1. Region
  2. Kultur

Theatersaison 2013/14: Eine emotionale Berg- und Talfahrt

Theatersaison 2013/14: Eine emotionale Berg- und Talfahrt

Eines war markant an der Spielzeit 2013/14, die dieser Tage zu Ende geht: Die Schlagzeilen, die das Trie rer Theater machte, hatten wesentlich mehr mit dem Geschehen jenseits der Bühne zu tun als mit den künstlerischen Leistungen. Und anders als in der Vorsaison gelang es nicht durchgehend, den äußeren Druck bei den Produktionen in ein "Jetzt-erst-recht" umzuwandeln.

Es war eine emotionale Berg- und Talfahrt, die das Trierer Theater und vor allem seine Künstler seit dem Herbst 2013 durch die Spielzeit schleuderte. Dabei begann die Saison mit einem Erfolgserlebnis: Der Trierer Stadtrat beschloss, alle Spartenschließungspläne ad acta zu legen, das Ensemble zu erhalten und keines der Szenarien aus dem Haselbach-Gutachten zu verfolgen. Parallel wurde, anders als von vielen befürchtet, die Intendanz ausgeschrieben - womit klar war, dass ein "Andocken" an Koblenz oder Kaiserslautern ebenfalls vom Tisch war.
Da wähnte sich mancher in trügerischer Sicherheit und freute sich darauf, die Früchte des engagierten Ensemble-Protestes zu ernten. Doch der Stadtrat setzte, zunächst wenig beachtet, neue Akzente. Der künftige Intendant bekam eine andere, deutlich ausgeweitete Kompetenz: Gesucht wurde ein Manager mit künstlerischer und finanzieller Allgewalt, als Chef einer künftigen Theater-GmbH.
Dass ein solcher Intendant das Haus womöglich stärker umkrempeln würde als jedes Gutachten oder jeder Ratsbeschluss, dämmerte den meisten erst, als der Neue feststand und seine ersten Ideen skizzierte. Und dass er wirklich Tabula rasa machen würde, wurde vielen erst klar, als nahezu das komplette künstlerische Personal gekündigt wurde.
Ereignisse dieser Art können sich lähmend auf das Kreativpotenzial auswirken. Vielleicht liegt es daran, dass vom Schwung der Vorsaison nicht viel übrig blieb. Die Spielzeit wurde dominiert von Kassenfüllern wie dem braven "Hair", der patinierten "Fledermaus" und dem betulichen "Sparschwein". Da war der flotte "Nackte Wahnsinn" schon fast ein Stück Anarchie.
Oper - eine fremde Kunst


Die Oper und das Publikum fremdeln in Trier weiter. Der spannend inszenierte, gut besetzte "Rigoletto" fand im letzten Drittel der Aufführungsserie oft vor halbleerem Saal statt, bei "The Fly" wurden mehrere der ohnehin wenigen angesetzten Vorstellungen abgesagt.
Der "Wildschütz", offensichtlich ein Repertoire-Versuch, das Traditionspublikum zu locken, räumte nicht gerade ab. Da ist nicht mehr viel Besuchervertrauen übrig - trotz des überzeugenden "Orpheus" zum Finale, mit Kristina Stanek in der Titelrolle, dem herausragenden Talent der letzten Trierer Jahre.
Echte Herausforderungen? Nicht viele. Vielleicht noch am ehesten Gerhard Webers sperriger Büchner-Doppelabend mit Dantons Tod plus Leonce und Lena. Oder Sven Grützmachers vertanzte, intensive "Winterreise". Aber ansonsten viel "Theater light", sogar im Studio, wo Theresia Walsers "Ich bin wie ihr, ich liebe Äpfel" fast schon einsam das Fähnchen des zeitgenössischen Schauspiels mit literarischem Anspruch hochhält.
Erfreulicher Zuwachs bei der Kooperation mit der Theaterszene außerhalb des Hauses: Noch nie war so viel "Bühne 1", "Kreuz und Quer", Jugendclub, "Bühne 60plus" und "Neues Theater Trier" in den heiligen Hallen des Theaters. Der Mut, auf solche Etiketten wie "Bürgertheater" zu verzichten und die "Amateure" ins Programm zu integrieren, statt sie am Saisonende zu bündeln, könnte freilich bei den "Profis" noch wachsen.
Last not least war 2013/14 auch eine Abschiedsspielzeit. Die Veteranen Manfred-Paul Hänig und Peter Singer gehen in Ruhestand, Publikumsliebling Michael Ophelders wechselt zu einer Hamburger Musical-Produktion. Auch Bariton Alexander Trauth und Multitalent Matthias Stockinger wandern ab - auf eigenen Wunsch.
Sie alle sind - wie das komplette Ensemble - potenzielle Kandidaten für die Trierer Theatermaske 2014 (siehe Text links), die die Gesellschaft der Theaterfreunde in Zusammenarbeit mit dem Volksfreund verleiht.