The Baseballs: Strömender Regen und ein brennendes Piano

The Baseballs: Strömender Regen und ein brennendes Piano

2000 Fans haben im strömenden Regen in Bernkastel-Kues gewartet, um die zweifachen Echo-Gewinner The Baseballs zu sehen. Die ließen sich vom Wetter nicht abschrecken, sie rockten den Regen einfach weg. Vor dem Konzert hatte unsere Reporterin Mandy Radics die Gelegenheit, ein Interview mit den sympathischen Jungs zu führen.

Das Rezept zum Erfolg: Die Grundzutat sind Songs bekannter Musiker wie Lady Gaga, 50 Cent oder Kate Perry. Die werden kräftig mit gutem Rock'n'Roll-Sound der fünfziger und sechziger Jahre vermischt. Und drei schnuckelige deutsche Jungs mit Elvistolle, karierten Hemden und hochgeschlagenen Jeans performen die Stücke.

Das hört sich jetzt nach Retorten-Band an, ist es aber nicht. Die drei Jungs Digger, Sam und Basti sind dem Rock'n'Roll verfallen, seit sie sechs Jahre alt sind. Ihre Tollen und Koteletten tragen sie, seit der Haarwuchs es zulässt. Und die Musik der Golden Fifties zieht sie magisch an.

2000 Fans haben diese Anziehung am Samstag bei der ersten PS-Musiknacht in Bernkastel-Kues wohl gespürt, denn auch der zeitweise heftige Regen konnte sie nicht von ihren Plätzen vertreiben. Natürlich kamen viele stilecht im sogenannten Rockabilly-Stil, der unter zahlreichen Schirmen und Regencapes hervorlugte - mit Pettycoats, Tollen, rotem Lippenstift.

Sam, Basti und Digger quitieren soviel Hingabe mit einer rockigen Bühnenshow und Songs der Alben "Strike!" und "Strings'n'Stripes!", das im April 2011 erschienen ist.

Das Publikum geht vom ersten Song an mit, kennt die Texte auswendig. Das Schöne: Die Musik vereint Jung und Alt. Und so lauschen Teenies dem Musikstil ihrer Eltern, während den Eltern die Lieblingsmusik ihrer Kinder als Rock'n'Roll-Version nähergebracht wird.

Sogar der Regen gibt auf. Die Zuschauer geraten aber nicht nur wegen des schwülen Wetters ins Schwitzen, ein Übriges tut der Hüftschwung der drei sympathischen Jungs, die schließlich wie Käfer auf dem Rücken liegend und mit den Beinen zappelnd ihre Songs präsentieren. Mit dabei sind "Hot'n'cold" von Kate Perry, "Let's get loud" von Jennifer Lopez oder "Hello" von Martin Solveig.

Dann singen 2000 Fans ein Ständchen, winken dabei mit Leuchtstäben. Digger hat Geburtstag. Fans haben sogar einen Kuchen gebacken - natürlich in Form einer Gitarre. Schließlich fliegen alle Leuchtstäbe in Richtung Bühne, die Jungs müssen in Deckung gehen. Gegen Ende des Konzerts geht schließlich das Piano in Flammen auf, das Publikum johlt und tanzt.

Obwohl Sams Tolle als die perfekteste gilt, fällt sie ihm am Ende der anderthalbstündigen Show verwegen ins Gesicht. Basti, Sam und Digger gehen nicht ohne drei Zugaben. Mit dabei ist ihre Version von Rihannas Umbrella, bei der viele Fans ihre Regenschirme aufspannen.
Interview

Foto: Mandy Radics

The Baseballs touren ab September durch ganz Europa, sechs Konzerte spielen sie in Deutschland. Unsere Reporterin Mandy Radics hat sie in Bernkastel-Kues getroffen.

Eure Haarfrisuren sind eure Markenzeichen. Wann habt ihr eure ersten Tollen gemacht?

