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"Tatort" Freudenburg um Mitternacht

"Tatort" Freudenburg um Mitternacht

FREUDENBURG. Doldinger im "Ducsaal": Das war Samba nahe an der Saar, Bossa Nova, "Boot" und Blue Notes, ein Freuden-Fest in Freudenburg. Rund 280 Fans im Musik-Club feierten den 67-jährigen Saxophonisten und seine Formation "Passport" bis weit nach Mitternacht.

Musik zum Abheben, zum Träumen. Sphärische Klänge, groovende Rhythmen, aber auch ruhigere, in Trance versetzende Kompositionen lassen das Publikum im Ducsaal in dieser Nacht auf einem präzise gewebten neuen Klangteppich geradezu schweben. Jazz-Legende Klaus Doldinger hat dazu viele seiner schönen alten Stücke wie "Ataraxia" oder "Yellow Dream" von illustren Studiotüftlern neu bearbeiten und abmischen lassen. Das Ergebnis ist das Album "Passport RMX", was für "Remixes" - zu deutsch "Überarbeitungen" - steht. Sie sind dem Sound-Anspruch und dem Rhythmusgefühl der jüngeren Generation angepasst. Jazz ohne jegliche Patina

Doch Doldinger bleibt Doldinger: Der 67-jährige Altmeister des deutschen Jazz legte wieder selbst Hand an seine vielfältigen Saxophone und unterzog die Fremdbearbeitungen einer eigenen Neubearbeitung. Das knackig-frische Ergebnis präsentiert er in einem größeren Programmblock mit seiner bewährten sechsköpfigen "Passport"-Formation im "Ducsaal" - perfekt dargeboten und ohne jegliche Patina. Vor allem Tastenspezialist Roberto di Gioia - geboren 1965 in München und ein Kenner der zeitgenössischen Popmusik - kommt dabei zu Ehren. Er sitzt an den Keyboards und Samples, startet die vorgefertigten Beats, spielt spitze Frauenschreie wie Raubvogellaute oder auch indianische Gesänge ein. Über diesem elektronischen Untergrund breitet Klaus Doldinger - in buntes Licht getaucht - auf den Punkt genau seine Saxophonklänge aus und erzeugt so ein spannungsgeladenes Wechselspiel. Egal ob sehnsuchtsvolle Sax-Melodien in träumerischen Balladen oder experimentierend mit Hall- und Echo-Effekten: Der 67-Jährige ist in Freudenburg "total gut drauf", enorm spielfreudig und bietet einen rundum erfrischenden Auftritt - auch wenn er hin und wieder mit seinem Alter kokettiert: "Um diese Zeit liege ich sonst schon längst im Bett. Ich bin doch nicht mehr der Jüngste! Habt Erbarmen!" Spielfreude in Freudenburg

Neben den "Remixes" präsentiert "Passport" im Ducsaal des weiteren Kompositionen des Albums "Back to Brasil", das im März in São Paulo eingespielt wurde und demnächst auf den Markt kommen soll. "After Hours" ist eine wunderschöne getragene Ballade; andere Titel bringen im Samba- und Bossa Nova-Rhythmus südamerikanische Lebens- und die Spielfreude der "Passport"-Musiker zum Ausdruck. Gleich drei von ihnen sind für das rhythmische Fundament zuständig: der 1976 geborene Österreicher Christian Lettner am Schlagzeug sowie die beiden Percussionisten Ernst Ströer und der Kameruner Biboul Darouiche (beide *1963) an Kongas, Bongos, Schellen, Rasseln oder Zimbeln. Gitarrist Peter O‘Mara (*1957) aus Australien und US-Bassist Patrick Scales (1965 in Garmisch-Partenkirchen geboren) beweisen ihre Virtuosität nicht nur in ihren ausgezeichneten Soli, sondern auch in präzisen instrumentalen Dialogen mit Doldinger. Überhaupt verleiht der Mix aus verschiedenen Kulturkreisen und Generationen der Musik von "Passport" noch einen zusätzlichen Kick. Natürlich steht in dieser Nacht - neben "Sahara Sketches" mit Doldinger an der Flöte - auch ein Ausflug in dessen umfangreiches Schaffen als Filmkomponist auf dem Programm. So legt in Freudenburg nicht nur das "Boot" in Form des Hauptthemas zu Wolfgang Petersens Kino-Hit aus dem Jahr 1982 an. Gegen Mitternacht wird der "Ducsaal" schließlich selbst zum "Tatort": Eine Jazzversion der Titelmelodie zur erfolgreichen Fernseh-Krimi-Reihe bedenken die rund 280 Fans mit frenetischem Applaus.