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Theater ums Theater Trier: Minus größer als erwartet, Rücktrittsforderungen gegen Intendant Sibelius

Theater ums Theater Trier: Minus größer als erwartet, Rücktrittsforderungen gegen Intendant Sibelius

Wie soll Trier seine Kultur finanzieren, wenn es sich gleichzeitig zum Sparen verpflichtet? Darüber wird der Trierer Kulturausschuss am Samstag in einer Sondersitzung diskutieren. Neue Brisanz bekommt das Thema dadurch, dass das Theaterjahr 2015 noch schlechter lief, als erwartet.

Sondersitzung. Das klingt nach Krisengipfel. Dabei steht schon länger fest, dass der Trierer Kulturausschuss am Samstag tagt. Die Politiker wollen in Ruhe, nicht-öffentlich und ohne Beschlusszwang der heiklen Frage nachgehen, wie Trier seine Kultur finanzieren soll. Hat die Stadt doch entschieden, alles zu tun, damit sie 2022 eine schwarze Null schreibt. Das heißt: Sie muss sparen. Zu einer Art Krisengipfel könnte das Treffen dennoch werden. Nicht nur, weil der Eklat um das Stück „Die rote Wand“ über den Fall Tanja Gräff Thema werden dürfte. Sondern vor allem, weil die Bilanz des Theaterjahrs 2015 noch schlechter ausfällt als gedacht. Mit einem Minus von mehreren Hunderttausend Euro hatte man gerechnet.

Nun zeigt sich, dass 948.000 Euro fehlen. Beim Eintrittsgeld bleibt das Theater im turbulenten Umbruchsjahr 2015 rund 500.000 Euro hinter den Erwartungen zurück. Da das Haus zusätzliche Projektmittel eingeworben hat, nimmt es insgesamt 318.000 Euro weniger ein als geplant. Ein Minus, das der Besucherrückgang von mehr als 20 Prozent unter dem neuen Intendanten Karl Sibelius alleine allerdings nicht erklärt. Sibelius hatte im Schnitt der vier Monate, die er 2015 am Ruder war, "nur" 9000 Euro pro Monat weniger eingenommen als sein Vorgänger. Bei den Ausgaben schießt das Theater 2015 rund 630.000 Euro über das festgelegte Ziel hinaus. Eine Tatsache, die die Stadt vor allem damit erklärt, dass wegen Sparauflagen der Kommunalaufsicht 441.000 Euro aus dem Budget gestrichen wurden, nachdem der Spielplan längst stand. Zudem hätten Tariferhöhungen das Theater 100.000 Euro mehr gekostet.

Druck auf Intendanten wächst

Auch teure Produktionen am Ende der Ära Weber und im "Eröffnungswahnsinn" unter Sibelius spielen eine Rolle. Trotz dieser Erklärungen aus dem Rathaus wächst der Druck auf den Intendanten. Vermehrt werden Stimmen laut, die seinen Rücktritt fordern. Am lautesten fordert dies die Trierer AfD. An Sibelius, der sich selbst als polarisierende Persönlichkeit bezeichnet, erhitzen sich die Gemüter. Für manche mag eine Rolle spielen, dass Sibelius sein Anders-Sein austobt - vom Tretroller über die Hosenmode bis zur Kommunikation ist alles an ihm unkonventionell, er ist offen homosexuell, höchst emotional, ein charismatischer Schauspieler, manche sagen: ein Genie, ein strenger Chef, Antreiber, Idealist, ständig unter Strom, extrem präsent, charmant, hart, witzig und zuweilen ziemlich zickig.

Das könnte erklären, warum manche Personalquerele, die früher nur hausintern diskutiert worden wäre, nun Stadtgespräch wird. Für andere steht im Vordergrund, dass am Theater, für das Sibelius als Generalintendant die Verantwortung trägt, vieles nicht rund läuft. Den Versuch, Generalmusikdirektor Victor Puhl loszuwerden, hat mancher immer noch nicht verziehen. Das künstlerische Konzept für das abgesagte Großprojekt Nero Hero war in der Kritik, die Besucherzahlen sind gesunken, dann kam der Eklat wegen des Stücks über Tanja Gräff und nun auch noch die schlechte Bilanz 2015.

"Es läuft eine Kampagne gegen Sibelius"

Kulturdezernent Thomas Egger steht weiter hinter Sibelius. Der Intendant habe Fehler gemacht, aber keine wegen derer man zurücktreten müsste, sagt Egger. "Es läuft eine Kampagne gegen Sibelius, die er nicht verdient hat". Im Hinblick auf die Bilanz hat er den Intendanten gebeten, sich auf die Zahlen zu konzentrieren und das Schauspielern zurückzustellen. Sibelius spürt, wie rau der Wind geworden ist. Hinschmeißen will er aber nicht. "Mein Vertrag läuft bis 2020, wir machen hier tolles Theater, und wir werden die Finanzen auf ein solides Fundament stellen".

In zwei bis drei Jahren werde die Welt wieder anders aussehen. "Ich stelle mich der Verantwortung", sagt er. Mit dem Spielplan 2016/2017 deutet sich ein Kurswechsel an, der mehr Besucher bringen könnte. Er ist gefälliger, und die Namen sind groß. Publikumskracher am Ende der laufenden Saison dürfte das Musical "Jesus Christ Superstar" werden. Dass es 275.000 Euro kostet und sich so der "West Side Story" von 2012 (357.000 Euro) annähert, wird wohl für weitere Debatten sorgen.