Digger: So mit 12 habe ich die erste ausprobiert.
Sam: Mit sieben in der Badewanne. Aber erst in der Pubertät habe ich mir ernsthaft eine Tolle gekämmt.
Basti: (lacht) Ich hab mir meine erste Tolle mit neun für eine Mini-Playback-Show in der Schule gemacht. Ich habe Elvis imitiert.

Wie halten die Kunstwerke auf eurem Kopf denn?

Digger: Ich bin da ganz pflegeleicht. Einfach viel Haarspray. Aber Sam schickt jeden Tag Proben ins Labor. (lacht) Bei ihm streiten die Wissenschaftler noch. Niemand weiß genau, was da so drin ist.
Basti: Pomade, da kann man immer mit dem Kamm nachziehen.
Sam: Eine Mischung aus Pomade. Da gibt es nämlich verschiedene: harte und weiche Pomaden. Und weil es heute regnet, ist da auch Haarspray drauf. Willst du mal anfassen?

Klar fasse ich an - und zwar bei allen Dreien. Auf Sams Kopf fühlt sich die Haarpracht hinten hart vom Spray an und vorn eher weich und klebrig von der Pomade. Die blonde Tolle von Digger fühlt sich normal an, eben nach Haarspray-Style. Und Bastis Haar ist klebrig-glatt.

Ihr seid in ganz Europa unterwegs. Wo gefällt es euch am besten?

Natürlich hier in Bernkastel-Kues! (lacht) Aber wir genießen jedes Land und jede Stadt in vollen Zügen.

Man hat das Gefühl, ihr seid im Ausland, besonders in Skandinavien, berühmter als in Deutschland. Wie seht ihr das?

Es ist schon so, dass wir zum Beispiel in Finnland gleich um Autogramme gebeten werden, wenn wir nur mal in ein Restaurant gehen. Obwohl hier in Deutschland Musiker ständig neue Songs auf den Markt werfen, kennt man hier vielleicht nicht unbedingt unser Aussehen aber unsere Musik.

Ihr habt in Skandinavien Platinstatus, in Deutschland Gold- und in der Schweiz sogar Doppelplatin-Status. Das ist außergewöhnlich.

Digger: Wir hören Rock'n'Roll machen diese Musik, seit wir denken können, die Bekannheit kam durch Zufall.
Sam: Erklären können wir uns das Phänomen nicht wirklich. Wir nehmen einfach Songs, die die Leute kennen und verpacken sie neu. Dadurch sprechen wir auch junge Leute an.

Apropo Songs: Ihr bedient euch bisher bereits vorhandener Songs. Wie sieht es denn mit eigenen Stücken aus?

Wir schreiben alle schon immer eigene Songs. Auf dem neuen Album findet sich ein erstes eigenes Stück. Auch im Live-Programm haben wir meist drei bis vier eigene Stücke. Wir werden aber ganz klar weitermachen wie bisher, das gehört zu The Baseballs.

Ihr startet im September eure Europatour. Was erwartet die Fans?

Wir werden sechs Konzerte in Deutschland geben. Es werden Songs von der neuen aber auch von der alten CD zu hören sein. Aber wir haben immer auch einige überraschende Stücke im Gepäck, die noch niemand kennt.

Wie groß ist euer Publikum auf Konzerten?

Wir spielen auf großen Festivals mit 20.000 Leuten, aber auch auf gemütlicheren Konzerten mit 2000 Leuten wie letztens in einem Steinbruch in Skandinavien.

Was plant ihr für die Zukunft?

Wir sind bisher weitergekommen, als wir es uns erträumt hätten. Wir sind zum Beispiel auf einmal in den Charts und auf dem Cover einer Zeitschrift in Mexiko aufgetaucht, obwohl wir da nie waren. Aber eine Garantie gibt es nicht für unseren Erfolg. Ganz klar: Wir werden immer weiter Rock'n'Roll machen - Das machen wir, seit wir sechs Jahre alt sind.