Theater Trier: Narrenschiff in Seenot

Theater Trier: Narrenschiff in Seenot

Es sollte ein Höhepunkt der Theatersaison werden: die erstmalige Zusammenarbeit des Trierer Vorzeigekünstlers Bodo Korsig mit Tanzchef Sven Grützmacher für die Produktion "Das Narrenschiff". Doch Finanzprobleme überschatten sechs Wochen vor der Premiere das ambitionierte Projekt.

Trier. Es klang nach einem Dreamteam, als Intendant Gerhard Weber bei der Saison-Präsentation stolz verkündete, er habe Bodo Korsig für eine Tanztheaterproduktion mit Sven Grützmacher gewonnen. Und dann auch noch für ein Projekt wie die tänzerische Umsetzung von Sebastian Brants Mittelalter-Roman "Das Narrenschiff", einem satirischen Welterfolg aus dem Jahr 1494. 109 Narren (bei Grützmacher: 12) per Schiff auf dem Weg ins Nirwana, auf der Flucht vor einer irre gewordenen Welt - bei Grützmacher natürlich eine heutige Welt. Dazu aber wiederum überwiegend Musik aus der Nähe der Entstehungszeit - von Heinrich Schütz und Claudio Monteverdi.
Die beiden unkonventionellen Trierer Künstler, auf sehr verschiedene Art Garanten für eine außergewöhnliche Auseinandersetzung mit sperrigen Themen, fanden rasch einen gemeinsamen Nenner. Korsig entwarf ein kühnes Bühnenbild aus Ästen, Stelen und Leuchttafeln. Und er holte den renommierten Frankfurter Filmemacher Pavel Schnabel ins Boot, um Videosequenzen für die Aufführung zu drehen. Verfremdete Bilder, packende Impressionen, faszinierend-schräge Kameraeffekte.
Den bescheidenen Etat halbiert


Was sich da abzeichnete, war ein Projekt mit großer Strahlkraft. Das vorgesehene Ausstattungs-Budget war mit etwa 7000 Euro vergleichsweise bescheiden (andere Häuser geben schon mal locker das Doppelte bis Fünffache aus), aber Korsig hatte sich ohnehin darauf eingestellt, dass mit einer Theaterausstattung zwar Ruhm und Ehre, aber schwerlich Geld zu verdienen ist.
Doch dann kam einmal mehr eine Einsparrunde beim Theater etat. Intendant Weber und Verwaltungsdirektorin Heidi Schäfer bekamen vom Rathaus klare Reduzierungsvorgaben. Und weil an den strukturellen Kosten kurzfristig nicht viel zu sparen ist, mussten auch die ohnehin klein dimensionierten Ausstattungsbudgets dran glauben.
So saß das Narrenschiff plötzlich auf einem halbierten Bühnenbildetat fest. Von den ursprünglichen Plänen blieb nicht viel. Es sah zeitweise nach einer Total-Havarie aus, Bodo Korsig war drauf und dran, die Brocken hinzuwerfen. Denn das, was da noch übrig blieb, reichte nach seiner realistischen Einschätzung "nicht einmal mehr für die Materialkosten".
Doch weil man mit der Planung relativ weit fortgeschritten war und inzwischen an dem künstlerischen Gemeinschaftsprojekt hing, wollte man das Narrenschiff nicht gänzlich absaufen lassen. Grützmacher und Korsig setzen nun darauf, dass sich möglicherweise ein Sponsor findet, der hilft, die Finanzlücke zu schließen. Gerade wegen der Einmaligkeit des Projektes und wegen des Bezugs zu Trier und seiner Künstlerszene.
Die Premiere ist für den 3. November geplant, die heiße Probenphase steht unmittelbar bevor. "Da wäre es schön, wenn wir wüssten, wo wir dran sind", sagen die Künstler. Und dass sie für Gespräche mit Interessenten jederzeit zur Verfügung stehen.