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Theater in Trier: Verdis Don Carlo hat am 22. Januar Premiere

Theater : „Halb normal und halb verrückt“: Wieso der „Don Carlo“ von Trier eine ganz besondere Version der Oper ist

Es ist ein düsteres, ein gewichtiges Werk, das ab dem 22. Januar in Trier gezeigt wird. Die Macher hinter dem Stück erklären, wieso der „Don Carlo“, der in Trier gezeigt wird, eine ganz besondere Version ist.

Giuseppe Verdi orientiert sich in seiner viertletzten Oper „Don Carlo“ an Friedrich Schillers gleichnamigem Drama. Aber er hat dem deutschen Klassiker durch seine außerordentliche Musik eine enorme Gefühlstiefe verliehen. Einfach ist der „Don Carlo“ dadurch nicht geworden – nicht für Interpreten und nicht für Besucher. Das Trierer Theater inszeniert diese große Oper in der Fassung mit vier Akten. TV-Mitarbeiter Martin Möller sprach dazu mit Regisseur Jean-Claude Berutti und Generalmusikdirektor Jochem Hochstenbach.

Herr Berutti, Herr Hochstenbach, Haben Sie Verdis Don Carlo schon einmal inszeniert oder dirigiert?

Berutti Ich habe zahlreiche Inszenierungen betreut und kenne das Stück sehr gut. Ich habe dabei unter anderem mit Samuel Ramey, José van Dam oder Jaume Aragall zusammengearbeitet.

Hochstenbach Auch ich habe das Stück in meiner Zeit als Kapellmeister häufig dirigiert und kenne es deswegen gut.

Welche Erfahrungen haben Sie mitgenommen aus  den Begegnungen mit diesem Werk?

Berutti Man muss Schiller gut kennen. Verdi hat Schillers Text auf Italienisch gut gekannt. Aber er kannte auch eine französische Fassung. Und er hatte die Chance, in Paris gute Librettisten zu finden. Verdi hatte sich ja schon früher mit Schillers Dramen befasst – zum Beispiel „Kabale und Liebe“ als „Luisa Miller“. Aber seine Librettisten waren weniger gut.

Hochstenbach Den „Don Carlo“ gibt es in sieben Versionen. Und wir machen daraus die Mailänder Fassung – italienisch mit Untertiteln und in vier Akten. Verdi hat die Oper so bearbeitet, dass man sie überall aufführen konnte. Er hat gewusst, wie man das Publikum erreicht. Und die Mailänder Fassung ist unter allen Versionen die konzentrierteste. Sie ist wie ein Kammerspiel – ganz anders als die französische Fassung mit dem Fontainebleau-Akt zu Beginn.

Ein Kammerspiel, und dann so ein großes Orchester?

Berutti Es ist ein Kammerspiel. Und die Idee kommt wirklich von Schiller. Bei Schiller ist man in einer geschlossenen Gesellschaft. Und das ist wohl das erste Mal, dass man einen adeligen Hof von innen sieht und nicht von außen. Bei Schiller verbinden sich Idealismus und Pessimismus – genau wie bei Verdi.

Eine Art von Innenschau – kann man das sagen?

Berutti Ja, genau so kann man das sagen.

Die Oper heißt „Don Carlo“ nach einer Hauptfigur. Warum heißt sie so? Was hat der Carlo, was die anderen Figuren nicht haben?

Berutti Weil dieser Held etwas ganz Besonderes hat. Er ist halb normal und halb verrückt. Er ist Epileptiker. Der Marquis von Posa ist anders, er wird erst im Stück zu einer tragischen Figur. In dieser Zeit damals hat man Helden sehr gern gehabt, und das Publikum hat auch Carlo mit seiner Tragik sehr gerne gehabt. Dahinter steht Shakespeares „Hamlet“. Hamlet, Hamlet, Hamlet – der hat alles überragt.

Wie gehen Sie als Regisseur mit der Mönchsgestalt um?

Berutti Dieser Mönch ist Karl der Fünfte, keine Frage. Und man wird auf der Bühne sehen, wie er Karl der Fünfte ist und auch, wie er ein Mönch ist.  Ich habe mich da wirklich von Hamlet inspirieren lassen mit seinen Gespenstern. Er erscheint als Gespenst

Eine Frage noch zum Orchester. Ist es wirklich ein besonderer Orchesterklang, ein großer, schwerer Klang, wie er sonst bei Verdi nicht üblich ist?

Hochstenbach Der Orchesterklang ist oft dunkel und schwer, wie er beim frühen und mittleren Verdi noch nicht ist.  Aber anders als Othello und Falstaff ist der Don Carlo noch nicht komplett durchkomponiert. Es gibt noch die Verbindung Rezitativ-Arie. Aber er macht es sehr geschickt, Er erfindet echte Übergänge. Oft bemerkt man das als Hörer gar nicht. Der „Don Carlo“ steht an der Schwelle zu Verdis Spätwerk. Danach kommen bei Verdi nur noch Aida, Otello und Falstaff.

Giuseppe Verdi,  „Don Carlo“. Premiere im Trierer Theater am Samstag, 22. Januar 2022 um 19:30 Uhr. Musikalische Leitung: GMD Jochem Hochstenbach, Inszenierung: Jean-Claude Berutti, Bühnenbild: Rudy Sabounghi, Kostüme: Jeanny Kratochwil, Chöre: Martin Folz, Dramaturgie: Malte Kühn. Mit Karsten Schröter (Großinquisitor) Thorsten Büttner (Carlo), Arminia Friebe (Elisabeth), Roman Ialcic (Philipp II.), Carl Rumstadt (Marquis von Posa), Janja Vuletic (Eboli), Karsten Schröter (Großinquisitor). Karten gibt es online auf www.theater-trier.de, persönlich an der Theaterkasse, per Mail an theaterkasse@trier.de sowie telefonisch unter 0651/7181818. Weitere Termine sind am  6. Februar, 16 Uhr, 12. Februar, 19.30 Uhr, 20. Februar, 18 Uhr, 4. März, 19.30 Uhr, 13. März, 18 Uhr und 12. April, 19.30 Uhr.