1. Region
  2. Kultur

Tatort-Krimis: Ein Konzer weiß mehr als andere (Fotostrecke) - ARD feiert 1000.Folge am heutigen Sonntagabend

Tatort-Krimis: Ein Konzer weiß mehr als andere (Fotostrecke) - ARD feiert 1000.Folge am heutigen Sonntagabend

Seit 46 Jahren liegt (fast) jeden Sonntagabend ein Toter da - und einer von über 100 Ermittlern muss den Mörder finden. Einer rätselt immer mit und weiß doch mehr als andere: der Konzer Michael Richter.

Ein Fadenkreuz auf einem Auge, über glitzerndem Asphalt rennende Beine, Klaus Doldingers rasanter Jazz: Der "Tatort"-Vorspann ist längst eine generationenverbindende Ikone, die umso unantastbarer wird, je länger sich die Sendereihe gegen den Zeitgeist von überindividuellen Streaming-Diensten stemmt.

1978, als stolze Fernbedienungsbesitzer noch rätselten, wozu die Tasten "Vier" bis "Null" jemals gut sein sollen, erzielten Folgen wie "rot ... rot ... tot" unfassbare 65 Prozent: 26 Millionen Menschen sahen Curd Jürgens bei Dreifachmord plus Selbstmord zu. Vor kurzem hat das Team Thiel und Boerne aus Münster immerhin 13,5 Millionen vor die Geräte gelockt.

Einer, der da Sonntagabends auch regelmäßig sitzt, ist Michael Richter aus Konz: Anlässlich des anstehenden Jubiläums hatte der 37-jährige Angestellte dem Volksfreund eine Reihe interessanter "Tatort"-Fakten zugeschickt. Etwa dazu, dass das große Jubiläum eigentlich längst vorbei sei: "In den 1980er Jahren hat der Österreichische Rundfunk 13 Folgen gedreht, die zwar richtige "Tatorte" sind, von der ARD aber nicht der offiziellen Reihe zugerechnet werden", erklärt der Fan, der im Gespräch immer neues enzyklopädisches Wissen offenbart - etwa die Titel der sieben Folgen um den holsteinischen Ermittler Finke. Der ist für den Konzer Fan eine der Lieblingsfiguren der Traditionsserie - vor allem in den sechs Episoden, die der Regisseur Wolfgang Petersen inszeniert hat, bevor er mit Filmen wie "Das Boot" oder "Die unendliche Geschichte" weltberühmt wurde.

Ihn fasziniert am "Tatort" die meist akribische, manchmal sogar einigermaßen realistische Arbeit der Ermittler, die üblicherweise nicht von technischen Spielereien oder wilden Verfolgungsjagden abhängt. "Darum habe ich mit so einigen der moderneren Teile auch manchmal so meine Probleme", sagt er. Damit ist er nicht der Einzige: Regelmäßig fängt sich der "Tatort" kopfschüttelnde Kritiken ein, wenn die Ermittler es mit Aliens zu tun kriegen, 9/11-Verschwörungen aufdecken oder in surrealen Film-im-Film-Handlungen auf ihre eigenen Schauspieler treffen. Dabei ist das nicht nur ein gegenwärtiges Phänomen: 1973 inszenierte der renommierte US-Regisseur Samuel Fuller den "Tatort" "Tote Tauben in der Beethoven Straße". Der lief sogar in den USA im Kino, stieß hierzulande aber zunächst auf Ablehnung wegen seiner experimentell-verwirrenden Machart.

Eine gesunde, kritische Distanz ist auch dem Konzer bei aller Begeisterung wichtig: "Ich bin da jetzt nicht so wie diese Star-Trek-Fans, die ihre ganze Wohnung mit Postern und Fanartikeln zupflastern", betont er - auch wenn Leidenschaft für den Kommissar Schimanski mittlerweile einen Schrank füllt. Mit dieser Sympathie steht Richter nicht alleine da: Der rauchende, saufende, fluchende Anti-Held, dargestellt vom kürzlich verstorbenen Götz George, hat das Publikum erst verschreckt - bevor es ihn trotz oder wegen seiner Fehler doch ins Herz schloss - im Gegensatz zu Til Schweiger: Dessen großspurige Figur Nik Tschiller ballerte sich in bester "Jason Bourne"-Manier durch die Gegend. Ohne großen Erfolg. Nicht mal 300 000 Zuschauer wollten seinen zweiten Tatort "Off Duty" sehen. Diese Zahl dürfte der 1000., Entschuldigung, der 1013. "Tatort" problemlos erreichen. Extra

 Besonders begeistern Michael Richter Tatort-Klassiker wie die Episoden von Wolfgang Petersen – und die Abenteuer von Horst Schimanski, wie seine Sammlung zeigt.
Besonders begeistern Michael Richter Tatort-Klassiker wie die Episoden von Wolfgang Petersen – und die Abenteuer von Horst Schimanski, wie seine Sammlung zeigt. Foto: privat

Am Sonntag steht der 1000. "Tatort" an. Die ARD schickt den Kieler Kommissar Klaus Borowski (Axel Milberg) und seine Hannoveraner Kollegin Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) in "Taxi nach Leipzig" als Geiseln eines Taxifahrers auf eine Horrorfahrt - 46 Jahre nachdem die Krimireihe mit dem gleichnamigen Film "Taxi nach Leipzig" begann. In der Ausgabe vom 29. November 1970 ermittelte Walter Richter als Kommissar Paul Trimmel. dpa