1. Region
  2. Kultur

„The Trio Project: Variation X“ Tufa Trier

Konzert : Ästhetischer Genuss und eine kulturpolitische Erkenntnis

In der Trierer Tufa begeisterte „The Trio Project: Variation X“ ein kleines, aber hochengagiertes Publikum. Und das trotz unzulänglicher Bühne.

Klang ist Bewegung. Umgekehrt lässt sich Bewegung in Klang und Zeit fassen.  In ihrer Perfor-
mance  „The Trio Project Variation X“, die am Samstagabend in der Trierer Tufa zu sehen war,  macht die Choreographin Annalisa Derossi genau diesen Zusammenhang deutlich. Mit ihr waren die wunderbare Cellistin Fanny Balestro und der fabelhafte Geiger Isaac Espinoza Hidrobo nach Trier gekommen.

Alle drei Künstler arbeiten auch als  Tänzer. Knapp 50 Zuhörerinnen und Zuhörer hatten sich im Großen Saal eingefunden. Und um es gleich zu sagen: Ihre Begeisterung ersetzte leicht ein volles Haus. Kein Wunder: agierten doch oben auf der kleinen Bühne Performer, deren Spiellust und spannendes dialogisches Zusammenspiel aufs Publikum übergriff und  fesselte. Allesamt, wie gesagt, Crossover-Künstler, die im Wortsinn die enge Verbindung von Tanz und Musik verkörperten.

Zugrunde lag der Performance, die zum Beethoven-Jubiläumsjahr entstand, das Trio op.11 in B-Dur des Komponisten,  das den  Beinamen „Gassenhauer Trio“ erhielt, da  Beet-
hoven  im letzten Satz des dreisätzigen Werks das  Motiv einer zu seiner Zeit populären komischen Oper  eingearbeitet und variiert hat.  Nun ist der Zusammenhang zwischen Bewegung und Musik ein altbekannter, vielfach analysierter und künstlerisch überformter, ebenso wie die hier präsentierte Entwicklung neuer musikalischer Kompositionen  und Improvisationen auf der Grundlage alter Musik.  Auch in Trier zitierten die Künstler zuweilen Altmeister  Neuer Musik und des modernen Tanzes. Wer zudem den Programmzettel des Trios liest, könnte leicht auf die Idee kommen, dass es sich bei „Variation X“ um eine akademische hochdidaktische Analyse bzw. Stückentwicklung handelt. Erkenntnisgewinn gab es dann tatsächlich viel an diesem Abend, allerdings als ästhetischem Genuss für Augen und Ohren.

Ausgesprochen feinnervig lösten die tanzenden Musiker – oder sollte man besser sagen musizierenden Tänzer? – die Trio-Formation auf. Jeder Anschlag auf dem Klavier von Derussi wurde zur feinsinnigen  theatralischen Geste. Melodienlinien griffen als tänzerische Schritte Raum. Als Körpersprache verräumlichten die Künstler die Temperamente der Musik, ihren Übermut wie ihre Intimität. Bisweilen formierten sie sich  in ihren Pas de Deux oder als Dreier-Formation regelrecht zu skulpturalen Klangkörpern, deren Teil ihr Instrument war. Dabei blieb das Spiel leicht und bisweilen witzig, so wie die grundliegende Komposition. Ein Spiel mit Thema und  Variationen, aus deren Vielfalt sich neue Klangerlebnisse entwickelten. Besonders schön gerieten die leisen lyrischen Momente. Zum munter-frechen  Sprechgesang aus Klang und Rhythmus wurde zum Schluss der titelgebende Begriff „Gassenhauer“.

Kleiner Wermutstropfen: Leider sieht man bei nicht allzu viel Körperlänge in den ebenerdigen hinteren Reihen des Saals nicht die ganze Bühne. Und auch die Beleuchtung hätte differenzierter ausfallen können. Am Ende frenetischer Beifall und die Erkenntnis, dass die Tufa dringend einen modernen Veranstaltungssaal braucht.