1. Region
  2. Kultur

Tiefe Mystik und gewaltige Farbklänge

Tiefe Mystik und gewaltige Farbklänge

In einen kostbaren Raum hat sich die Neue Galerie im Haus Beda verwandelt. Drei von den Nationalsozialisten als "entartet" diffamierte Großmeister der klassischen Moderne treffen dort aufeinander: Alexej von Jawlensky, Lyonel Feininger und Emil Nolde. Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit der Düsseldorfer Galerie Schwarzer.

Bitburg. Allein die Bilder für sich sprechen und klingen zu lassen, lohnt sich. Dennoch beschränkt sich die eindrucksvolle Schau im Bitburger Haus Beda nicht darauf, schöne Bilder zu zeigen und mit berühmten Namen zu locken. Verdienstvoll führen ihre Gemälde mitten ins Werk ihrer Schöpfer und geben Auskunft über deren Entwicklung und Arbeiten. Weshalb die Ausstellung auch unbedingt für Schüler zu empfehlen ist.
Der Rundgang beginnt mit dem weltläufigen, dabei tief in seinem Glauben verwurzelten Russen Alexej von Jawlensky. Das ganze Farbspektrum des Malers, das von den Farben russischer Volkskunst über Impressionismus und Spätimpressionismus bis zu den gebrochenen Farben des Alterswerks reicht, wird in Bitburg sichtbar. In Jawlenskys Blumenbild und in den gewellten Konturen mancher Köpfe wird die Vorliebe des Malers für Henri Matisse deutlich, in den Gemälden "Drei ernste Blumen" und "Bordighera" seine Auseinandersetzung mit Vincent van Gogh und Paul Gauguin.
Im Mittelpunkt steht auch im Haus Beda Jawlenskys großes Thema, das Antlitz, mit seinen Stationen, den "Heiligen" und "Mystischen Köpfen", die in der Werkgruppe der "Abstrakten Köpfe" münden. Das bedeutendste Bild in Bitburg ist Jawlenskys großartiger, nach innen schauender "Abstrakter Kopf: August-Gewitter" von 1930 - mit der typischen U-Form und einem Gesicht aus geometrischen Flächen, deren Stimmungen von zarter Poesie bis zu bedrohlicher Düsternis reichen. In einen wunderbar stillen Raum der Innenschau hat sich das Bilderkabinett neben dem Hauptraum verwandelt. Wie Ikonen hängen dort Jawlenskys feine kleine Formate.
Ein poetischer Kubist und Mystiker ist Lyonel Feiniger. Mit seiner Vorliebe für die Lichtmystik der Gotik und seiner Vorstellung von einer beseelten Natur war er ein später Romantiker. Seine Freundschaft mit Paul Klee am Weimarer Bauhaus mag ihn dabei bestärkt haben. Im Haus Beda ist er weitgehend mit Arbeiten aus seiner Zeit als Bauhaus-Lehrer (1919-1933) vertreten. Die aquarellierten Tuschzeichnungen führen unmittelbar ins Wesen von Feiningers Werk. Das architektonische Regelwerk der feinen Linien wird seelenvoll von Farbe orchestriert. Großartig: "Ober-Weimar" von 1920. Feiningers Gefühl für Licht und Horizonte findet Ausdruck in seinen Küstenbildern. Wie sehr sich in seinen Bildern Innenwelt und Außenschau decken, wird eindrücklich im flammenden Gemälde "Possendorf III" deutlich, das 1942 entstand, nachdem Feininger Deutschland verlassen hatte.
Gewaltige, vielfarbige Klangwelten sind Emil Noldes Gemälde. In der Farbe, im Spiegel der Landschaft, veräußert der Expressionist die eigene Seelenlage, wie einmal mehr in Bitburg zu sehen ist. Auch hier sind die Kleinformate die eindrücklichsten. Darunter seine flammende "Marschlandschaft mit Bauernhof unter roten Wolken", einem der großartigsten Bilder der Schau. Eine Ausstellung, die man unbedingt sehen sollte.
Die Schau ist noch bis 27. Oktober zu sehen. Öffnungszeiten: dienstags bis freitags 15 bis 18 Uhr, samstags, sonntags und an Feiertagen 14 bis 18 Uhr. Kontakt: Telefon 06561/96450, www.haus-beda.de