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Theater Trier Weihnachtsmärchen Alice im Wunderland

Familientheater : Gruseln kommt nicht infrage

Ein Abenteurer für Menschen ab fünf: Das Trierer Theater bringt „Alice im Wunderland“ auf die Bühne.

Kaum ein Kinderbuch ist so oft für ein anderes Medium bearbeitet worden wie „Alice im Wunderland“, das der britische Schriftsteller und Mathematiker Charles Lutwidge Dogdson (1832- 1898) im Jahr 1865 unter dem Pseudonym Lewis Carroll veröffentlichte. Knapp 40 Mal wurde die Vorlage verfilmt; zum ersten Mal 1903. Es gibt Opernfassungen des Stoffs, Ballette, Hör- und Schauspiele.

Vom letztgenannten kommt nun noch eine weitere hinzu. Die haben Kim Langner und Axel Weidemann erarbeitet. Das Duo kann schon auf einige erfolgreiche Inszenierungen von Weihnachtsmärchen in Trier (und anderswo) zurückblicken; sie haben aus dem Kinderbuchklassiker eine „Trierer Fassung“ kondensiert, dafür die zahlreichen Figuren des Originals auf sieben Schauspieler(innen) reduziert und die Spielzeit auf rund 70 Minuten komprimiert. Und das ganze Projekt erst einmal auf Eis legen müssen.

Nun endlich konnten sie die Fäden wieder aufnehmen und zu dem verweben, was im Programm des Trierer Theaters zuverlässig zu einer der meistbesuchten Inszenierungen werden dürfte: das alljährliche Weihnachtsmärchen. Ehe die beiden Autoren sich an die Arbeit machten, haben sie erst einmal „aus der Erinnerung“ geschöpft, wie Kim Langner im Gespräch mit dem Trierischen Volksfreund erzählt. Man habe zwar den ein oder anderen Film angeschaut, „um hier und da was zu klauen“, wie Axel Weidemann schmunzelnd berichtet, hätten das dann aber doch nicht getan: „Was in Trier auf die Bühne kommt, ist ganz und gar unsere eigene Fassung.“

Von allen Märchen, die sie bisher inszeniert haben, sei „Alice“ das „fantasievollste und fantastischste“, sagt Kim Langner. In der Tat ist die Geschichte so herrlich überdreht, absolut unwahrscheinlich und so absurd, dass sich beim Lesen manchmal der Eindruck einstellt, der Schriftsteller nehme seine Leser mit auf einen LSD-Trip, der jeden Moment aus dem Ruder laufen könnte. Ist so etwas jugendlichen Theaterbesuchern zu vermitteln? Kim Langner ist sich da ganz sicher, denn „der Autor hat eine ganz besondere Vorstellungsgabe,  Humor und eine fast philosophische Sichtweise auf Kinderintelligenz, die der Intelligenz von Erwachsenen oft an Pfiffigkeit überlegen ist“.

Es sei nicht das erste Mal, dass ihnen ein Buch begegne, das so düster sei, sagt Weidemann. „Aber wir wollen natürlich nicht, dass die jüngsten Besucher (das Stück wird empfohlen für „Abenteurer ab 5“) sich gruseln“, ergänzt Langner. „Und die größeren sollen sich nicht langweilen.“ Ein Balanceakt, für den es einiges an inszenatorischem Fingerspitzengefühl bedarf. „Wir wissen, dass Kinder das, was sie im Theater sehen, auf dem Schulhof oder mit Freunden gern weiterspielen“, erzählt Langner.  Deshalb habe man den Text an manchen Stellen entschärft. Das „Kopf ab!“ der Königin, mit dem die Regentin jeden, der ihr nicht passt, liquidieren lassen will, wird auf der Bühne zu einem wenigen mortalen „Ab in den Kerker“. Was, wie Weidemann zugibt, immer noch ziemlich brutal klingt – „wenn man sich vorstellt, was da vielleicht Böses passieren kann“.

Was Carroll seine Hauptdarstellerin erleben lässt, sprengt im Grunde sämtliche Grenzen, was die Darstellung auf der Bühne angeht. „Fürs Schrumpfen und Wachsen von Alice haben wir schöne Bilder gefunden“, verspricht Langner. Die theatralischen Mittel seien ja endlich, sekundiert Weidemann, aber der Spaß bestehe schließlich darin, Tricks und Kniffe auszutüfteln, die den Zauber und das Fantasievolle des Originals in das andere Medium hinüberretten.

Kindertheater ist Mitmachtheater. Die jungen Besucher springen von den Plätzen, greifen in die Handlung ein, geben Kommentare ab – und das nicht nur in Zimmerlautstärke. Wie kann das in Corona-Zeiten funktionieren, ohne die Hygieneregeln zu verletzen? „Uns ist sehr wichtig, dass die Kinder im Theater wirklich etwas erleben, mitmachen dürfen und Teil des Abenteuers sind“, erklärt Kim Langner. „Dazu lassen wir unsere Schauspieler sonst gerne ,hautnah‘ eine Szene im Saal spielen und schreiben normalerweise Mitmach-Momente ins Stück, bei denen die Kinder den Helden auf der Bühne helfen müssen.“ Und Axel Weidemann ergänzt: „All diese Mitmach-Momente oder Szenen im Saal haben wir schweren Herzens gestrichen. Unsere Abenteurer werden also dieses Jahr nicht mit einbezogen, ermuntert zu helfen oder zu warnen. Aber viel lachen und Spaß haben ist – gerade in Pandemie-Zeiten – explizit erlaubt. Und wir haben keine Sorge, dass die Kinder auch ohne Mitmach-Momente ein wunderbares Erlebnis mit nach Hause nehmen werden.“

Premiere: Freitag, 12. November, 11 Uhr; Karten unter Telefon 0651/718-1818.