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Theater Trier Schauspiel Uraufführung Fracking for future

Theater : Das Licht muss an bleiben

Das Theater Trier bringt das satirische Schauspiel „Fracking for future“ auf die Bühne. Der britische Autor Alistair Beaton hat es nach den Wünschen aus Trier eigens umgeschrieben. Das Publikum ist begeistert.

Der Ort der Satire „Fracking for future“ könnte Neumagen lauten oder Bernkastel oder ein kleines Eifeldorf in der Nähe. Große Tafeln mit sonnenbeschienenen Weinhängen flankieren die Theater-Bühne im Großen Haus, wo Alistair Beatons auf deutsche Verhältnisse angepasstes Stück in der Regie von Lajos Wenzel am Samstag uraufgeführt wurde. Die hiesigen Schiefervorkommen nähren die Fantasie, dass tief im Erdgestein verborgenes Gas womöglich angebohrt und zur Energiegewinnung gefördert werden könnte, wie es in den USA oder Großbritannien längst Usus ist. Doch für das hierzulande (noch) verbotene und mit hohen Risiken für Umwelt und Gesundheit der Menschen verbundene Fracking müsste man erstmal die entscheidenden Politiker gewinnen. Da schlägt die Stunde der Lobbyisten.

Im Theater öffnet sich kein Vorhang, die Besucher sind gleich mittendrin in der Doppelrolle als Publikum und Teilnehmer einer Bürgerversammlung, wo eine übertrieben künstlich lächelnde Bürgermeisterin am Rednerpult (Tamara Theisen) meint, mit Bedenkenträgern leichtes Spiel zu haben. Sie hofiert die Fracking-Lobbyisten eines Energie-Konzerns und lässt bei der ersten ernsthaften Widerrede kurzerhand die pensionierte Professorin Petra Reinsbach unter Protest aus dem Saal entfernen. Doch der Schuss geht nach hinten los, die Szene wird gefilmt und landet im Netz. Petra wird zum Internet-Star, weil sie einen von der Lokalpolitik geladenen Fracking-Experten als korrupt entlarvt. Erschrocken und zugleich angestachelt von ihrem medialen Erfolg (engagiert: Barbara Ullmann) geht sie immer mehr in der neuen, an Fridays-for-future angelehnten Protestbewegung auf, die Petras Renomée dankbar für ihre neue Kampagne nutzt  –  zum Leidwesen von Petras Mann Wolfgang (Klaus-Michael Nix), dem die Welt von Veganern, Klimaaktivisten und Esoterik zutiefst fremd ist und der dem vom Strukturwandel gebeutelten Dorf ohnehin nicht besonders nachweinen würde. Da prallen in vielen komischen Momenten Welten aufeinander, erst recht, als die überdrehte Aktivistin und professionelle Demonstrantin Jenny (Stephanie Theiß) und ihr erst 19-jähriger esoterischer Freund Leon (Lennart Hillmann) ihr Zelt im Garten der Reinsbachs aufstellen.

Das schlichte, auf zwei Etagen angeordnete Bühnenbild wechselt hauptsächlich durch Lichtspots zwischen den Polen des Geschehens: dem sich in der Küche der Reinsbachs formierenden Widerstand der Klimaaktivisten und den unsauberen Aktivitäten der am Fracking interessierten Firma Deerland Energy und deren PR-Berater (Bühne: Tom Grasshof, Dramaturgie: Lara Fritz). „Reputationsmanager“ Chris Wiedemann ist mit allen Wassern gewaschen. Ein smarter Fiesling im knallpinken Anzug (Kostüme: Monika Seidl), der sich sicher ist, dass die deutsche Regierung Fracking erlauben wird – angesichts des gleichzeitigen Ausstiegs aus Öl, Kohle und Atomkraft und dem Wunsch nach Unabhängigkeit vom russischen Gas. Chris redet wie ein Wasserfall, rhetorisch brillant, und ist nicht zu bändigen in seiner Mission. Nicht mal gegenüber seinen Auftraggebern, dem unsicheren Spießer  Frank Schulze (Martin Geisen) und Firmenchefin Emma (Luise Harder), ist er loyal. Je nach Erfolgsaussicht wählt Chris seine Methode: umgarnen (Reinsbachs), bestechen (Lokalpolitiker), mit Verleumdungsklage unter Druck setzen (Petra), die Sprache manipulieren („Sie fracken nicht“, das Wort ist zu eklig, Sie fördern Gas) oder Google-Einträge frisieren. Raphael Christoph Grosch spielt diese Rolle überragend, souverän, fast atemlos hechelt er in den gut zwei Stunden von Aktion zu Aktion, betrügt, manipuliert und flucht sich dabei fast die Seele aus dem Leib.  Schon das Pensum der Sprüche, die Grosch vorbringt, und sein Tempo sind enorm. In einer Schlüsselszene besticht Chris den ebenfalls herrlich fiesen dicken Bauunternehmer Uwe Schröter (Manfred Paul Hänig), der mit seiner Ansage, nicht käuflich zu sein, nur den Preis in die Höhe treibt. Doch ist auch Chris nicht vor Rückschlägen gefeit – sein Assistent Malik (Nima Bazrafkan) wechselt schließlich die Seiten.

All das sorgt über zwei Stunden für Kurzweil und ein sprachliches Feuerwerk an Pointen, das die Besucher im nicht ganz ausverkauften Großen Haus immer wieder mit Lachern quittieren. Dann wechselt die Satire ins ernsthafte Bildungstheater. Ein Sprechchor rückt mit Nebel und Neonlicht an, bekannt von den Friday-for-future-Demonstrationen: „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut.“ Jugendliche des Trierer Jugendchors beschwören auf Englisch Mutter Erde, auf die wir aufpassen müssen. Eine Botschaft, die politisch korrekt, jedoch allzu brav und belehrend daherkommt. Und unterstreicht, dass dies nicht nur ein unterhaltsamer Theaterabend war. Lang anhaltender Applaus, Standing ovations.

Die nächsten Vorstellungen: 8., 16. und 25. März, jeweils 19.30 Uhr. Karten sind online auf www.theater-trier.de erhältlich, an der Theaterkasse, via E-Mail an theaterkasse@trier.de sowie unter Telefon 0651/7181818.