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Tenor Thomas Kiessling: Musikalisch überall zu Hause

Tenor Thomas Kiessling: Musikalisch überall zu Hause

Er gehört zu den populärsten Trierer Künstlern, und er ist musikalisch (fast) überall zu Hause: Für Thomas Kiessling ist das Singen ein Lebenselixier. Sein neues Projekt ist eine CD mit Weinliedern, aber in der Arena präsentiert er einen Opernkracher in einer Swingversion.

Trier. An Thomas Kiessling führt, im besten Sinn, kein Weg vorbei. Benötigt der Kirchenchor einen starken Solisten, suchen die Heuschreck-Karnevalisten ein Aushängeschild, ist die "Nestwärme" auf einen Schirmherrn angewiesen, brauchen Tufa-Tanzkünstler einen Kooperationspartner, geht ein Reiseveranstalter auf künstlerisch-kulinarische Tour: Wetten, dass in Kiesslings Trier-Süder Domizil das Telefon klingelt?Arena Night of Music Für Meine Hilfe zählt


Bei Thomas Kiessling fragt man selten umsonst. Auch dann nicht, wenn man jemanden sucht, der für einen guten Zweck umsonst auftritt. Wenn seine auswärtigen Auftritte und "Brotjobs" ihm die Zeit lassen, ist er für Einsätze in Trier immer zu haben. Egal, ob als Sahnehäubchen für ein Profi-Ensemble oder bereitwilliger Unterstützer für engagierte Amateure.
Fast in Vergessenheit geraten ist dabei, dass der Trier-Süder Jung - sein Vater war Organist in St. Matthias - in den 80er Jahren eine klassische Ausbildung zum Opernsänger absolvierte. Das war in Frankfurt, mit so illustren Lehrern wie Helmut Rilling und Rolf Reinhard. Danach startete er eine "ganz normale" Karriere, bis 1998 ein unverhoffter Zufall dazwischenkam: Kiessling wurde für das Trio Die jungen Tenöre gecastet, das bei der Ausscheidung zum Grand Prix Eurovision nur knapp geschlagen wurde - von Guildo Horn und Rosenstolz.
Danach begann eine atemberaubende Karriere, das Tenor-Trio wurde zur Keimzelle einer ganzen Pop-Klassik-Szene, die bis zu einer aktuellen Gruppe wie Adoro reicht. Das Ensemble war fast ununterbrochen auf Tour, drehte fürs Fernsehen, produzierte Alben, gastierte in ganz Europa.
2003 stieg Kiessling aus, es knirschte menschlich innerhalb des Trios, und er fühlte sich musikalisch eingeengt. Seither arbeitet er frei, und das auf unterschiedlichsten Ebenen. Er sang Opern (unter anderem "Tosca" an der Seite von Franz Grundheber), gab jahrelang große Weihnachtskonzerte in Berlin, gastierte in der New Yorker Carnegie Hall.
Vor allem machte er von seiner künstlerischen Freiheit reichlich Gebrauch. Sechs CDs entstanden in den vergangenen Jahren, alle in unterschiedlichen Genres. Von neapolitanischen Liedern und Schumanns klassischer "Dichterliebe" über Weihnachtslieder und Gospels bis hin zu Sinatra-Songs. Und stets dem Verein "Nestwärme" gewidmet, den er mit den Einnahmen finanziell unterstützt.
Sein neues Projekt ist die seit wenigen Tagen erhältliche CD "Weinreise", mit zwölf wiederentdeckten, selten eingespielten Weinliedern. Viele hat er bei seiner Zusammenarbeit mit der Mehringer Winzerkapelle kennen gelernt. Die Melodien hat er von den Originalen übernommen, die Begleitung mit seinem Produzenten Daniel Bukowski und dem Pianisten Klauspeter Bungert behutsam modernisiert. Kiesslings Credo: "Es soll generationsübergreifend Spaß machen, zuzuhören."
Das dürfte auch für seinen Auftritt mit der Big Band Art of Music beim Benefizkonzert am 11. Oktober in der Arena gelten. Denn was er dort vorhat, ist etwas ganz Besonderes: Er will "Nessun dorma", die seit Pavarotti populärste Opernarie der Welt, in einer Swingfassung singen.

Einen Video-Vorgeschmack auf die CD gibt es hier:

Extra

Die Nachfrage nach Karten für die Arena-Night of Music am 11. Oktober ist groß. Gut ein Drittel der 3500 Plätze sind trotz Ferien binnen kurzer Zeit verkauft worden. Es gibt aber keinen Grund zur Panik: Tickets in allen Kategorien sind noch genügend zu haben. Es ist aber möglich, dass beim Online-Verkauf viele belegte Plätze angezeigt werden. Das liegt daran, dass auch "Meine Hilfe zählt"-Initiativen wie Kinderschutzbund, Initiative Alibi, Aidshilfe oder Selbsthilfe-Agentur Sekis Tickets verkaufen, die für den Online-Verkauf zurzeit gesperrt sind. Die dafür reservierten Karten werden aber nicht alle in Anspruch genommen, deshalb kommen immer wieder neue in den Online-Verkauf. Bei www.volksfreund.de/tickets und www.ticket-regional.de lohnt sich ein regelmäßiger Blick auf den aktuellen Stand. Ab 26. August bietet auch die Theaterkasse Karten an. DiL