Theater Trier inszeniert Lessings „Nathan der Weise“

Theater : Theater Trier inszeniert Lessings „Nathan der Weise“ in der Europäischen Kunstakademie

Das Theater Trier bringt mit Lessings „Nathan der Weise“ den Klassiker der deutschen Aufklärung auf die Bühne. Und testet dabei erneut die Möglichkeiten, die die Europäische Kunstakademie bietet.

Kaum ein Bühnenwerk verkündet eine so unbestreitbar gute Botschaft wie Gotthold Ephraim Lessings „Nathan der Weise“. Die Ringparabel, Kernstück dieses dramatischen Gedichts von 1779, um die Frage der wahren Religion ist ein Manifest für Toleranz und Menschlichkeit. Ganze Generationen von Schülern lernten an ihr, was eine Parabel ausmacht und für welche Geisteshaltung die Epoche der Aufklärung steht. Auch für die kommende „Nathan“-Produktion des Trierer Theaters, die am Freitag Premiere feiert, sind bereits viele Schulvorstellungen gebucht.

Dröger Bildungsstoff? Überhaupt nicht, findet Regisseur Andreas von Studnitz. Wenn man den dramatischen Kontext beachte, in dem der Herrscher Saladin, nachdem er eine Reihe von Christen hat köpfen lassen und nun einen Geldgeber sucht, den reichen Juden Nathan  fragt, welche Religion die wahre sei, dann zeige sich dessen „furchtbare Zwickmühle“ – jede Antwort kann tödlich enden. „Und wenn man dann die Ringparabel erfindet, um den Kopf aus der Schlinge zu ziehen und die Schlinge zurückzuschicken, entsteht die Botschaft der Toleranz aus der Not, nebenbei“, so von Studnitz.

Doch zunächst zur Handlung, die im Jahr 1192 zur Zeit der Kreuzzüge spielt. Jerusalem ist seit fünf Jahren muslimisch, doch die Kreuzritter lauern bereits darauf, die Stadt für die Christen zurückzuerobern. Der jüdische Kaufmann Nathan hat bei einem Pogrom seine Frau und sieben Söhne verloren, nun gab es einen Anschlag auf sein Haus, aus dessen Flammen ein Tempelritter seine angenommene Tochter Recha befreit. Dankbarkeit nimmt der christliche Retter in religiöser Arroganz aber nicht an. Die Religionen und ihre Repräsentanten stehen sich feindselig gegenüber – bis eine die Konventionen sprengende Liebe sie zwingt, ihre Vorurteile zu hinterfragen.

Trotz seines Alters sei das Stück „mehr als aktuell“, sagt von Studnitz und ergänzt: „Das ist überzeitlich. Solange es Religionen gibt, ist dieses Stück angesagt.“ Der Regisseur, der zuvor Intendant in Ulm war, liest es generell religionskritisch – sieht in den drei Büchern Koran, Thora und Bibel ein Grundübel der Welt. Und zitiert Nathans Worte gegenüber dem christlichen Tempelherrn: „Sind wir nicht wichtiger als unser Volk?“ Angesichts wachsender fundamentalistischer Parolen weltweit lassen sich vielerlei aktuelle Bezüge herstellen. „Ich staune immer“, so von Studnitz, „wenn am Ostermontag der Petersplatz gerammelt voll ist mit jungen Menschen, die da dem alten Mann zuhören. Ich frage mich, was gibt das den Leuten denn, was ist das denn? Die Frage, wie verhalte ich mich richtig, was ist gerecht und was ist falsch, die kann einen auch so umtreiben.“

Die Inszenierung in der Europäischen Kunstakademie in Trier behält Lessings Blankverse bei, allerdings gekürzt auf eine Spieldauer von zwei Stunden mit Pause. Und von Studnitz versichert, dass sein Stück nicht nur Kenner, sondern auch unbefangene Besucher ohne Vorkenntnisse anspricht.

Premiere von „Nathan der Weise“ ist am Freitag, 27. September, 19.30 Uhr, in der Europäischen Kunstakademie in Trier, Aachener Straße. Es gibt noch Restkarten.
Weitere Vorstellungen sind geplant für 4., 29. und 30. Oktober jeweils um 19.30 Uhr sowie für Schulen am 14., 15., 16., 22. und 24. Oktober, jeweils um 10 Uhr.

Karten gibt es online auf www.theater-trier.de, unter der Mailadresse theaterkasse@trier.de sowie unter Telefon 0651/ 718-1818.

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