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Tragische Liebe im Haus des Malers Vermeer

Literaturkolumne : Tragische Liebe im Haus des Malers Vermeer

Die Farbe heißt Königsgelb … aber ich nenne es Apfelgelb. …  Vermeer hat erzählt, dass die Farbe schon im Altertum das leuchtendste Goldgelb gewesen sei … Die Farbe ist wie die eines Apfels an der sonnengeschützten Seite … Die rote Seite ist der Sonne ausgesetzt, sie hat sie verändert.

Die Seite des Schattens ist für mich die geheimnisvollere. Die auch besonders gut schmeckt, erläutert Jarik Stromen, der Protagonist des Romans, seiner Geliebten Griet van Dijk, für deren Kleiderfarbe er im Atelier seines Meisters dieses „satte“ Apfelgelb für ein Gemälde anrührt (S. 61/62). Der strahlende, leuchtende Farbton wird somit gar zum Titel des hier vorzustellenden Debütromans „Apfelgelb“ der Autorin Wiebke Kalläne.

Ihre Inspirationsquelle hierzu ist das Gemälde „Briefleserin am offenen Fenster“ von 1657 des bekannten holländischen Barockmalers Jan Vermeer (Joannis van der/ver Meer). Um dieses Bild herum – das im Übrigen den Schutzumschlag des Romans ziert -  entwirft die Autorin unter Einbeziehung neuerer Forschungsliteratur eine Geschichte rund um Liebe, Leidenschaft und die Malerei. Das alles ist gekonnt eingebettet in die gesellschaftlichen Gegebenheiten der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts in der niederländischen Stadt Delft. Standesehre und der Ehrenkodex der Gilden spielen eine große Rolle.

Zunächst kurz die Story des Romans: Jarik de Boer/Stromen, Sohn eines Schweinebauern, der seinen Vater nicht beerben will, sondern lieber Maler werden möchte, wandert deswegen in die Stadt Delft. Hier begegnet er dem noch jungen Maler Joannis van der Meer, der ihn als Lehrling mit zu sich nach Hause nimmt. Als der Meister ein Gemälde von Griet van Dijk malen soll, entbrennt Jarik in Leidenschaft nicht nur für die Farben, sondern auch für die Schöne … Der Ausgang der Geschichte soll hier nicht verraten werden. Doch so viel sei gesagt: Der Roman endet äußerst tragisch.

Kallänes historischer Roman umfasst nur 167 Seiten. Das überrascht, denn der Schluss des Werks hätte zum besseren Verständnis für die Leser durchaus noch ausführlicher dargelegt werden können. Auch bleiben die Charaktere – selbst der Hauptfiguren – insgesamt doch recht oberflächlich. Sehr viele grammatikalische und auch Rechtschreibfehler beeinträchtigen den Lesefluss zudem ungemein.

Das verwundert vor allem auch, weil die Autorin als Lehrerin angestellt ist. Eine sorgfältigere Arbeit des Lektorats – wenn es überhaupt eines gab - wäre vonnöten gewesen.

Jörg Lehn

Wiebke Kalläne: Apfelgelb: Die heimliche Liebe des Malers. Roman (Historoman 3), gebunden, 169 Seiten, Solibro Verlag, Münster 2019, 18 Euro.