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Theaterbilanz 2013/2014: Musicals locken ein Drittel der Besucher – 100.000-Marke wieder geknackt

Theaterbilanz 2013/2014: Musicals locken ein Drittel der Besucher – 100.000-Marke wieder geknackt

Lange Haare, böse Tiger und bekannte Melodien sind die Zutaten jener Aufführungen, die in der vergangenen Saison besonders viele Menschen ins Trierer Theater lockten. Das Haus kann sich über einen leichten Besucherzuwachs freuen.

Alles ist im Umbruch. Der alte Intendant geht, ein neuer kommt und nichts hat die Spielzeit 2013/2014 so sehr geprägt, wie die Frage, welche Zukunft das stark sanierungsbedürftige Theater Trier haben wird. Trotz der Ungewissheit und der vielen nahenden Veränderungen, gibt es auch eine Konstante. "Manche Tendenzen werden zum Ende der Ära des Intendanten Gerhard Weber zur Gewissheit: Die Trierer und ihre Nachbarn lieben es überwiegend leicht und bevorzugen das, was sie kennen", schrieb der im August 2014 gestorbene TV-Redakteur Dieter Lintz in seiner letzten Theaterbilanz. Worte, die weiterhin Gültigkeit haben.

Nicht nur in der Theatersaison 2012/2013, sondern auch in der folgenden zeigt sich der Hang des heimischen Publikums zu populären und altbekannten Geschichten und Melodien. Und es zeigt sich auch: Musicals - von denen es unter dem neuen Intendanten Karl Sibelius noch mehr geben soll - sind der Renner.

Der Neue sitzt auf dem Boden

Ihnen ist es maßgeblich zu verdanken, dass das Theater die 100.000er-Marke wieder knackte: Insgesamt besuchten in der vergangenen Saison 100 727 Menschen das Trierer Theater (inklusive der Konzertbesucher waren es 112 271) - etwas mehr als im Vorjahr (98 106 ohne und 105 164 mit Konzerten). "Wir sind zahlenmäßig und künstlerisch zufrieden", sagt Weber, als er dem Kulturausschuss der Stadt Trier am Dienstag das Ergebnis vorstellt. Im überfüllten Saal gleich hinter ihm sitzt auf dem Boden im Schneidersitz mit Laptop auf dem Schoß sein Nachfolger Karl Sibelius und bereitet sich darauf vor, dem Gremium seine Vorschläge zur künftigen Preisgestaltung zu unterbreiten (siehe Extra).
Mit Witz und Botschaft

Webers Zahlen zeigen ihm und den Politikern: Ein Drittel der Theaterbesucher kam der Musicals wegen. Mehr als 20.000 Gäste - größtenteils Kinder - wollten dabei sein, wenn Mowgli und seine Freunde es im Dschungelbuch mit dem bösen Tiger Shir Khan aufnahmen. Ein Musical mit Witz und Botschaft, das die Kinder so in ihren Bann zog, dass sie den kleinen Helden immer wieder lautstark vor Gefahren warnten. Ähnliche Erfolge feierte das Musical Hair. 11.736 Besucher erlebten, wie bunt gekleidete Langhaarige in dem bekannten Rockmusical von Liebe, Freiheit und Frieden sangen. Da die Besucher auch nach 19 nahezu ausverkauften Aufführungen noch nicht genug hatten, ging "Hair" in die Verlängerung.

Als Kassenschlager entpuppte sich mit fast 8000 Besuchern auch die unverwüstliche Operette Die Fledermaus. Obwohl sich darin - wie Dieter Lintz in seiner Kritik schrieb - so ziemlich alles fand, was die Mottenkiste hergab. "Freilich musikalisch rasant präsentiert und sängerisch exzellent auf die Bühne gebracht."

Allerdings fanden nicht nur die seichten Produktionen Anklang. Auch eine, die der Kritiker mit den Worten beschrieb, sie sei im Vergleich "fast schon ein Stück Anarchie" lockte mehr als 6000 Gäste ins Theater: Der nackte Wahnsinn - eine amüsante Parodie auf den Theaterbetrieb. Zum Schauspiel-Flop wurde Das Sparschwein, was allerdings wohl nicht nur daran lag, dass das Stück "nicht über eine Routine-Komödie hinauskam", sondern auch an der Konkurrenz durch die Fußball-WM.

Sieht man mal vom Rigoletto (6197) ab, so tat sich das Trierer Publikum mit der Oper weiterhin schwer. Insbesondere mit der deutschen Erstaufführung von The Fly - einer Oper, in der es um die Verwandlung eines Wissenschaftlers in eine Riesenfliege geht. Mehrere der ohnehin wenigen angesetzten Vorstellungen wurden abgesagt. Die anderen Opern ("Orpheus und Eurydike" sowie der "Wildschütz") wurden vor halbleeren Rängen aufgeführt.

In der Tanzsparte stach Sven Grützmachers Winterreise (3577) heraus - deren "unglaublich starke Bilder" Lintz sehr lobte. Dennoch blieb ein Drittel der Zuschauerränge leer.

Ein ganz anderes Bild boten die hauseigenen Konzerte, die mit insgesamt 11.544 Zuhörern fast durchweg gut bis sehr gut besucht waren. Unter den fremden Gastspielen feierte neben der Staatskapelle Weimar die französische Sängerin Florence Absolu mit ihrer Hommage an Edith Piaf Erfolge.

Am 15. März ist Absolu dort wieder zu sehen. Zuletzt sang die Französin in Trier auf der Beerdigung von Dieter Lintz. Im Gedenken an einen geschätzten Kulturkritiker, dessen Urteil über das Geschehen am Trierer Theater nach wie vor Gewicht hat.Extra: Weitere Themen im Kulturausschuss

In nichtöffentlicher Sitzung hat der Trierer Kulturausschuss über den Neubau des Theaters an alter Stelle beraten, der als beste Lösung gesehen wird. Ein Beschluss ist noch nicht gefallen. Nach TV-Informationen ist ein Architektenwettbewerb geplant. Die Gesamtbausumme könnte bei bis zu 50 Millionen Euro liegen. Zuletzt war eine Grenze von 40 Millionen Euro im Gespräch (der TV berichtete).

Auch der Spielplan für die kommende Saison war Thema. Er wurde dem künftigen Intendanten Karl Sibelius zufolge genehmigt. Die Öffentlichkeit wird im April informiert. Zuvor sollen die Mitarbeiter erfahren, was geplant ist.
Sibelius hat auch neue Ticketpreise vorgeschlagen. Größere Diskussionen gab es offenbar nicht. Künftig sollen sich die Preise an den tatsächlichen Produktionskosten orientieren. Unter der Woche sind die Tickets günstiger. Last-Minute-Tickets wird es nicht mehr geben. Eingeführt werden soll eine Theaterkarte: Für 99 Euro pro Spielzeit gewährt diese auf alle Vorstellungen 50 Prozent Rabatt. Für Schüler, Studenten, Auszubildende bis 27 Jahre und Schwerbehinderte ist außerdem ein Nachlass von 50 Prozent geplant. Der Mindestpreis beträgt jedoch immer zehn Euro. woc/kah