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Theater aus Luxemburg: Kind nach Maß, doch nicht nach Wunsch

Theater aus Luxemburg: Kind nach Maß, doch nicht nach Wunsch

Ein Kind zusammenstellen mit Kreuzchen auf einer Wunschliste: Diese Vision stellt die Aufführung des Théâtre National du Luxembourg und des Jugendhauses An der Sonn (Helmdange) aus Luxemburg in den Mittelpunkt der Handlung. Die Aufführung im großen Saal der Tufa sehen allerdings nur knapp 50 Menschen.

Trier. Blond oder dunkelhaarig? Krankenschwester oder Professor? Die Möglichkeiten auf dem Bestellzettel für das optimale Wunschkind sind vielfältig. Aber ob das die Garantie für ein wirklich fehlerfreies "Objekt" ist? Dieser Frage gehen die Akteure bei dem Theaterstück "Kandowunsch" nach.
In dem wie eine Collage aus einzelnen Szenen zusammengesetzten Stück dreht sich alles um das Kinderkriegen. Da gibt es die Frau, die sich beim Arzt beschwert, dass sie nicht wie gewünscht einen blonden Sohn, sondern nur eine blonde Tochter bekommt. Ob sie dieses Kind auch behalten muss? Arzt und Krankenschwester, beide dargestellt von jungen Leuten mit Downsyndrom, sind empört. Natürlich muss die Frau das Kind behalten, es füttern, wickeln und lieben.
Eine andere Dame ist schon erleichtert, gar nicht schwanger zu sein, ruiniert es doch die Figur. Und aus dem Off hören die Zuhörer Gedanken einer jungen Mutter, die gerade ein behindertes Kind zur Welt gebracht hat.
Wie viel leichter ist es da, beim Callcenter einfach ein Kind nach Wunsch zu bestellen. Riesige, weiße Luftballons hängen an der Wand und stellen die Eier für die Designerkinder dar. Sie werden ständig abgestaubt von der Putzfrau, die selbst schwanger ist. "Komplett gratis", wie sie zu den Eltern sagt, die gerade für mehr als 3 Millionen Euro das Wunschkind bestellt haben.
Doch auch viel Geld ist keine Garantie, dass alles glattläuft. Denn es gibt eine Reklamation. Das Mädchen ist nicht so, wie die Eltern es haben wollen. Die äußeren Merkmale wie blond und blauäugig stimmen zwar. Aber statt wie gewünscht fleißig und folgsam zu sein, soll das Mädchen zu viel vor dem Computer sitzen und schlechte Schulnoten heimbringen. Die Lösung der Kinderwunschfirma: Das fehlerhafte "Objekt" wird nach Shanghai geschickt; die Eltern bekommen eine Aufwandsentschädigung.
Doch endet alles gut, das Mädchen trifft auf eine andere "Reklamation", die es mittlerweile zu etwas gebracht hat, weil sie die richtigen Menschen traf.
Das Stück war teilweise nicht ganz einfach zu verstehen, wozu auch der luxemburgische Akzent der Schauspieler beitrug. Aber alle Akteure, ob mit oder ohne Behinderung, spielen ausdrucksstark und mit viel Freude. noj