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Theater Trier setzt für die kommende Spielzeit auf Bewährtes, Beliebtes und lässt trotzdem Raum für Unerwartetes

Theater Trier setzt für die kommende Spielzeit auf Bewährtes, Beliebtes und lässt trotzdem Raum für Unerwartetes

In der zweiten Spielzeit von Karl Sibelius und seinem Ensemble deutet sich ein Kurswechsel an, der mehr Besucher bringen könnte. Der Spielplan ist gefälliger, die Namen sind groß. Gezeigt werden dennoch Stücke, die überraschen.

Beim ersten Mal hatte Karl Sibelius in die enge, nach Holzspänen riechende Schreinerei des Trierer Theaters geladen. Diesmal bildet der helle, mit Spiegeln und Ballettstangen ausgestattete neue Tanzraum im Walzwerk die Kulisse der Spielplanpräsentation. Unter dem alten Motto "Verrückt Euch" bleibt 2016/2017 nur noch manches anders. Vieles wird dem Publikum vertraut vorkommen.

50-mal hat Sibelius sein Ein-Mann-Stück "Alles bleibt anders" aufgeführt und danach mit dem Publikum diskutiert. Er weiß inzwischen, was das Trierer Publikum vom Theater erwartet. Er steht unter dem Druck, die Besucherzahlen und Einnahmen zu verbessern. Aber er sagt auch: "Ich habe diese Sehnsucht nach den großen Stoffen." Und so finden sich für die Spielzeit 2016/2017 große Namen und Populäres im Spielplan. "Es geht dabei aber nicht nur um Gewinnstreben", sagt Sibelius, "sondern um Horizonterweiterung". Es sei auch kein Garant dafür, "dass die Hütte immer ausverkauft ist". Vieles spricht beim Blick in den Plan dennoch dafür, dass er der Theaterkasse guttut.

Folgendes ist geplant:
Schauspiel: Die Sparte Schauspiel lockt mit bekannten Stoffen wie Goethes "Faust I", Hesses "Der Steppenwolf", Kleists "Amphitryon" und Oscar Wildes "Ernst ist das Leben (Bunbury)". Potenzial für einen modernen Klassiker sieht Spartenleiter Ulf Frötzschner in "Schwarze Jungfrauen" von Günter Senkel und Feridun Zaimoglu. Als Kinderstück wird Jules Vernes "In 80 Tagen um die Welt" gezeigt. Mit der Uraufführung von "Die rote Wand" wagen sich Sibelius und sein Theater an ein tragisches Stück Trierer Zeitgeschichte: Der Autor Lothar Kittstein zeigt in seinem Theaterstück, wie Medien und Gesellschaft mit dem Fall Tanja Gräff umgegangen sind .

Oper: Die Namen der Komponisten versprechen Klassiker, die Titel Überraschungen. Gespielt werden nicht Mozarts "Zauberflöte" oder Brittens "Peter Grimes", sondern Brittens musikalische Komödie "A Midsummer Night's Dream" und Mozarts "Idomeneo". Engelbert Humperdincks Märchenoper "Hänsel und Gretel" und Hans Krásas "Brundibár" bieten musikalischen Stoff auch für Kinder, zumal "Brundibár" vom neu gegründeten Kinderchor aufgeführt wird. Zwei Experimente würzen den Plan: Bela Bartoks "Herzog Blaubarts Burg" wird eine Zusammenführung von Sinfoniekonzert, Oper und medialen Einblendungen. "Der Ring - Babybabyballaballa" widmet sich, in Zusammenarbeit mit dem afrikanischen Sinfonieorchester Kimbanguiste, nordischen und afrikanischen Archetypen. Die Tango-Oper "Maria de Buenos Aires" wird zur Spartenkooperation zwischen Musik- und Tanztheater.

Musical: In der Musicalsparte wartet das Theater gleich zu Beginn mit bekannten Titeln auf: Erst "Cabaret", dann das Singspiel "Im weissen Rössl". Es folgt die Musicaladaption von "Die Brücken am Fluß", dem Filmklassiker mit Meryl Streep und Clint Eastwood. Das Theater konnte sich die Rechte an dieser deutschen Erstaufführung sichern. "Murder Ballad" ist zwar ein junges Musical, verspricht aber bereits einiges. Den Abschluss macht ein "Nachzügler": "Jekyll & Hyde Resurrection" wurde von der laufenden in die kommende Spielzeit verlegt.

Tanz: Im Tanztheater setzt man auf bekannte Künstler, wie in "Stabat Mater", einem getanzten Requiem in Urs Dietrichs Choreographie. Susanne Linke inszeniert mit "Hommage à Dore Hoyer" eine Rekonstruktion von Dore Hoyers "Afectos Humanos". Tänzer der Company Susanne Linke entwickeln in "Next Generation!" eigene Arbeiten und für "Tanz 4" kommen drei international tätige Choreographen nach Trier.

Konzerte: Bei den Konzerten verlässt das Theater sich auf Bewährtes. Generalmusikdirektor Victor Puhl plant acht Sinfoniekonzerte, seine Weltmusikreihe, fünf Mal Klassik um Elf, Family Classics (Die Abenteuer von Peer Gynt, Goldlöckchen und die drei Bären), ein Neujahrskonzert und Kammermusik.

Kooperationen: "Das Theater Trier ist ein gefragter Kooperationspartner", sagt Sibelius. Der Steppenwolf wird mit dem Grand Théâtre Luxemburg gezeigt, "In 80 Tagen um die Welt" mit Unterstützung des Burgtheaters Wien, zusammen mit dem Künstlerkollektiv Futur II Konjunktiv aus Berlin führt das Theater sein Marx-Projekt fort, wofür es von der Kulturstiftung des Bundes 150 000 Euro Zuschuss erhält, die Zusammenarbeit mit der Tufa wird fortgeführt, die Hochschule für Gestaltung entwirft die Theaterplakate.

Spielstätten: Das Kasino am Kornmarkt wird zum festen Spielort. Im Walzwerk mietet das Theater eine Werkstattbühne an. 99 Zuschauer sollen dort Stücke junger Autoren sehen können. Das dunkle Studio im Keller des Großen Hauses wird zur Kinderbühne umgestaltet. Auch die Viehmarktthermen will das Theater in der kommenden Saison bespielen.

Junge Zuschauer: Neben Studenten können dank einer Kooperation mit IHK und HWK bald auch Auszubildende das Theater dienstags, mittwochs und donnerstags für einen Euro besuchen.

Personelles: Nachdem Tobias Scharfenberger als Intendant zum Mosel Musikfestival gewechselt ist, ist nun Operndirektorin Katharina John stellvertretende Theater-Intendantin. Neuer Chefdisponent ist Marius Klein-Klute vom Pfalztheater Kaiserslautern.