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Theater Trier zeigt Rossinis Barbier von Sevilla im Brunnenhof

Theater : Leicht und farbenreich wie ein Sommerkleid

Einzigartige Stimmung im Brunnenhof bei Rossinis „Barbier von Sevilla“ mit dem Trierer Theater-Ensemble.

 Intendant Manfred Langner musste noch um etwas Geduld bitten, bis die örtliche Gastronomie ihre Arbeit beendet hatte. Aber dann stellte sich ein, was im Trierer Brunnenhof immer wieder fasziniert: die einzigartige Stimmung. Wie mit einem Zauberstab verlor sich alles Beiläufige.

Die Aufmerksamkeit von Akteuren und Besuchern heftete sich im „Barbier von Sevilla“ ganz auf die intrigenreiche Handlung und Rossinis geniale Musik. Regisseur Yves Bombay und seinem Team ist mit dieser Freiluft-Inszenierung ein Meisterstück an theatralischer Sensibilität gelungen. Nichts an seiner Regie ist platt und vulgär, nichts überspannt und überreguliert. Will man den Vergleich wagen, so hat sie etwas von einem leichten, aber farbenreichen Sommerkleid.

Teile der Partitur wurden gestrichen, Nebenrollen und Chorsätze herausgenommen, das erste Finale ganz aufgegeben und das zweite deutlich reduziert. Figaro erläutert den Stand der Handlung in knappen Kommentaren. Aber trotz allem stellte sich nie der Eindruck des Unfertigen, des Fragmentarischen ein.

Und damit tut sich eine Geschichte auf, vorzüglich gespielt und launig kommentiert, Es ist die Geschichte vom heiratslustigen Doktor und seinem Mündel, vom intriganten Musiklehrer, vom Grafen, der erst als Bürger auftritt und dann gerade noch rechtzeitig seine wahre, adelige Identität offenbart. Es ist vor allem die Geschichte des stadtbekannten Barbiers, dessen Salon Schauplatz guter und vielleicht auch mal weniger guter Pläne ist und in dem die Gerüchteküche kocht und auch bestimmt mal überkocht.

Das Bühnenbild (Yves Bombay und Alexander Roy) assoziiert ein Wandertheater.  Es hat etwas Improvisiertes und ist doch nicht provisorisch. Stoffbahnen markieren die Kulissen, vor denen die Darsteller erscheinen und hinter die sie abtreten. Und aus all dem entwickelt sich eine dramatische Energie, die einfach erstaunt. Die springt über aufs Publikum und ohne Zweifel auch auf die Akteure. Mag sein, dass die  Ensembles nicht immer ganz ausgewogen waren – dass Blaise Rantoaninas Graf mit den eindrucksvollen sängerischen Schwergewichten Matthias Bein (Bartolo) und Karsten Schröter (Basilio) akustisch nicht immer Schritt hielt. Aber gerade dieser junge Tenor entfaltete je länger je mehr lyrische Qualitäten und verbreitet immer stärker eine Noblesse, ohne die eine Rolle wie die des Grafen nicht auskommt.

Und wie Einat Aronstein in der Premiere als Rosina Wärme und Koloraturenglanz verbindet, wie sie Gefühlsstärke und Virtuosität zusammenbringt – auch das gehört zu den Glanzlichtern der Trierer Inszenierung. Das große Quintett im zweiten Akt (Nr. 13) entwickelt sich dank solcher Qualitäten zum Mittelpunkt der neuen Version. Alles überstrahlend indes: Carl Rumstadts Figaro. Ein Ausbund an sängerischer Kraft und szenischer Beweglichkeit, an Witz, an darstellerischen Ideen, an echter Souveränität. Er beherrscht die Bühne. Keine Frage: Rumstadt ist die zentrale Figur dieser Oper und dieser Aufführung.

Jochem Hochstenbach dirigiert. Sein Pult steht etwas verloren und wie zufällig am Rand des Zuschauerblocks. Aber in dieser Position behält der Trierer GMD den Kontakt zu Sängerinnen, Sängern und Orchester und vermittelt ihnen seinen flexiblen und ausschwingenden Stil. Und die klein besetzten Philharmoniker, sie  musizieren mit einer eindringlichen Verbindung aus Sorgfalt und künstlerischem Elan.

Am Ende hat der Graf sein Inkognito gelüftet und ignoriert überdies durch seine Heirat mit Rosina alle Standesgrenzen. Die junge Generation mit ihren eigenen Maßstäben, sie hat sich durchgesetzt.  „Heut lösch ich die Laterne. Sie hat ihren Dienst getan“, singt Figaro zum versöhnlichen Ende.

 Weitere Aufführungen: Sonntag, 12. Juni, Samstag, 19. Juni, Dienstag, 22. Juni. Beginn jeweils um 19.30 Uhr.