Theatergeschichte(n): Ein Schauspieler auf den Irrwegen des Lebens

Theatergeschichte(n): Ein Schauspieler auf den Irrwegen des Lebens

Er ist auf dem Weg. Lässt sich treiben, geht mal hier, mal da an Land.

Gerät in Gefangenschaft, kommt frei, kämpft, findet Freunde, zieht weiter. Sein Leben, eine einzige Reise, mit Aufs und Abs. Auch Christian Beppo Peters empfindet sich manchmal wie auf einer Reise: "Metaphorisch betrachtet ist das ganze Leben eine Odyssee."

"Odyssee" ist auch das Thema seines Portraits, das heute, Mittwoch, 13. April, 21 Uhr, im Theater-Foyer zu sehen ist. Die Geschichte, ein dem griechischen Dichter Homer zugeschriebener Epos, erzählt, wie der König von Ithaka, Odysseus, nach dem Trojanischen Krieg bei der Heimfahrt zehn Jahre umherirrt und nach vielen Abenteuern schließlich unerkannt heimkehrt. Homer baut mit Parallelhandlungen, Rückblenden, Einschüben und Perspektivwechseln Spannung auf.

Und auch Peters wird nicht die Geschichte des Odysseus einfach nacherzählen. Immer wieder springt der 36-Jährige ins Hier und Jetzt. "Die Kernfrage ist: Was ist die Odyssee heute? Sind wir nicht alle Odysseus? Befinden wir uns nicht alle auf einer Odyssee?" Der Held strande an Inseln, kämpfe gegen den einäugigen Zyklopen und gegen die Zauberin Kirke, lande in der Unterwelt. "Er hat viele Stationen."

Bei der Vorstellung des Projekts "Portraits" im Februar hat Peters Ausschnitte aus dem Epos vorgestellt. Diesmal widmet er sich einer Episode: die Gefangenschaft des Helden auf der Insel Ogygia. Dort halte ihn die Nymphe Kalypso sieben Jahre lang gefangen - als Lustobjekt, erzählt der Schauspieler. "Sie verspricht ihm Unsterblichkeit und ewige Jugend, wenn er bleibt. Doch er sehnt sich nach der Heimat und nach seiner Frau und befreit sich."

Diesmal will Peters seine Gäste auch auf eine musikalische Reise mitnehmen. Musik gehört von Kindesbeinen an zu seinem Leben. Er singt und spielt Klavier, entdeckt Synthesizer, Drumcomputer, Loop-Pedal - die er auch im Theaterfoyer einsetzen wird. Festlegen will er sich nicht: "Ich werde musikalisch laborieren", verspricht Peters.

Odysseus sei ein Typ, der durch die Maschen gefallen sei, sagt er. "Jeder kennt solche Leute, die irgendwelche Geschichten erzählen, um von ihren Schwächen abzulenken und gut dazustehen. Das ist eine Art Fluchtmechanismus." Die Idee dieser "Odyssee" habe er vor drei Jahren gemeinsam mit einem Freund in Düsseldorf für ein kleines Theater entwickelt. "Das Thema bleibt immer aktuell, das kann man weiterentwickeln." Als nun am Theater Trier persönliche Geschichten für die "Portraits" gefragt waren, habe er sich daran erinnert. "Ich habe das nicht eins zu eins umgesetzt", sagt er. "Es soll ein experimenteller Abend werden. Es kommt darauf an, was sich ergibt, wie das Publikum reagiert."

Auch Peters' Weg zum Schauspielerei ist kein gerader. Kunst schaffend sei er schon lange, sagt er, zuerst als Musiker. Über die Graffiti-Malerei kommt er zur Malerei und zum Fotografieren. "Ich war Anfang 20, als ich das Theater für mich entdeckt habe." Auch, weil ihn der Job des Bühnenbildners interessiert. Von 2004 bis 2008 besucht er die Akademie für Darstellende Kunst in Ulm, anschließend ist er vier Jahre in Tübingen engagiert, anschließend frei schaffend. Im vergangenen Jahr sei er viel gereist und habe viel Musik gemacht. Dann kommt Triers Schauspieldirektor Ulf Frötzschner, der Peters von der Zusammenarbeit im schweizerischen Wettingen bei Zürich kennt, und nimmt ihn mit nach Trier.

Das Theater ziehe ihn an. Nicht nur schauspielerisch. "Es gibt so viele Dinge, die mich interessieren. Es ist ein künstlerischer Spielplatz. Da kann ich mich austoben." Viele seiner Talente kann Peters heute Abend ausschöpfen. Heute, und am Donnerstag, 21. April. Dann wird die Odyssee weitergehen ...