Teure Ringe und monströse Skulpturen

Trier · Zwei Wochen vor dem Start am 20. November rührt die Völklinger Hütte mächtig die Trommel für ihre Kelten-Ausstellung "Druiden, Fürsten und Krieger". Rund 1650 Exponate ergäben die "größte Ausstellung ihrer Art weltweit", verkündeten die Veranstalter diese Woche.

Die Leihgaben kommen aus ganz Europa, darunter auch Ringe aus Gold.

Um ein besonderes Exemplar dieser Gattung dreht sich Richard Wagners Opern-Vierling "Der Ring des Nibelungen". Wer als Opernhaus etwas auf sich hält, setzt alles daran, diese Monster-Produktion wenigstens ein Mal zu stemmen. Und weil auch die BASF-Stadt Ludwigshafen ab und zu im Konzert der kulturell Bedeutsamen mitspielen will, darf Intendant und Regie-Legende Hansgünther Heyme heute Abend mit "Rheingold" den Startschuss für den Pfalz-Ring geben. Dass in Spuckweite über den Rhein das Mannheimer Nationaltheater fast zeitgleich sein eigenes, nicht minder kostspieliges Ringprojekt in Angriff nimmt, sorgt freilich für Unverständnis bei der von Sparzwängen gebeutelten Kulturszene.

Im Ruhrpott darf man dagegen im Kulturhauptstadtjahr auch schon mal klotzen statt kleckern. So krönt sich das Festival, um das es zuletzt etwas still geworden ist, mit einer 18 Meter hohen "Herkules"-Skulptur auf einem wiederum 85 Meter hohen Turm in Gelsenkirchen. In der Nacht zum Mittwoch wurde das Monstrum per Autobahn-Schwertransport angeliefert - nun verleiht Markus Lüpertz persönlich dem Koloss per Bemalung die Weihen der höheren Kunst.

Letztere kann man sogar einem so trivialen Vorgang wie dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs vermitteln. Man muss nur, wie das Kölner Schauspiel, Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek damit beauftragen, ein Theaterstück über das Ereignis zu schreiben. Von "antiker Tragödientravestie" schrieb die Presse, und das Publikum feierte die Premiere von "Ein Sturz" am letzten Wochenende mit Standing Ovations.

Im verarmten Hamburg fürchtet man derweil den Einsturz des gesamten Kultur-Etats - und will sich dagegen mit einem Volksbegehren wehren. 10 000 Unterschriften sind erforderlich, um einen Bürgerentscheid über die gesetzliche Festschreibung des Bestands der vier historischen Museen der Hansestadt herbeizuführen.

Ob der Schauspieler Ulrich Tukur unterschrieben hat, ist nicht überliefert. Aber er schenkte seiner zeitweiligen Heimatstadt Hamburg die Premiere seines neuen Kleinkunst-Programms "Mezzanotte". Im kleinen St.-Pauli-Theater wurden seine Chansons, Couplets und Schlager mit der Band "Rhythmus-Boys" frenetisch gefeiert. Bis zum Ende des Jahres geht er auf Deutschland-Tour, macht aber um Trier einen Bogen von mindestens 200 Kilometern. Bleibt mal wieder die Hoffnung auf Luxemburg im nächsten Jahr.

Dieter Lintz

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