AUFGESCHLAGEN – NEUE BÜCHER: Tödliche Erbstreitigkeiten

AUFGESCHLAGEN – NEUE BÜCHER : Tödliche Erbstreitigkeiten

Winzer Werner Kannegießer aus Südtirol lädt den Fotografen Frank Gatow ein, Wingerte und Kellereien in seiner Heimat abzulichten. Aber als der dort ankommt, ist Kannegießer tot. Beim Tauchen vor einem Archipel Venezuelas soll der Winzer einen Herzinfarkt erlitten haben.

„Angeblich“, wie seine jüngste Tochter Theresa behauptet und damit die Erbstreitigkeiten in der Großfamilie des zweimal verheirateten Vaters erst richtig anheizt. Auf Theresas inständiges Bitten hin stellt Gatow erste Nachforschungen an. Die Mordthese erscheint ihm nach Kennenlernen der Familienmitglieder – vor allem der geldgierigen Ehefrauen sowie Töchter aus erster Ehe – und Aufdecken diverser Unstimmigkeiten äußerst naheliegend. Denn: „Ich bin eben ein Hingucker“, ereiferte sich Frank. (...) „Ich bin Fotograf, mache die Augen auf, ich sehe die Dinge, schaue mir die Leute an, sehr genau, die Welt und die Prozesse, Abläufe, Strukturen, dann drücke ich auf den Auslöser ...“ Plötzlich nimmt der Krimi deutlich an Fahrt auf, und Frank m u s s in dem Fall einfach weiter ermitteln. Grotes gut lesbarer Kriminalroman ist angereichert mit viel Wissen um Wein, genaue Ortskenntnisse sowie die Politik-Händel zwischen „Italienern“ und Südtirolern.

Paul Grote (Jahrgang 1946) arbeitete rund anderthalb Jahrzehnte als Reporter in Südamerika für Rundfunk und Presse. Als freier Autor lebt er inzwischen in Berlin und  hat sich allgemein auf Weinkrimis spezialisiert. Insgesamt 15 hat er bereits geschrieben, darunter auch einen zum Mosel-Riesling (Tödlicher Steilhang, 2013).

Jörg Lehn

Paul Grote, Pinot Grigio stand nicht im Testament. Kriminalroman. Originalausgabe, dtv, München 2018, 448 Seiten, 12, 95 Euro.

Mehr von Volksfreund