trier.
„Tatort“-Produzent Ferdinand Freising stammt aus Trier. Foto: Tellux GmbH/Tellux

„Da habe ich mir Gedanken gemacht, was ich werden will“, sagt der 41-Jährige. „Film-Produktion an der Filmhochschule zu studieren, das war schon damals meine Idee.  Aber direkt nach dem Abi und ohne Praktika brauchte man sich gar nicht erst zu bewerben.“ Aber die Kombination aus Kreativität und witschaftlichen Knowhow, die reizte ihn. So studierte er für vier Semester Volkswirtschaftslehre an der Uni Trier, machte parallel Praktika im Filmbereich – und wurde dann 2003 von der Filmhochschule München genommen, wo er auch nach dem Studium über sechs Jahre lange arbeitete. „Ich war Herstellungsleiter der Dokumentarfilm-Abteilung der Hochschule und habe alle studentisch hergestellten Dokumentarfilme betreut. Das habe ich sehr gerne gemacht.“ Zumal es ihn mit vielen talentierten Filmemachern vernetzte. „Als ich 2016 zum ersten Mal Vater wurde, war das für mich aber der richtige Moment zu kündigen und nach meiner Elternzeit was Neues zu suchen.“ Seit über vier Jahren arbeitet er als angestellter Produzent bei der Münchner Produktionsfirma Tellux, verantwortet dort Spielfilme und Dokus. In der alten Heimat ist er noch regelmäßig – in Trier leben seine Eltern und sein acht Jahre älterer Bruder: „Ich fahre noch sehr gerne nach Trier. München ist schön, aber Trier hat auch Vorzüge, es ist entspannter. In München müssen die Leute ganz schön strampeln, um sich das Leben leisten zu können.“

Tatort, „Flash“, Sonntag, 20.15 Uhr. ARD.