Theatergeschichte(n)

Theatergeschichte(n)

Oma hat Max mit ins Theater genommen. Sie sehen sich das Schauspiel "Wilhelm Tell" an.

Weil Max das später in der Schule lesen wird, sagt Oma. Als das Stück zu Ende ist, fällt der Theatervorhang. Die Leute klatschen wie verrückt. Auch Max klatscht begeistert mit, besonders wegen der Szene, in der Wilhelm Tell seinem Sohn einen Apfel vom Kopf schießt. "Mann, konnte der zielen", findet Max. Der Vorhang hebt sich und ein Schauspieler nach dem anderen kommt auf die Bühne zurück und verbeugt sich zum Dank. Anschließend kommen alle, fassen sich an den Händen und verbeugen sich gemeinsam. Wieder senkt sich der Theatervorhang. Das Publikum klatscht immer noch. Manche Leute rufen: "Bravo!" Erneut hebt sich der Vorhang, die Schauspieler kommen und verbeugen sich. So geht das immer weiter. "Mama hätte schon längst gesagt ,Vorhang auf oder zu, entscheidet euch\'", denkt Max. Im Theater ist das anders, erklärt ihm Oma. Dort gehört das Auf und Ab des Vorhangs beim Schlussapplaus (Applaus ist ein anderes Wort für Beifall) sozusagen zur Aufführung. Nicht nur, wann das Publikum klatschen darf, ist geregelt. Auch wie und in welcher Reihenfolge sich die Schauspieler für den Beifall des Publikums bedanken, ist in der sogenannten Applausordnung festgelegt. Sie bestimmt auch, wann sich der Vorhang senkt und hebt. Der geschlossene Vorhang soll den Beifall verstärken. Wenn er sich wieder öffnet, soll das Publikum den Eindruck haben, es hätte mit seinem Klatschen die Schauspieler wieder auf die Bühne geholt. Bei Stücken, die zum ersten Mal aufgeführt werden, den Premieren, kommen nicht nur die Schauspieler auf die Bühne, sondern auch die Spielleiter und wenn möglich auch die Leute, die das Stück geschrieben haben. Die Applausordnung wird am Abend der Theateraufführung an die Wand gehängt, damit sie jeder lesen kann, der im Stück mitwirkt. Der Spielleiter muss dann dafür sorgen, dass sie eingehalten wird. Früher wurde der Erfolg eines Stückes oft danach beurteilt, "wie viele Vorhänge" es hatte. Das heißt, wie oft sich der Vorhang wieder heben musste, damit sich die Schauspieler verbeugen konnten. Je öfter, desto besser. Auch im Konzert gibt es solche Applausordnungen. Dort verbeugen sich aber nur der Dirigent und die Solisten, also die Musiker, die einzeln ein Stück spielen oder singen. Das Orchester steht dagegen nur auf. Eva-Maria Reuther

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