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Thrash Metal - Dem Teufel die Seele aus dem Leib dreschen

Thrash Metal - Dem Teufel die Seele aus dem Leib dreschen

Provokant, geliebt und unverstanden: Die musikalische Subkultur des Metal fasziniert und schockiert gleichermaßen. Im ersten Teil blickte der TV auf die Ursprünge des Heavy Metal zurück. In diesem Teil soll die zweite Generation des Metal beleuchtet werden - der Thrash Metal.

Trier. Thrash Metal - das ist der Sound, der in den 80er Jahren das noch junge Metal-Genre auf ein neues, explosiveres Level hebt. Angestachelt vom Erfolg der Bands Iron Maiden, Motörhead oder Kiss beginnen junge Bands, den Metal weiter zu härten.

Der Glamour des Heavy Metal, das Tempo des Punk und die Ungeschliffenheit des Hardrock verschmelzen zu einem neuen Stil - Marke Straßenköter: hart und wütend. Thrash Metal! To thrash - auf Deutsch prügeln, dreschen. Prügel! Die Musik kommt dem Gefühl nahe, als müsse dem Teufel die Seele aus dem Leib gedroschen werden.

Auf eingängige Melodien, mitsingbare Refrains und warme Harmonien verzichten die Wüteriche. Thrash Metal erhebt sich zu einer aggressiven wie exzessiven Abgrenzung zum Punk und Hardrock. Das Selbstverständnis der Metaller ist eine Mischung aus Protest, Krawall und Tabubruch. Der ruppige, ungeschliffene Stil des Metal ist Lebensgefühl und Show zugleich. Tod, Gewalt, Angst, Hölle, Paranoia sowie Aufbegehren und der Aufschrei gegen Autorität gehören zum thematischen Inventar der Songs. Das spiegeln auch die martialischen Plattencover wider. Musikalisch loten Metallica mit ihrem Debütalbum "Kill 'Em all" (1983) und Exodus mit "Bonded by Blood" (1985) als Pioniere die Grenzen von Härte und Schnelligkeit aus. Mehr metallische Wucht ist die Devise. Slayer sorgen mit "Show no Mercy" (1983) für einen weiteren Meilenstein des Thrash Metal, dessen Signum zu dieser Zeit noch nicht existiert.

"Adrenalin starts to flow/You're thrashing all around/Acting like a maniac - whiplash!" (frei übersetzt: "Adrenalin schießt dir durch den Körper/Du zuckst herum und schlägst um dich wie ein Wahnsinniger - Schleudertrauma!"), lautet eine Liedzeile aus dem Titel "Whiplash” von Metallicas erstem Album "Kill ‘Em all”, in dem der Begriff Thrash erstmals fällt. So sieht der Erstkontakt mit dieser Musik aus: Wildes, entfesseltes Zucken voller ungebremster Energie, die heraus will aus dem jugendlichen Körper. Die Musik des Thrash Metal ist der passende Katalysator. Hämmerndes Schlagzeug, rasende, stahlharte Gitarrenriffs und das tobende Geschrei der Sänger.

In der Bay Area um San Francisco - der Keimzelle des Thrash Metal - tauchen junge hungrige Bands wie Slayer, Metallica, Exodus und Testament den noch jungen Metal in ein Stahlbad. An der Ostküste der USA machen die Bands Anthrax und Overkill von sich reden. Sie alle zählen zu den Vätern des Thrash Metal, der schnell in Europa seinen Einzug hält und dort Metal-Bands wie Pilze aus dem Boden schießen lässt. Die kreieren und etablieren ihrerseits aber eigene Abarten des Thrash Metal.

Als die Grunge-Welle mit Nirvana und Pearl Jam an der Spitze zu Beginn der 90er Jahre den Metal aus dem Rampenlicht der Bühnen spült, landen die Hartmetaller im Abseits. Ur-Thrash-Bands lösen sich auf. Bands wie Metallica und Megadeth versuchen dem neuen musikalischen Trend auszuweichen, spielen an Mainstream-Rock und Blues orientierten Metal. Bands wie Machine Head, Fear Factory und Sepultura entwickeln den klassischen Thrash Metal der 80er Jahre weiter.

Filigranere Kompositionen mit stilistischen Brüchen und komplexeren Songstrukturen kommen zum Tragen. Auf der anderen Seite reizen Bands Härte und Geschwindigkeit bis zur Schmerzgrenze aus. Zu Beginn des neuen Jahrtausends gelingt dem im Untergrund siechenden Thrash Metal durch eine junge Generation eine Renaissance. Viele der alten Thrash-Bands formieren sich neu und bringen den Thrash Metal in seiner reinen, unbehauenen Form wieder auf die Bühne. Bands wie Exodus, Annihilator, Slayer oder Metallica kehren zurück zu ihren stilistischen Wurzeln. Junge Bands wie die Suicidal Angels huldigen dem Thrash Metal der 80er Jahre im Stile eines Retro-Genres. Gary Holt, Gitarrist von Exodus, sieht die Neo-Thrash-Ära nicht als Wiedergeburt des ursprünglichen Thrash Metal. "Es ging uns beim Thrash nie um Trends. Wir haben einen Scheiß auf die Meinung anderer gegeben", sagte der "Minister des Thrash" rückblickend in einem Interview.

Metal heißt eben - keine Kompromisse zu machen.

Extra

Platz eins: Die britischen Heavy-Metal-Ikonen Iron Maiden haben zu ihrem 35-jährigen Bühnenjubiläum die Spitze der deutschen Album-Charts erobert. Ihr aktuelles Album "The Final Frontier" schaffte es auf Anhieb auf Platz eins und verdrängte die Platte "Große Freiheit" von Unheilig auf Rang zwei. Es ist die zweite Top-Platzierung von Iron Maiden in Deutschland - davor lag die Band 2006 mit "A Matter Of Life And Death" ganz vorn. (jp)